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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 95.1999

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* 
Tur Mobilisierung der „Heimatfront“ 
~~ ^ as war von der „Nationalgabe“ ausdrücklich zugestanden worden - von orts- 
ansa ssigen Künstlern, Bildhauern oder Tischlern vorgelegt wurden. Am Her 
stellungspreis der von der „Nationalgabe“ vorgeschlagenen Objekte mag diese 
Ur ückhaltung der Gemeinden, die Entwürfe der „Nationalgabe“ zu übernehmen, 
n >cht gelegen haben. Denn der Preis für die Eisernen Kreuze und Schwerter be- 
^ e gte sich je nach Größe und Anzahl der benötigten Nägel zwischen Mk. 85 - und 
k. 810,- , ein Schild mit aufgesetztem Eisernen Kreuz und anhängendem „Buch 
1 er Spender“ war in seiner kleinsten Ausfertigung (31 x 37 cm) bereits schon für 
Mk - 20- zu haben. 
Die offensichtliche Zurückhaltung der Gemeinden gegenüber den Vorschlägen 
er »Nationalgabe“ mag darin ihren Grund gehabt haben, daß man mit der gängi- 
b°n Spendenverteilungspraxis nicht zufrieden gewesen ist. Bis zum Zeitpunkt, da 
as Nageln reichsweit einsetzte, waren - beginnend mit der Ostpreußenhilfe im 
Patjahr 1914 und der „Reichswollwoche“ im Januar 1915 - schon zahlreiche 
Pendenappelle an die Bevölkerung gerichtet worden, und nie erfuhr der einzelne 
jP e nder, was mit seiner Spende geschah oder wer in den Genuß der Spenden kam. 
Ieser anonymen Art und Weise der Spendenverteilung sollte durch das Nageln 
c“ntg e g en gewirkt werden, denn es war die Absicht der Nagelnden, daß ihre Nagel- 
s Pende nur den hilfsbedürftigen Kriegsopfern der eigenen Gemeinde oder des eige- 
” en Vereins zugute kommen sollte. In diesem Falle konnten sie sicher sein (und sie 
°nnten es gegebenenfalls auch überprüfen), daß die Spenden richtig und gerecht 
^erteilt wurden und nicht in irgendwelchen staatlichen Töpfen versickerten. Dane- 
en ist auch die Bestimmung der „Nationalgabe“ - „Der Erlös [des Nageins, G. S.] 
s °ll zu 3 / 4 der ‘Nationalstiftung’ und auf Wunsch X A den örtlichen Wohlfahrtsein- 
" c htungen, die sich auf den Krieg beziehen, zufließen“ 15 -bei den Kommunen auf 
Wcni g Gegenliebe gestoßen. Nirgendwo scheint es der „Nationalgabe“ gelungen 
sein, diese Forderungen gegenüber den Initiatoren von Nagelungen durchzu 
setzen. 
Ina Anschluß an den Aufruf der „Nationalgabe“ verbreiteten auch andere Staa- 
p Cn ^ es Deutschen Reiches die Idee des Nageins von Kriegswahrzeichen. In einer 
Sc hheßung des bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 1. September 
^ V 6 heißt es, man wolle zu diesem „Werk“ beitragen und es so gestalten, „daß es 
er Ngenart unseres Volkes und den Gefallenen, deren Hinterbliebenen es dienen 
° > Ehre macht, und schlicht und würdig den Stempel einer großen ernsten Zeit 
tra gt. Einfache sachliche Wahrzeichen werden hierzu am besten geeignet sein. So 
od^ Un< ^ ^° rt e * ne Gedenksäule mit dem Wappenschilde des Ortes aufgerichtet 
sacT an ^ ee *§ neter Stelle ein Eisernes Kreuz genagelt werden, das dann im Rathaus- 
k 5 ln der Kirchenvorhalle, am Schulhaus zum Gedächtnis angebracht werden 
ann - Vor vielem anderen aber entspräche es wohl der Zeit, daß Gemeinden und 
Ebd -^. 
Abgedruckt in: Bayerischer Heimatschutz 13/1915, Nr. 5-8, S. 44.
	        
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