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Fischnaler:
Sonntag“. Die Verherrlichung der Himmelsjungfrau fand dabei den kraft
vollsten Ausdruck.
Leider kann man nicht mehr feststellen, welches der beiden verehrten
Madonnenbilder in der U.-L.-Frauen-Kirche das Vertrauen der Gläubigen
in höherem Grade genoß, das auf dem früher erwähnten Bruderschaftsaltare
oder die „Madonna im Sessel“. Letztere, im Kern ein Holzbild, befand sich
in einem dreiseitig gebauten Glaskasten im Chor und war das eigentliche
Umtragsbild an den Marienfesten und zu Monatsende. Von ihr wissen wir,
daß sie seit Ende des 17. Jahrhunderts ein blaues Kleid trug aus Atlas mit
Samtstickerei und einen kostbaren Schleier auf dem Haupt. Ein silberner
Gürtel umschloß die Lenden, die Füße steckten in weißen Lederschuhen.
(Abb. 1). Innerhalb 14 Jahren (1710—1724) ward der geschnitzte Madonnen
kopf zweimal ausgewechselt und neu bemalt. Der geschickte Goldschmied
Johann Dominik Lang in Rattenberg lieferte die goldene, mit echten Perlen
verzierte Krone für rund 155 fl. bar, ohne das Geschmeide und Edelmetall,
und die heimische Blumenmacherin Eva Siessl flocht der Madonna einen
dreifachen Bogenkranz ums Haupt, aus 14 1 / 2 Dutzend Gansflügelfedern
kunstvoll geschlitzt; leider ward das interessante Werk schon nach zwei
Jahren von den Kirchenmäusen völlig zerzaust. Die Opferwilligkeit der
weiblichen Bruderschafts-Mitglieder gegenüber der verehrten Madonna
erlahmte nie; Gürtel, Ketten und Ringe waren regelmäßige Ehrungen. Die
letzte große Brustzier lieferte 1759 der heimische Goldschmied Josef
Michael Hormayr. Das Prunkkleid, welches sie 1736 empfing, kostete
238 fl. 36 Krz., inbegriffen das „Röckl des Kindels“. Die „Paroggen“
beider wurden stets zeitgemäß erneuert, 1773 sogar gepudert! Schon 1738
hatte die ehrsame Jungfrau Anna Susanna Viechterin auf ihrem Totenbette
ein Legat ausgeworfen zu deren periodischen Erneuerung, von dem die Frau
Maria Höckmairin zu Salzburg im folgenden Jahre den ersten Nutzgenuß
bezog. Rührend mutet die Gabe einer Dienstmagd an, die 1741 dem Kind
lein 10 Kreuzer in die „Fatschen“ steckte.
Solch allgemeine Verehrung macht es verständlich, daß der „Rosari-
Umgang“ sich zum Glanzfeste der Bruderschaft entwickelte. Die zahl
reichen „Ferkulen“, die in gemessenen Abständen um den Mittelpunkt der
Prozession, der von der Knappschaft, später den Bürgersöhnen getragenen,
von einer Schar weißgekleideter Mädchen umschwebten Madonna sich
aufreihten, bildeten wechselreiche Augenweide. Wochen vorher mühten
sich Tischler, Maler, Bildhauer, Perückenmacher, Schneider, Blumen
flechterinnen, um jedes Tragbild entsprechend aufzuputzen. Die bildliche
Darstellung auf den Ferkulen diente dem Lob Mariens durch die so
genannten „Ehrentitel“: „Unsere 1. Frau in der Sonnen“, „der Spiegel“,
„die verschlossene und offene Porten“, „der Turm Davids“ und die „Gilgen
in den Dornen“. Nach der öfters erwähnten Zahl der Träger, 40—90, waren
stets 10—12 Ferkulen in der Prozessionsreihe; dazu rechne man die Einzel
figuren in Kostümen, welche mitmarschierten: Christus als Schäfer, die
hl. Notburga mit der Sichel, die zahlreichen Kreuz-, Fahnen-, Windlichter -
und „Tarzenträger“, nicht zu übersehen die würdevollen Herren Präfekten