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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, N.F.4=42.1932

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Fischnaler: 
Sonntag“. Die Verherrlichung der Himmelsjungfrau fand dabei den kraft 
vollsten Ausdruck. 
Leider kann man nicht mehr feststellen, welches der beiden verehrten 
Madonnenbilder in der U.-L.-Frauen-Kirche das Vertrauen der Gläubigen 
in höherem Grade genoß, das auf dem früher erwähnten Bruderschaftsaltare 
oder die „Madonna im Sessel“. Letztere, im Kern ein Holzbild, befand sich 
in einem dreiseitig gebauten Glaskasten im Chor und war das eigentliche 
Umtragsbild an den Marienfesten und zu Monatsende. Von ihr wissen wir, 
daß sie seit Ende des 17. Jahrhunderts ein blaues Kleid trug aus Atlas mit 
Samtstickerei und einen kostbaren Schleier auf dem Haupt. Ein silberner 
Gürtel umschloß die Lenden, die Füße steckten in weißen Lederschuhen. 
(Abb. 1). Innerhalb 14 Jahren (1710—1724) ward der geschnitzte Madonnen 
kopf zweimal ausgewechselt und neu bemalt. Der geschickte Goldschmied 
Johann Dominik Lang in Rattenberg lieferte die goldene, mit echten Perlen 
verzierte Krone für rund 155 fl. bar, ohne das Geschmeide und Edelmetall, 
und die heimische Blumenmacherin Eva Siessl flocht der Madonna einen 
dreifachen Bogenkranz ums Haupt, aus 14 1 / 2 Dutzend Gansflügelfedern 
kunstvoll geschlitzt; leider ward das interessante Werk schon nach zwei 
Jahren von den Kirchenmäusen völlig zerzaust. Die Opferwilligkeit der 
weiblichen Bruderschafts-Mitglieder gegenüber der verehrten Madonna 
erlahmte nie; Gürtel, Ketten und Ringe waren regelmäßige Ehrungen. Die 
letzte große Brustzier lieferte 1759 der heimische Goldschmied Josef 
Michael Hormayr. Das Prunkkleid, welches sie 1736 empfing, kostete 
238 fl. 36 Krz., inbegriffen das „Röckl des Kindels“. Die „Paroggen“ 
beider wurden stets zeitgemäß erneuert, 1773 sogar gepudert! Schon 1738 
hatte die ehrsame Jungfrau Anna Susanna Viechterin auf ihrem Totenbette 
ein Legat ausgeworfen zu deren periodischen Erneuerung, von dem die Frau 
Maria Höckmairin zu Salzburg im folgenden Jahre den ersten Nutzgenuß 
bezog. Rührend mutet die Gabe einer Dienstmagd an, die 1741 dem Kind 
lein 10 Kreuzer in die „Fatschen“ steckte. 
Solch allgemeine Verehrung macht es verständlich, daß der „Rosari- 
Umgang“ sich zum Glanzfeste der Bruderschaft entwickelte. Die zahl 
reichen „Ferkulen“, die in gemessenen Abständen um den Mittelpunkt der 
Prozession, der von der Knappschaft, später den Bürgersöhnen getragenen, 
von einer Schar weißgekleideter Mädchen umschwebten Madonna sich 
aufreihten, bildeten wechselreiche Augenweide. Wochen vorher mühten 
sich Tischler, Maler, Bildhauer, Perückenmacher, Schneider, Blumen 
flechterinnen, um jedes Tragbild entsprechend aufzuputzen. Die bildliche 
Darstellung auf den Ferkulen diente dem Lob Mariens durch die so 
genannten „Ehrentitel“: „Unsere 1. Frau in der Sonnen“, „der Spiegel“, 
„die verschlossene und offene Porten“, „der Turm Davids“ und die „Gilgen 
in den Dornen“. Nach der öfters erwähnten Zahl der Träger, 40—90, waren 
stets 10—12 Ferkulen in der Prozessionsreihe; dazu rechne man die Einzel 
figuren in Kostümen, welche mitmarschierten: Christus als Schäfer, die 
hl. Notburga mit der Sichel, die zahlreichen Kreuz-, Fahnen-, Windlichter - 
und „Tarzenträger“, nicht zu übersehen die würdevollen Herren Präfekten
	        
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