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Volltext: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 5.1959

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Rudolf Weinhold 
Grimmen, Goldberg, Prerow und Zingst — boten uns reiches Material. Schier un 
erschöpflich waren die Bestände der Schweriner Sammlung. Hier, an einer der 
Wirkungsstätten RICHARD WossiDLOs, offenbarte sich uns ganz eindringlich die 
vorbildliche Leistung dieses Mannes. Er hat das Leben seiner Mecklenburger nicht 
nur in seinen Schriften festgehalten. Die volkskundliche Abteilung des Schweriner 
Museums belegt überzeugend, welche Sorgfalt er auch den Äußerungen ihrer Sach- 
kultur zuwandte. Nichts ist ihm entgangen, kein Ding zu klein oder zu bedeutungslos 
erschienen — alles hat seinen Platz in dieser wahrhaften Schatzkammer des Volksgutes 
gefunden. Dabei ließ sich Wossidlo in seiner Tätigkeit als Sammler von streng wissen 
schaftlichen Gesichtspunkten leiten. Das offenbart sich schon in den beiden umfang 
reichen Tagebüchern, die handschriftliche Notizen zu jedem von ihm erworbenen 
Gegenstand enthalten. Besonders eindringlich aber beweist sich die Gründlichkeit 
seiner Bestandaufnahme in der Tatsache, daß eben nicht nur die künstlerisch erhöhte 
Leistung des Volkes Berücksichtigung fand, sondern alles Sachgut seine Aufmerk 
samkeit erregte und seinen gebührenden Platz im Museum erhielt. In zahlreichen 
Kojen und Stuben dokumentiert sich das Leben des mecklenburgischen Land 
volkes: sein Werken im Tageslauf, seine Kleidung und Wohnung und natürlich auch 
sein bildnerisches Schaffen in den verschiedensten Materialien, seine kleinen und 
großen Freuden in Spiel und Fest. Und bieten schon die Ausstellungsräume dem 
Besucher mannigfache Erkenntnis, so gibt die überquellende Fülle des Magazins durch 
Zahl und Vielfalt der Stücke dem Wissenschaftler immer neue Anregungen zu Studium 
und Forschung. 
Durch diese ethnographische Vollständigkeit unterscheidet sich die Wossidlo- 
sche Sammlung in erfreulicher Weise von vielen Museen, deren Bestände nach rein 
ästhetischen Gesichtspunkten zusammengetragen worden sind. Nur in wenigen 
deutschen Sammlungen findet man zum Beispiel eine so lückenlose Darstellung des 
bäuerlichen Gerätes vergangener Zeiten wie in Schwerin. Hervorzuheben ist dabei 
die musterhafte Aufstellung des Materials, die einen guten Überblick zu den Themen 
von Haus- und Feldarbeit bietet. 
Freilich, und das liegt an den räumlichen Grenzen, die Wossidlo sich in seiner 
Tätigkeit gesetzt hatte, sind auch hier nur Teile unseres Studiengebietes erfaßt 
worden. Der Osten des Landes harrt vorläufig einer ähnlich gründlichen Sichtung 
und wird für den aufmerksamen Sammler noch manche Überraschung bereithalten. 
Wir mußten uns im Augenblick mit dem begnügen, was schon zusammengetragen 
war. Feldforschungen, die uns auch über die Funktion der Geräte genauer unter 
richten werden, ikonographische Beobachtungen und Archivstudien müssen dieses 
Bild ergänzen und unter Umständen berichtigen. Dieser zweite Schritt jedoch ist erst 
möglich, wenn durch Museumsaufnahmen gewissermaßen ein Gerüst geschaffen 
ist, das erste, grundsätzliche Erkenntnisse zu vermitteln in der Lage ist und somit 
Anhalt gewährt für weitere Erhebungen. 
Diese Einschränkung mußte vorausgeschickt werden, wenn wir es unternehmen, 
einige Beispiele unserer mecklenburgischen Belege darzustellen und nach vorläufigem 
Wissen zu erläutern. Sie sind vor allem den Themenkreisen der Feldbestellung, det 
Bewahrung und Verarbeitung der Ernteerzeugnisse, der Torfgewinnung, der Milch -
	        
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