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Volltext: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 11.1965

Lade und Koffer im bäuerlichen Mobiliar Westmecklenburgs 
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hältnismäßig hohe Zahl 30 unterstreicht, wie wichtig sie als Behältnisse waren. In 
der Regel handelte es sich um Laden, daneben erscheinen — wie in dem angeführten 
Beispiel von der niedersächsischen Grenze — mehrfach ff ¿sie« und vereinzelt Kasten. 
Darunter sind freilich nicht „Kisten“ im heutigen Sinne zu verstehen, 31 sondern der 
Lade voraufgegangene Truhenformen, 32 möglicherweise plattdecklige Stollen 
truhen, wie sie im erhaltenen Bestand Westmecklenburgs bisher aus Bauernbesitz 
nicht greifbar waren. 
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts drang neben die verbreitete Lade der 
Koffer ins bäuerliche Mobiliar ein. Das geschah zunächst offensichtlich nur zögernd 
sowie zeitlich und geographisch nicht einheitlich. Die ersten Belege stammen bereits 
aus den fünfziger Jahren, aber erst drei bis vier Jahrzehnte später erwähnen die In- 
ventare, soweit sie nicht nur die „Hofwehr“ umfassen, meist beide Möbel. In einigen 
Fällen, in denen über ein Jahrhundert hinweg einander ablösende Aufzeichner gleich 
gründlich bei der Bestandaufnahme verfuhren, läßt sich dieses Eindringen des Kof 
fers auf einzelnen Gehöften sehr genau verfolgen. 
So wurde etwa auf dem Gehöft Nr. xo zu Woosmer 33 am i. Juli 1777 u. a. vorgefunden: 
„1 große Lade, worinn das wenige Zeug des Wirths, 1 kleine Lade mit Schloß und Schlüßel, 
1 Lade ohne Deckel“. 37 Jahre später, am 23. Juni 18x2, befanden sich bei einer Übergabe 
schon 3 Laden und 1 Koffer unter dem Mobiliar, und zwar „von der ersten Frau 2 Laden“, 
„von der zweiten Frau 1 Lade, 1 Coffer“. Wieder 43 Jahre danach, am 10. Mai 1855, zählt 
das Nachlaß Verzeichnis 34 bereits keine Laden mehr auf; zu diesem Zeitpunkt waren vor 
handen: „1 tannen Koffer, 2 Koffer“, die letzteren von der Witwe bei ihrer Hochzeit einge 
bracht. Rechnet man von den beiden letzten Daten jeweils zwei bis drei Jahrzehnte zurück, 
um den ungefähren Zeitpunkt zu fixieren, zu dem das Heiratsgut in das Haus kam, so ergibt 
sich, daß hier der Koffer, obwohl verhältnismäßig spät zum ersten Mal belegt, die Lade 
innerhalb von rund 60 Jahren zu verdrängen vermocht hat. 35 
Als Ursache für diese Einbürgerung des Koffers im Bauernhaus kann, da er 
gegenüber der Lade als Zweck- und Gebrauchsmöbel keine ersichtlichen Vorzüge 
aufwies, anscheinend nur modischer Einfluß geltend gemacht werden: Um die Mitte 
des 18. Jahrhunderts begann wohl die auf den herrschaftlichen Höfen übliche Tru 
henform mit ihrem dekorativen Eisenbeschlag, wie sporadische Erwähnungen in 
den Inventaren bezeugen, Vorbild für bäuerliche Besteller zu werden. Bald nach der 
Jahrhundertwende hielten sich Lade und Koffer zahlenmäßig etwa die Waage. Aber 
ein großer Teil der zu diesem Zeitpunkt auf Bauernhöfen vorhandenen Laden dürfte 
30 3 — 5 Laden sind häufig, aber auch 7 — 8 werden genannt. 
31 Sie stellten in dem inventarisierten Nachlaß vielleicht sogar die gegenüber den Laden 
Wertvolleren Stücke dar. 
32 Nach solchen Kisten, in der Regel gotischen Stollentruhen, ihrem bevorzugten Werk, 
nannte sich jahrhundertelang immerhin ein ganzer Zweig des Tischlerhandwerks Kisten 
macher. Vgl. dazu Max Fehring, Sitte und Brauch der Tischler. Hamburg 1929, 12L 
33 LHASch Rep. 92 g (DA Dömitz) Nr. 1739. 
34 Ein Nachlaßinventar vom 8. März 1833 ist leider sehr unvollständig. 
35 Diese Auswertung von Inventaren geht davon aus, daß Lade und Koffer in den voraus 
gegangenen Jahrhunderten von der bäuerlichen Bevölkerung und den Inventaraufnehmern 
sprachlich ebenso abgegrenzt worden sind wie in der Gegenwart. Solche Kontinuität 
ln der Benennung wird gewöhnlich stillschweigend als Arbeitshypothese vorausgesetzt, 
ließ sich im vorliegenden Fall jedoch eindeutig nachweisen. Vgl. Neumann, Kuffert (1964) 
31 f- (vid. Anm. 10).
	        
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