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fullscreen: Zeitschrift für Ethnologie, 48.1916

  
  
  
Die Uranfänge des Segelns. 
Von 
Ernst Assmann- Berlin. 
Früh und leicht verfiel der Mensch überall auf die Herstellung des 
Ruders (Riemens) als einer Nachbildung von Hand und Arm (in der 
Torres-Straße rudern die Eingeborenen mit den Händen), nachdem er die 
Fortbewegung von Land- und Wassertieren im Wasser beobachtet und 
beim Schwimmen nachgeahmt hatte. Spät und schwer ward des Segelns 
Kunst erworben. Sie fehlt auf Neu-Irland bzw. Neu-Mecklenburg 
(Schurtz, Urgesch. d. Kultur 467). Es fällt uns schwer, zu denken, daß 
die Schweden als seemächtige Suiones um 100 n. Chr. noeh keine Segel 
gebraucht hätten, und doch werden wir solches wohl dem Tacitus, Ger- 
mania 44, glauben dürfen; vgl. O. Schrader, Reallexikon d. indogerm. 
Altertumskunde 755ff. Alltägliche Vorbilder in der Natur kamen der Er- 
findung des Segels nicht so wie beim Ruder zu Hilfe; das vereinzelte 
Beispiel des Nautilus pompilius, welcher nach Aristoteles’ Tierkunde 9, 153 
und Plinius 9, 88 eine dünne Haut zwischen Fangarmen zum Segeln ent- 
falten sollte, würde nicht ausreichen, es ward überdies von neueren Beob- 
achtern nicht bestätigt. Die schiebende Kraft des Windes fühlte man 
schon zu Lande am eigenen Leibe, man sah den Wind an belaubten 
Büschen und Bäumen kräftig zerren, kahle dagegen wenig beeinflussen. 
Môglichenfalls führte diese Wahrnehmung zu dem Versuche, das Boot 
vermittels eines belaubten Zweiges vom Winde schieben zu lassen. 
Jedenfalls läßt sich dieser in anthropologisch-ethnologischen Kreisen noch 
wenig bekannte Brauch bei Naturvölkern als eine Tatsache nachweisen. 
Als v. Rosenberg (Der malayische Archipel 194) um 1850 die der Süd- 
küste von Sumatra vorgelagerten Mentawei-Inseln — damals noch eine 
terra incognita — besuchte, sah er, daf in den Einbäumen pôfters an 
beiden Enden Palmwedel als Windfänger aufgerichtet“ wurden; seine Ab- 
bildung, S. 177, zeigt nur einen Zweig auf der vordersten Ducht (Ruder- 
bank). Dieses fand Bestätigung durch Arriens (Kolonie und Heimat VII 
Nr. 21 8.6). An der Küste von Guyana zeichnete der Fregattenkapitän 
Bouyer ein Eingeborenenboot, in dessen Ducht am Bug ein offenbar 
durch Winddruck vornüber gebeugter dichter Busch eingesteckt erscheint, 
welcher noch durch ein Tau von hintenher gehalten wird, wie der Schiffs- 
mast durch seine Pardun; hinten steuert ein Mann (Le tour du monde XIII 
[1866] 351; der Text scheint nichts zu diesem Bilde zu sagen). Aus-
	        
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