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Fischnaler:
eines Passionsspieles anregte, ist die Inszenierung eines solchen zu Kitzbühel
erst 1628 sicher bezeugt. In diesem Jahre erscheint der Schulmeister Adam
Pogwitz als Seele des Unternehmens, wofür ihm von den Kirchpröpsten
Michael Ruedorfer und Franz Viechter eine Ehrung von 3 fl. zuteil wurde,
wie ausdrücklich bemerkt „umbwegen der an dem hl. Charfreitag gehal
tenen Comedj“. Dieselbe Vorstellung erfolgt auch 1639. Sie war die letzte
der unter der Ägide der weltlichen Kirchen-Vorstellung inszenierten
Volksschauspiele kirchlichen Charakters, denn 1640 traten die neuen Stadt
vikare aus dem Dominikaner-Orden, die PP. Urban Birk und Michael Kröss,
in ihr Seelsorgsamt zu Kitzbühel und übernahmen die Obsorge für die
aufstrebende Rosenkranz-Bruderschaft. Diese verfolgt nun die Pfade des
alten Volksschauspiels mit besonderem Eifer.
Schon im Jahre 1708 verzeichnet der Kassier Matth. Unterrainer das
Wiederaufleben der „Passions-Exhibition“ unter Leitung des Berggericht
schreibers Johann Jakob Schalber, die einen Reingewinn von 5 fl. 16 Krz.
für die Bruderschafts-Kasse erzielte. Von 1710 an lassen sich dann diese
neuen Passionsdarstellungen oder „Komödien“, wie sie hier getauft sind
und wahrscheinlich an den letzten Karwochentagen stattfanden, für die
Jahre 1711, 1718, 1721, 1722, 1726, 1728—1740, 1746, 1747, 1755 und 1764,
also mit kleinen Zwischenräumen verfolgen. Für manche Jahre gab es sogar
Wiederholungen, wobei die Anfangsaufführung am Palmsonntag nach dem
Miserere, die nächste am folgenden „Erchtag“ (Dienstag), die dritte am
Donnerstag in der Karwoche angesetzt erscheint; dagegen sind Darstellun
gen anderer „geistlicher Spiele“ selten. Jesuiten-Dramen drängen sich ein,
so 1708 und 1711 Komödien des Matthias Bertius neben einem volkstüm
lichen „Auferstehungsspiel“ und 1741 die „Idda“-Komödie.
Am beliebtesten ist das „Spiel vom hl. Rosenkranz“. Die Handschrift
desselben stand in der Hut des ersten Präfekten; es wurde zur Pfingstzeit
„executiert“, wie 1749 bemerkt ist, „mit aller erforderlichen praecaution
sowohl wegen der Abwendung des Feuers“ als der Ränke und Kniffe der
übermütigen Teufel, welche sich mit den armen Seelen im Fegfeuer allerlei
„Unanständigkeiten“ erlaubten. An der Inszenierung des Rosenkranz-
Spiels nahmen die Pfarrherren, von denen namentlich ein P. Vincenz und
P. Raimund Schnapper, beide Dominikanerordens, erwähnt sind, lebhaften
Anteil. 1746 ehrten die Bruderschafts-Präfekten „gewisse Patres“ nicht
nur für den Text der Komödie, die sie mit 8 fl. 20 Krz. bewerteten, sondern
auch für die „Music-Composition“ dazu mit 12 fl. 30 Krz. Die Spieler sind
nirgends verzeichnet; es waren Knappen der nahen Bergwerke, Handels
leute, Handwerker, doch stets ansehnliche Personen. Die musikalische
Exekutive lag zur Zeit der Blüte in den Händen des Organisten an der
Pfarrkirche oder des Schulmeisters. Von ihnen tat sich Martin Eberl, der
auch als Komponist tätig war, rühmlich hervor. Er starb 1723. Da Ge
sangs- und Spielproben oft abends stattfanden, erhielt schon 1718 der
Bruderknecht die strenge Weisung, „auf das liecht vleissig obacht zu haben“
und auch nicht zuzulassen, daß sich die Unruhe „bis in die halbe Nacht“
ausdehne.