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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, N.F.10=48.1939

Museen für Volkskunde in Italien. 
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Folge den Grundstock eines Museums oder einer Unterabteilung eines solchen 
bilden^). 
An den völkerkundlichen Expeditionen hatten viele Italiener tätigen Anteil 
gehabt. Unter ihnen Lamberto Loria, der 1910 in einem auf dem Geographen 
kongreh von Palermo vorgetragenen Bericht mit dem Titel: „Uber Mittel und 
Wege, das Studium der italienischen Ethnographie zu fördern" an ein eigenes 
bedeutungsvolles Erlebnis anknüpft und von ihm aus wichtige Folgerungen für 
die „politische Wissenschaft" zieht. „Italien" — sagte er in jenem Bericht — 
«hat keine Kolonien, besonders keine von der Art, die unsere Forscher für die 
erotische Ethnographie begeistern könnten. Aber ich möchte Ihnen hier ein Er 
lebnis aus meiner Forschertätigkeit berichten. Ich befand mich in Circello im 
Samnium (Provinz Benevento) und dachte mit Sehnsucht, fast möchte ich sagen 
mit Heimweh, an jenes Zeltleben, das ich in meiner Jugend unter der wilden 
Bevölkerung von Neuguinea geführt hatte und das ich im Begriff war, in Asso- 
arta wiederaufzunehmen, als in mir, der ich zuerst mit Gleichgültigkeit und dann 
mit immer wachsender Aufmerksamkeit das eigenartige Leben dieser samnitischen 
Bevölkerung betrachtete, plötzlich wie von selbst die Frage aufstieg: warum gehen 
wir soweit weg, um die Sitten und Gebräuche der Völker zu studieren, wenn 
wir noch nicht einmal die unserer Landsleute kennen, die zwar politisch unter 
einer Regierung vereinigt sind, aber deren Blut in mancherlei Mischung tausen 
derlei Erbcharaktere enthält? Viele hatten sich vor mir diese Frage vorgelegt, 
niemand hatte sie noch mit dem Entschluß zur Tat beantwortet. Kaum aus Asso- 
arta zurückgekehrt, gründete ich das Museum für Italienische Ethnogra- 
phie^). Zwei Ziele schwebten mir dabei vor, die vollkommen denen glichen, die 
die Regierungen und Forscher des Auslandes im Auge hatten, als sie daran gingen, 
das Leben und die Psyche der unterworfenen Völker zu studieren: die Wissen 
schaft der italienischen Ethnographie zu schaffen und so auf einem Umwege 
unsere Staatsmänner und Gesetzgeber zu mahnen und zu belehren, damit sie beim 
Negieren und Gesetzemachen gebührend Rücksicht auf die tiefgehenden Unter 
schiede und folglich auch auf die unter sich verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen 
italienischen Landschaften nehmen .. ?)" 
x ) Nicht immer geschah die Zusammenstellung der ersten ethnographischen Museen nach irgend 
welchen wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Zuerst begnügte man sich mit der bloßen Sammlung des 
Materials. Einer der ersten Gelehrten, die sich ernsthaft mit der ethnographischen Museumskunde be 
schäftigten, war W. Foy bei der Einrichtung des Rautenstrauch-Joest-Museums für Völkerkunde. 
Dgl. dazu: W. Foy, Ethnologica, Teil I, S. 1—70, Köln 1909. Vgl. auch: A. van Gennep, Religion«, 
Mœurs et Légendes, Teil 3, S. 62—73, Paris 1911. 
2 ) Museo d’Etnografia italiana. Dem italienischen etnografia entspricht hier die Sachgut- 
sorschnng innerhalb der Volkskunde. (Anm. des Übersetzers.) 
3 ) Dieser Bericht ist zusammen mit einem Bericht von Francesco Baldasseroni: velia Locietà 
di Etnografia italiana e di alcuni scopi cui deve iniziare (Über die Gesellschaft für Italienische Ethno- 
9rapf)ie und einige Ziele, die sie verwirklichen soll) in der „Rassegna contemporanea", 3. Jahrg., 
r. 7, Rom 1910, veröffentlicht worden. 
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