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Tur Mobilisierung der „Heimatfront“
~~ ^ as war von der „Nationalgabe“ ausdrücklich zugestanden worden - von orts-
ansa ssigen Künstlern, Bildhauern oder Tischlern vorgelegt wurden. Am Her
stellungspreis der von der „Nationalgabe“ vorgeschlagenen Objekte mag diese
Ur ückhaltung der Gemeinden, die Entwürfe der „Nationalgabe“ zu übernehmen,
n >cht gelegen haben. Denn der Preis für die Eisernen Kreuze und Schwerter be-
^ e gte sich je nach Größe und Anzahl der benötigten Nägel zwischen Mk. 85 - und
k. 810,- , ein Schild mit aufgesetztem Eisernen Kreuz und anhängendem „Buch
1 er Spender“ war in seiner kleinsten Ausfertigung (31 x 37 cm) bereits schon für
Mk - 20- zu haben.
Die offensichtliche Zurückhaltung der Gemeinden gegenüber den Vorschlägen
er »Nationalgabe“ mag darin ihren Grund gehabt haben, daß man mit der gängi-
b°n Spendenverteilungspraxis nicht zufrieden gewesen ist. Bis zum Zeitpunkt, da
as Nageln reichsweit einsetzte, waren - beginnend mit der Ostpreußenhilfe im
Patjahr 1914 und der „Reichswollwoche“ im Januar 1915 - schon zahlreiche
Pendenappelle an die Bevölkerung gerichtet worden, und nie erfuhr der einzelne
jP e nder, was mit seiner Spende geschah oder wer in den Genuß der Spenden kam.
Ieser anonymen Art und Weise der Spendenverteilung sollte durch das Nageln
c“ntg e g en gewirkt werden, denn es war die Absicht der Nagelnden, daß ihre Nagel-
s Pende nur den hilfsbedürftigen Kriegsopfern der eigenen Gemeinde oder des eige-
” en Vereins zugute kommen sollte. In diesem Falle konnten sie sicher sein (und sie
°nnten es gegebenenfalls auch überprüfen), daß die Spenden richtig und gerecht
^erteilt wurden und nicht in irgendwelchen staatlichen Töpfen versickerten. Dane-
en ist auch die Bestimmung der „Nationalgabe“ - „Der Erlös [des Nageins, G. S.]
s °ll zu 3 / 4 der ‘Nationalstiftung’ und auf Wunsch X A den örtlichen Wohlfahrtsein-
" c htungen, die sich auf den Krieg beziehen, zufließen“ 15 -bei den Kommunen auf
Wcni g Gegenliebe gestoßen. Nirgendwo scheint es der „Nationalgabe“ gelungen
sein, diese Forderungen gegenüber den Initiatoren von Nagelungen durchzu
setzen.
Ina Anschluß an den Aufruf der „Nationalgabe“ verbreiteten auch andere Staa-
p Cn ^ es Deutschen Reiches die Idee des Nageins von Kriegswahrzeichen. In einer
Sc hheßung des bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 1. September
^ V 6 heißt es, man wolle zu diesem „Werk“ beitragen und es so gestalten, „daß es
er Ngenart unseres Volkes und den Gefallenen, deren Hinterbliebenen es dienen
° > Ehre macht, und schlicht und würdig den Stempel einer großen ernsten Zeit
tra gt. Einfache sachliche Wahrzeichen werden hierzu am besten geeignet sein. So
od^ Un< ^ ^° rt e * ne Gedenksäule mit dem Wappenschilde des Ortes aufgerichtet
sacT an ^ ee *§ neter Stelle ein Eisernes Kreuz genagelt werden, das dann im Rathaus-
k 5 ln der Kirchenvorhalle, am Schulhaus zum Gedächtnis angebracht werden
ann - Vor vielem anderen aber entspräche es wohl der Zeit, daß Gemeinden und
Ebd -^.
Abgedruckt in: Bayerischer Heimatschutz 13/1915, Nr. 5-8, S. 44.