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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 50.1953

Die Tanzmusik im deutschen Mittelalter 
12 Volkskunde 3/4 
177 
IV. 
1 . Spielmannstanz England, 13. Jh. 
2. Figur II aus einer Sdiottisch-Quadrille Insel Föhr. Aufz. nadi 1 925 Mäßig bewegt 
3. Kehrreim eines „Schwäbischen National-Liedes" Aufz. um 1840 Munter 
Schwöfel-hölz-le, ij , ¡i mueß mer ha,... 
archaischen Bräuchen und Umzügen das Schütteln voji Lärminstru 
menten, das Schellenrühren, das Dröhnen umgeschnallter Glocken. 
Zweitens gehören zu einer konkreten Tanzmusik außer der Melodie 
doch auch die Klangfarbe der Stimmen oder Instrumente, die Mehr 
stimmigkeit, der Verlauf im ganzen mit Einleitung, Wiederholungen 
usf. Dazu kommt drittens „primärklangliches“ Singen und Spielen 
in Modellen, die nicht in erfülltem Sinne „melodisch“ sind. Hierhin 
gehört z. B. Kreisen im Dreiklang, wie in der urtümlichen Stier 
hornmusik zu einem Perchtentanz (D. dt. Vld V, 1903, S. 100). 
Wenn somit Melodien nur einen Teil der alten Tanzmusik bilden, so 
sind sie doch ihr Kern. Soweit man vor dem 16. Jahrhundert über 
haupt Gebrauchstanzmusik notiert hat, sind es fast ausnahmslos 
Melodien. Man notierte sie z. B., um geistliche Texte, die man ihnen 
unterlegte, volkstümlich zu machen. Allerdings geben die Noten 
bilder unmittelbar nur Tonfolge, Rhythmus und Form, nicht Tempo, 
emotionalen Charakter und was sonst zum vollen Wesen einer 
Tanz weise gehört; auch heute lernt man dies ja größtenteils nicht 
durch Noten, sondern durch Tradition und Nachmachen, z. B. den 
rhythmischen Schwung und die Stimmung eines Wiener Walzers. 
Man muß versuchen, diese Innenseite auf Grund des Notenbildes 
und anderer Kriterien zu verstehen, ohne dabei romantische oder 
antiromantische Gefühlsfarben aufzutragen. Das ist aber nur mög 
lich, wenn man zuvor den formalen Vordergrund der Melodien klar 
stellt, den die Noten unmittelbar wiedergeben. 
Die meisten Melodien erweisen sich als Abwandlungen gemeinsamer 
Typen. Unsere Zusammenstellungen sind Beispiele solcher Typen. 
In ihnen bleiben die wesentlichen Züge der Gestalt jeweils unver 
ändert, es wechseln aber Einzelheiten des Rhythmus und der Linie, 
die Taktart (z. B. in VI: 4 A, V4, 6 /s) u. a. Eine eigenwilligere Prägung 
und Erweiterung zeichnet die Melodie zum „Habersäen“ aus (V, 3); 
daran wird wohl der Komponist, Ludwig Senfl, beteiligt gewesen 
sein, aber der Zusammenhang mit den anderen Weisen der Tafel ist 
unverkennbar. Ziemlich fest stehen naturgemäß formelhafte Kehr 
reime, die durch die Menge gesungen und zu verschiedenen Tanz 
liedern übernommen wurden (z. B. X), während der Anteil der Vor 
sänger stärker wechselte, zumal man ihn oft „improvisierte“.
	        
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