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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, N.F.10=48.1939

20 Cocchiara: 
Wir wollen uns nun die Dinge näher ansehen. 1905 besuchte Loria Circello. 
Er war damals inr Begriff nach Abessinien zu reisen, aber beeindruckt von den 
Lebensgewohnheiten jener südlichen Bevölkerung, trug er dem Grafen G. A. Ba 
stogi den Plan vor, eine Sammlung italienischer Trachten und Handwerkserzeug 
nisse zu veranstalten, die den Grundstock für ein nationales Volkskundemuseum 
bilden sollte. Bastogi, der von dem Plan begeistert war, gab Loria die Mittel 
an die Hand, ihn zu verwirklichen. Am 20. September 1906 konnte ein beschei 
denes volkskundliches Museum eingeweiht werden, das sich Nuseo etnografico 
italiano nannte und, wie Loria selbst sagte, „in einem dunklen Hause des Borgo 
San Jacopo in Florenz" Unterkunft fantd). 
Es war dies zweifellos ein großzügiger Versuch — dessen weitere Schicksale 
wir noch verfolgen werden —, aber es wäre nicht richtig, die in den anderen Pro 
vinzen Italiens entstehenden Volkskundemuseen als Nachahmungen dieses Ver 
suches und somit des Beispieles von Loria anzusehen. 
Der Hinweis Lorias auf sein Erlebnis in Circello war von suggestiver Kraft. 
Aber es handelte sich dabei doch mehr um eine rednerisch zugespitzte Wendung 
als uni eine streng historisch gemeinte Feststellung. Loria selber wußte das, denn 
verständnisvoll und gewissenhaft wie er war, zögerte er nicht, in dem bereits 
erwähnten Bericht folgendes hinzuzufügen: „Das Museum von Florenz genügt 
nicht; ich fühle, daß es, soviel Mühe auch darauf verwendet wird, niemals zu voller 
Wirkung kommen noch jene ideale Vollendung erreichen wird, die wir anstreben, 
wenn nicht in jeder Landschaft Italiens diese Forschungen ermuntert und nach 
drücklichst durchgesetzt werden. Kurz, das Museum wird zu einem gewissen Teil 
Erwecker dieser Studien sein können, aber zum anderen Teil wird sein Gedeihen 
und seine Lebenskraft von dem neuen wissenschaftlichen Unternehmungsgeist ab 
hängen, der in den verschiedenen Gegenden unserer Halbinsel bis jetzt freilich noch 
ein frommer Wunsch ist. Nur in unserem geliebten Sizilien wird durch das Ver 
dienst eines hervorragenden Forschers wie Pitro in diesen Tagen das sizilianische 
Volkskundemuseum eingeweiht. Der hochgesinnte und selbstlose Meister, der vor 
nunmehr 28 Jahren Italien und der Wissenschaft das erste Heft seines Archivio 
per lo studio delle tradizioni popolari darbrachte, gibt heute dem Vaterland mit 
der Gründung des neuen Institutes ein neues und nachahmenswertes Beispiel. 
Besser als ich es mit Worten vermag, zeigt er heute durch die Tat der Volkskunde 
einen sicheren Weg, auf dem sie mit Erfolg weiterschreiten kann." 
Das sizilianische Volkskundemuseum bedeutete also für Loria schon in seiner 
ersten Anlage vom Jahre 1910 ein nachahmenswertes Beispiel. Und das sizili 
anische Museum entstand nicht, wie das florentinische, aus einer auf gut Glück 
zusammengetragenen und auf kosten eines Mäzens zustande gekommenen Samm- 
9 über dieses Museum schrieb dann G. Amalfi einen gelehrten Artikel: Nuseo LtnoAratieo Ita- 
liauo, Neapel 1909.
	        
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