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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 95.1999

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Gerhard Schneider 
aktionen ausmachte, ist hier bereits verwirklicht: die Wahl eines verbreiteten 
Kriegssymbols, das „Opfer“ für einen wohltätigen Zweck, der Bekenntnisakt der 
Daheimgebliebenen, der Wille, ein bleibendes Erinnerungszeichen zu schaffen, 
und das Festhalten der Namen derjenigen, die sich am Nageln beteiligt haben. 
Der sich schnell abzeichnende Erfolg dieses wiederbelebten Brauchs veranlaßte 
staatliche und nichtstaatliche Institutionen, sich an die Spitze dieser Bewegung zu 
stellen. Am ersten Jahrestag des Kriegsbeginns erhielten alle Gemeinden einen Auf 
ruf zugestellt, mit dem die „Nationalgabe Nagelung von Kriegswahrzeichen in 
allen Gauen Deutschlands zu Gunsten der Nationalstiftung für die Hinterbliebe 
nen der im Kriege Gefallenen“ neue Quellen zur Einwerbung von Spendengeldern 
zu erschließen versuchte - „den gefallenen Helden zur Ehre, den Hinterbliebenen 
zum Trost und zur Unterstützung, den Städten und Gemeinden zum Ruhm und 
der Jugend zur Nacheiferung“. Der Aufruf erschien gleichzeitig auch in fast allen 
deutschen Tageszeitungen. Ein wenig später veröffentlichtes Musterbuch der 
„Nationalgabe“ wiederholte den Aufruf in leicht modifizierter Version („daß auch 
alle kleineren Städte und Gemeinden unseres Reiches dem Beispiel [der größeren 
Städte, G. S.] folgen und überall derartige Wahrzeichen errichten. Als unvergäng 
liches Ruhmeszeichen für jeden Deutschen sollen sie Aufstellung finden“). Die 
Ehrenpräsidentschaft der „Nationalgabe“ hatte Generalfeldmarschall von Hin- 
denburg übernommen, von dessen Nennung an der Spitze dieses Gremiums man 
sich besonders eifriges Spenden der Bevölkerung versprach. 13 Ganz offen wird die 
Hoffnung geäußert, die Nagelaktion würde der „Nationalstiftung“ „neue Geld 
quellen eröffnen“, ein Hinweis darauf, daß die Sozialfonds zur Linderung der Not 
der Kriegsversehrten und Kriegshinterbliebenen nicht mit den nötigen Mitteln aus 
gestattet oder ein Jahr nach Kriegsbeginn bereits erschöpft waren, weil offensicht 
lich niemand mit einer derart hohen Zahl Berechtigter gerechnet hatte. 
Das Musterbuch der „Nationalgabe“ enthält auf 26 Seiten zwanzig Entwürfe 
für Kriegswahrzeichen, die von der „Nationalgabe“ in Auftrag gegeben und deren 
Schöpfer von ihr („zu Originalkünstlerpreisen“) auch honoriert worden waren. 
Auch wenn sich in der Folgezeit wohl nur wenige Gemeinden entschlossen, diese 
Entwürfe unverändert zu übernehmen, so gewann dieses Musterbuch doch Ein 
fluß auf die in den Gemeinden späterhin realisierten Nagelobjekte. Das Eiserne 
Kreuz, Nagelschilde und Säulen mit Schwert oder Adler und Eisernem Kreuz, Por 
tale alter Kirchen und Rathäuser, einfache Tafeln und Stadtwappen, jeweils mit 
oder ohne Widmungsinschriften und Jahreszahl 14 werden in den folgenden Mona 
ten in vielen Gemeinden genagelt, allerdings meist auf der Basis von Entwürfen, die 
13 Der modifizierte Aufruf wird hier zitiert nach dem von der „Nationalgabe“ herausgegebenen 
Musterbuch „Entwürfe von Kriegs-Wahrzeichen zum Benageln“, Charlottenburg o. J. (1913), 
wie es sich im Stadtarchiv Hannoversch Münden IX 4, 53 („Errichtung eines Kriegs-Wahrzei 
chens [Eisernes Kreuz] in hiesiger Stadt“) befindet. Der ursprüngliche Aufruf ist in zahlreichen 
Stadtarchiven erhalten geblieben. 
14 Musterbuch (wie Anm. 13).
	        
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