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Volltext: Zentralblatt für Anthropologie, 13.1908

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A. Referate. Ethnologie und Ethnographie. 
170. L. liolk: Über die Verbreitung der Rothaarigen in den Nieder 
landen. Nebst einigen allgemeinen Bemerkungen über die 
Anthropologie der Holländer. Zeitschr. f. Morphol. u. Anthropol. 
1907. Bd. XI, S. 149—152. 
Bolk legt hier eine vorläufige Arbeit vor. Ausgedehnte anthropologische 
Untersuchungen an der holländischen Bevölkerung in Aussicht stellend, be 
spricht er zunächst einige Erscheinungen bezüglich der Verbreitung der Rot 
haarigen. Aber es stecken auch sonst eine Menge wichtiger Angaben in 
dieser Arbeit. 
Zunächst einige interessante Bemerkungen über den Friesentypus. So 
wie Virchow diesen beschrieb, existiert er normalerweise überhaupt nicht. 
Die Platykephalie auf der Insel Marken — solche Schädel waren gerade in 
Virchows Material — ist die Folge künstlicher Deformation des Kopfes der 
Mädchen durch eine Haube aus Pappe. Die Männer haben andere Form, oft 
die bekannte des Batavus genuinus. Diese faßt Verfasser als durch fort 
gesetzte Inzucht degenerierte Formen auf, während er in den großen, schön 
gewölbten, länglichen Schädeln, die aus den Wohnstätten der ersten (christl.) 
Jahrhunderte, den „Terpen“, stammen, den wahren friesischen Schädel sieht. 
Alle diese Schädel sind dolichokephal und leptoprosop; dieser Typus kommt 
auch heute noch vor, aber er ist in der Minderzahl. 
„Die Hauptmasse der Bevölkerung von Holland besteht aus zwei brachy- 
kephalen Typen: einem blonden und einem brünetten.“ Der blonde Typus 
hat einen Durchschnittsindex von 80 bis 82, kommt in ganz Holland vor; der 
dunkle, mit Index 84 bis 86, ist kleiner, chamaeprosop. Ganz auffallend sind 
die Unterschiede gegen früher: Von 80 „Terp“-Schädeln erreicht keiner den 
Index 82. (Mittel 76), dagegen von 80 Schädeln aus dem 14. und 15. Jahr 
hundert keiner mit Index unter 80 (Mittel 86)! — Dieser brünette Typus, 
den Verfasser mit dem Homo alpinus in Verbindung bringt, ist besonders in 
Zeeland, Limburg und Nordbrabant verbreitet. 
Nun zur Frage der Rothaarigkeit. Verfasser erhob statistische An 
gaben über 479 000 christliche Schulkinder (etwa 4000 Beobachter) und fand 
darunter 2,45 Proz. Rothaarige. Außer in Zeeland ist der Prozentsatz in 
allen Provinzen fast genau gleich, also ohne jede Abhängigkeit von der 
Häufigkeit der Blonden, die in der nördlichsten Provinz doppelt so groß ist 
wie in der südlichsten und zwischen beiden regelmäßig von Nord nach Süd 
abnimmt. Von städtischen Judenkindern waren ebenfalls 2,47 Proz. rothaarig, 
dabei nur 8 Proz. Blonde. 
Also fehlt jeder Zusammenhang zwischen Pigmentarmut bzw. Blondheit 
und Rutilismus. Ebenso zeigt eine Tabelle, daß die Augenfarbe, mit der die 
blonde, braune und schwarze Haarfarbe sehr schön parallel geht, von roter 
Haarfarbe unabhängig ist, rotes Haar kommt bei allen Augenfarben gleich 
oft vor. So hält also Verfasser den Rutilismus als eine Erscheinung sui 
generis, unabhängig von den Pigmentverhältnissen der betreffenden Be 
völkerung. E. Fischer-Freiburg i. B. 
171. Ridolfo Livi: La schiavitù medioevale e la sua influenza sui 
caratteri antropologici degli Italiani. Riv. Ital. di sociologia 
1907. Voi. XI (27 Seiten). 
Verfasser macht den Versuch, festzustellen, ob und inwieweit die im 
Mittelalter in Italien allgemein verbeitete Sklaverei auf den anthropologischen 
Typus des heutigen Italien von Einfluß gewesen sei. Im ersten, besonders 
für den Kulturhistoriker interessanten Teile werden zunächst Belege für den
	        
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