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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 73/74.1977/78

Buchbesprechungen 
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Person im Haushalt gewählt werden soll, was jeweils methodische Probleme 
hinsichtlich der Repräsentativität der Daten auf wirft. Der gewählte Weg 
schließt aber einen Personenkreis aus, der erfahrungsgemäß in Neubauten rela 
tiv häufig anzutreffen ist, nämlich den Personenkreis der Alleinwohnenden, 
und zwar alte und junge gleichermaßen. Da zudem im Haushalt nur die Haus 
frau befragt wurde, ergab sich eine weitere systematische Verzerrung. Als Re 
sultat dieses gewählten methodischen Zugriffs ist deshalb festzustellen, daß die 
Studie nicht für sich in Anspruch nehmen kann, die Realität des Wohnens in 
Zürcher Neubauten zu erfassen, sondern nur die von Familien, d. h. von mehr 
als zwei zusammen wohnenden Erwachsenen und dies nur aus der Sicht des 
weiblichen Partners. Ein solcher Zugriff schränkt naturgemäß die Aussagekraft 
derartiger Studien ein, d. h. ihre Aussagen können eben nur für den Personen 
kreis repräsentativ stehen, der definitorisch als die Grundgesamtheit bestimmt 
wurde. 
Es kann im Zusammenhang dieser Besprechung darauf verzichtet werden, auf 
weitere methodische Details einzugehen, etwa die Frage der Repräsentativität, 
aber es sollte deutlich geworden sein, daß eben die Reichweite empirischer Un 
tersuchungen und ihre Aussagekraft sehr stark vom methodischen Zugriff ab 
hängt. Zwar werden diese Tatbestände in der Studie selbst offen gelegt, aber 
die Gefahr besteht eben darin, daß diese Einschränkungen nur methodisch 
kundigen Lesern erkennbar sind, von nicht kundigen übersehen werden müssen. 
Letzteres führt dann in aller Regel zu einer Uberbeanspruchung der Aussage 
kraft derartiger empirischer Studien durch Dritte, vornehmlich bei Auftrags 
forschungen, was von ihren Verfassern selbst nicht gewollt wurde, aber im 
Resultat die Wissenschaftlichkeit derartiger Studien allgemein in Frage stellt. 
Selbstverständlich gilt dies nicht für die vorgelegte Studie, die methodische 
Sauberkeit im Rahmen des selbst gesetzten Zieles, aber eben nur darin, für sich 
in Anspruch nehmen kann. 
Noch eine methodische, eher publikatorische Kritik sei angemerkt. Jede Ein 
schätzung des Wertes einer derartigen Studie kann nur dann vollkommen ge 
schehen, wenn dem Leser auch das in Anwendung gebrachte methodische Instru 
mentarium vorgestellt wird. Aber auf einen Abdruck des für diese Unter 
suchung benutzten Fragebogens wurde aus unverständlichen - etwa aus ver 
legerischen? - Gründen verzichtet. Jenseits dieser methodischen Probleme bietet 
die Studie eine Fülle von Erkenntnissen, die nicht bis in die letzten Details - 
nicht zuletzt aus Platzgründen - dargestellt werden können. 
Ob es aber den Autoren mit ihrer Untersuchung gelungen ist nachzuweisen, 
daß Wohnsituationen und Wohnformen nicht ursächlich Folgen der Architek 
tur selbst, sondern „Folgen gesellschaftlicher Strukturen“ sind, muß letzten 
Endes offen bleiben. Das Erfassen dieser Strukturen beschränkt sich nämlich 
auf die sozialstrukturelle Bestimmung der Befragten, um Unterschiede in der 
Wohnzufriedenheit zu erklären. Aber die tatsächliche soziale Umwelt der Be 
fragten selbst wird weitgehend ausgeklammert. Genauer, sie kann nicht erfaßt 
werden, da die Personen als isolierte interviewt wurden, deren Aussagen nicht 
durch „Gegenaussagen“ von Personen, die in ähnlichen Umständen leben, d. h. 
in unmittelbarer räumlicher oder sozialer Nähe, vergleichend kontrolliert wer 
den können.
	        
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