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Sprüchen zu müssen, wie Berabra, Tibbu u. s. w., als „Nigger“ im Sinne
Jener, die noch auf Blumenbach’s Eintheilung schwören und die sich bei
Redensarten, als z. B. „Kaukasier, Aethiopier“, sicherlich ebenso wenig
denken, wie Lejean wohl selbst. Wenn der Letztere ferner die Denka
für gar so sehr hässlich hält, seine Berun und Tagalaouia, Schilluk, Djumüz
noch obenein, so ist das Sache seines ästhetischen Geschmackes, der in
dieser Beziehung vielleicht feiner ist, als der meinige. Was Lejean’s
Berufung auf die verwachsenen, in schlechten Lithographien wiedergegebenen
Photographien von Tr émaux, und auf die, so viel ich weiss, von Beltrame
selbst gar nicht herrührenden, halb wider seinen Willen veröffentlichten
Sudeleien anbetrifft, so entzieht sich dieselbe ebenfalls jeder Discussion.
Lejean nennt dann noch die „Ingassena“ der Berge „Taby et Kilgou“
„de vrais nègres fort laids, parlant un language absolument différent de tous
ceux des environs“. Auch diese Aeusserung können wir vorläufig ruhig zu
den Acten legen, denn sie entscheidet für die Frage, ob die Funje der
Gebäl, die Hammedj von Roseres und Herrn Lejean’s Berun derselben
Nationalität angehören oder nicht, ebenso wenig, als Lejean’s noch weiter
hin zu erörternde linguistische Auseinandersetzungen. Dass übrigens des
Herrn Verfassers „Abildougou“ ein Schillkaui oder diesem Idiom nahe
verwandt sei, dass sich Tagali und Niokor ( in Kordufan ) der furischen
Sprachfamilie, dass sich das Baër dem Denkaui nähere, halte auch ich für
sehr wohl möglich.
Lejean ereifert sich höchlichst über meine Bezeichnung des Nomaden-
stammes der Schukurîeh als „Schangalla“. Er sagt: „Je ne conçois pas
un rapport possible entre les Changalla, qui sont des nègres presque purs,
et les Choukrié, grande tribu arabe qui, pour la couleur et les traits, est
d’un type encore plus pur que nos Mogharba d’Algérie.“*) Die Verant
wortlichkeit für die letztere Ansicht mag Lejean selbst auf sich nehmen,
ich meinerseits habe mich schon so häufig und ausführlich über das soge
nannte reine Araberthum der Nomaden Nord-Ost-Afrikas ausgesprochen,
dass ich es für überflüssig halte, auch hier noch Lejean und den mit ihm
Gleichdenkenden das Vergnügen ihrer Auffassungsweise zu rauben. Schankela,
Schangala, Schangul, Schongolo, bedeutet zwar im Abyssinischen allgemein
einen schwarzen, für die Sklaverei tauglichen Wilden, im Sudan-Arabischen
dagegen bezeichnet das Wort verschiedene nicht mohammedanische,
heidnische Stämme Ost-Sennars und West-Abyssiniens, die, wie Djumüz,
Kunâma oder Basena, Bogos und andere Agau’s, gerade für vogel
frei gelten. Der abyssinische Volksmund bezeichnet die Kunama, Djumüz
*) Lejean hat ganz übersehen, dass ich in dem Wort „Schankela“ in meinem
Originaltexte das Schin durch ein S mit einem Punkte oder einem Haken umschrieben
habe, welche Zeichen der französische Uebersetzer hinzuzufügen unterlassen hat.