Hochzeitssitten und Hochzeitsgebräuche des Osnabrücker Landes.
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nicht nötig war und durch das Einverständnis der Gatten ersetzt wurde“ 1 ),
so gibt es selbstverständlich auch heute noch auf dem Lande Liebesheiraten.
Denn ,,Frien un Brille kaupn mott n jeder süms doun“. Allerdings „wecker
no kein Braut schnien kann, draf no nich frien“. Aber andererseits reden
doch Aussprüche wie ,,de halbn Tied est düster“ oder ,,teien Johr no de
Hochtied seht olle Fruwslüe üöwerens ut“ eine deutliche Sprache und zeigen,
daß bei der Brautwerbung nicht nur dem Herzen, sondern auch den reellen
Lebensnotwendigkeiten eine wichtige Rolle eingeräumt wird. Nutzen und
Vorteile sind es, weniger die Liebe, die auf dem Lande in erster Linie junge
Leute zusammenführt. Daraus nun aber, und aus der Tatsache, daß die
Eltern die Entscheidung über Verlobung und Hochzeit ihrer Kinder haben,
etwa eine Bevormundung oder gar Rechtlosigkeit dieser herleiten zu wollen,
wäre abwegig. Verheiratungen sind nun eben nicht nur Privatsache der
Brautleute, sondern wichtige Familienangelegenheiten. Trotzdem, ja ge
rade aus dieser altbäuerlichen Denkweise heraus, sind Mißheiraten höchst
selten auf den Dörfern. Aus dem gemeinsamen Leben, aus der gemeinsamen
Arbeit, aus der gemeinsam getragenen Sorge um Familie, Haus und Hof
erwächst fast immer eine Liebe, die für das ganze Leben bindet.
Diese nüchterne Überlegung brachte die Sitte des Freiwerbens
mit sich. Sind trotz mancherlei Empfehlungen von Verwandten, Freunden
und Bekannten die passenden Paare ,,no nich tohaupe küert wodn“, so
versucht wohl der Freiwerber (Diägensmann) —■ nur selten sind es Frauen —
sein Glück. Solch ein Heiratsvermittler auf dem Lande ist gewöhnlich ein
Handwerker, Hausierer oder Händler. Dieser kommt von Haus zu Haus,
kennt alle Verhältnisse und kann ohne viel Aufsehens seine Angelegenheit
an den Mann bringen. Während er heute noch im stillen manche Ehe ver
mittelt, war er früher eine von allen in der Kirchengemeinde und oft dar
über hinaus gekannte wichtige Person. Gelang es ihm, einen Ehebund
zustande zu bringen, dann verdiente er sich einen Hut, eine Hose, einen
Anzug oder auch wohl bares Geld. G. F. Wagner 2 ) berichtet aus Osna
brück, daß dort am Ende des 18. Jahrhunderts die Geistlichen „häufig die
Vertrauten des Hauses und die Hauptleiter bei Verbindungen junger Leute
waren, da auswärtige Heiraten selten vorkamen“.
Stimmen die Brauteltern der Werbung zu, so wird ein Besuch des
Bräutigams auf dem Hofe der Braut ausgeführt, wobei jener nun persön
lich Mädchen und Eltern in Augenschein nimmt und sich über alle für ihn
in Frage kommenden Verhältnisse unterrichten läßt. War man früher dabei
geneigt, den Werber zu erhören, so kam das schon in der Art der Bewirtung
zum Ausdruck. Dann wurden Pfannkuchen gebacken, Stutenmilch auf
getischt (Kr. Melle) oder Eier gebraten (Kr. Iburg) 3 ). Geschah das nicht,
dann galt die Bewerbung als abgelehnt. Sagten Mädchen und Verhältnisse
dem Bewerber zu, so erfolgte seinerseits die Gegeneinladung. Auch bei
dieser wurden wieder in Gegenwart der Eltern und mit oder ohne Heirats-
x ) G. Neckel, Liebe und Ehe bei den vorchristlichen Germanen, 1932, S. 37i
2 ) Osnabrück vor 100 Jahren, hsg. v. H. Forst, Osnabrück 1891, S. 39.
3 ) Hier war das Pfannkuchenbacken das Zeichen des Korbgebens.