Die Tanzmusik im deutschen Mittelalter
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IV.
1 . Spielmannstanz England, 13. Jh.
2. Figur II aus einer Sdiottisch-Quadrille Insel Föhr. Aufz. nadi 1 925 Mäßig bewegt
3. Kehrreim eines „Schwäbischen National-Liedes" Aufz. um 1840 Munter
Schwöfel-hölz-le, ij , ¡i mueß mer ha,...
archaischen Bräuchen und Umzügen das Schütteln voji Lärminstru
menten, das Schellenrühren, das Dröhnen umgeschnallter Glocken.
Zweitens gehören zu einer konkreten Tanzmusik außer der Melodie
doch auch die Klangfarbe der Stimmen oder Instrumente, die Mehr
stimmigkeit, der Verlauf im ganzen mit Einleitung, Wiederholungen
usf. Dazu kommt drittens „primärklangliches“ Singen und Spielen
in Modellen, die nicht in erfülltem Sinne „melodisch“ sind. Hierhin
gehört z. B. Kreisen im Dreiklang, wie in der urtümlichen Stier
hornmusik zu einem Perchtentanz (D. dt. Vld V, 1903, S. 100).
Wenn somit Melodien nur einen Teil der alten Tanzmusik bilden, so
sind sie doch ihr Kern. Soweit man vor dem 16. Jahrhundert über
haupt Gebrauchstanzmusik notiert hat, sind es fast ausnahmslos
Melodien. Man notierte sie z. B., um geistliche Texte, die man ihnen
unterlegte, volkstümlich zu machen. Allerdings geben die Noten
bilder unmittelbar nur Tonfolge, Rhythmus und Form, nicht Tempo,
emotionalen Charakter und was sonst zum vollen Wesen einer
Tanz weise gehört; auch heute lernt man dies ja größtenteils nicht
durch Noten, sondern durch Tradition und Nachmachen, z. B. den
rhythmischen Schwung und die Stimmung eines Wiener Walzers.
Man muß versuchen, diese Innenseite auf Grund des Notenbildes
und anderer Kriterien zu verstehen, ohne dabei romantische oder
antiromantische Gefühlsfarben aufzutragen. Das ist aber nur mög
lich, wenn man zuvor den formalen Vordergrund der Melodien klar
stellt, den die Noten unmittelbar wiedergeben.
Die meisten Melodien erweisen sich als Abwandlungen gemeinsamer
Typen. Unsere Zusammenstellungen sind Beispiele solcher Typen.
In ihnen bleiben die wesentlichen Züge der Gestalt jeweils unver
ändert, es wechseln aber Einzelheiten des Rhythmus und der Linie,
die Taktart (z. B. in VI: 4 A, V4, 6 /s) u. a. Eine eigenwilligere Prägung
und Erweiterung zeichnet die Melodie zum „Habersäen“ aus (V, 3);
daran wird wohl der Komponist, Ludwig Senfl, beteiligt gewesen
sein, aber der Zusammenhang mit den anderen Weisen der Tafel ist
unverkennbar. Ziemlich fest stehen naturgemäß formelhafte Kehr
reime, die durch die Menge gesungen und zu verschiedenen Tanz
liedern übernommen wurden (z. B. X), während der Anteil der Vor
sänger stärker wechselte, zumal man ihn oft „improvisierte“.