Lade und Koffer im bäuerlichen Mobiliar Westmecklenburgs
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der häufige Zusammenhalt der Bretter des Deckels und des Kastens durch Nute
und Feder (Abb. 3). — Im späten 18. Jahrhundert wurden die bei der Lade schon
erwähnten Formen des Untersatzes (Stollenrahmen, Winkelfüße oder Querkufen) 21
durch vier hölzerne, auf Holzachsen laufende Räder ergänzt, um einen leichteren
Transport zu ermöglichen. Sie sind fast immer — kaum sichtbar — hinter Stollen
rahmen oder Winkelfüßen versteckt. 100 Jahre später mag dann die bei älteren
Koffern auf der Schauwand sichtbare Zinkung als unschön empfunden worden sein,
Abb. 3. Koffer auf Rädern. Querschnitt.
Nute und Feder in Wänden, Deckel und
Boden
denn man begann nun verdeckt zu zinken, so daß die Eckverbindung von der
Schauseite her nicht zu sehen war (Abb. 4). — Das für die Koffer verwendete Mate
rial dürfte etwa zur einen Hälfte Hart-, zur anderen Weichholz gewesen sein. Die
Bemalung richtete sich, ebenso wie vielfach bei den Laden, nach anderen vorhande
nen Möbeln; 22 gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden neue Stücke analog der
übrigen mobiliaren Ausstattung gebeizt bzw. gelb oder rotbraun gelackt.
Diese bei den bäuerlichen Truhenformen feststellbare Entwicklung vom Tradi
tionsgeprägten zum industriell Genormten und vom Dekorativen zum Nüchtern-
Praktischen ordnet sich in die allgemeinen Entwicklungstendenzen des 19. Jahr
hunderts auf dem Gebiet des Hausbaus, des Mobiliars allgemein, der Tracht usw.
ein.
II
Über die Rolle, die Lade und Koffer unter dem übrigen bäuerlichen Mobiliar ge
spielt haben, wußten zahlreiche alte Bauern, bei denen solche Stücke angetroffen
’Wurden, noch wertvolle Auskünfte zu geben. Ihre Erinnerung reichte jedoch in der
21 Daneben erscheinen gelegentlich gedrechselte Füße.
22 Bei Erbstücken wurde, wie häufige Übermalungen beweisen, die Farbe mehrmals
e iner veränderten Umgebung angepaßt.
9 Volkskunde