Die Herero im Britisch-Betschuanaland-Protektorat usw.
Frederick zum Paramount Chief ernannt, so würden seine Leute selbstver-
ständlich von ihm Befehle erwarten, und ein Zusammenstoß würde fast unver-
meidlich sein.
Es wurde das Versprechen gegeben, Frederick in dem Reservat, in dem
er wohne, zum headman zu ernennen; aber wie andere headmen habe er sich
der Kontrolle des Magistrats und des Superintendenten zu unterwerfen”
(Report für 1923).
Daraufhin verließ Friedrich 1924 Südwestafrika wieder. Am Vorabend
seiner Abreise nach dem Betschuanaland-Protektorat ermahnte er bei einer
großen Versammlung von Herero auf der Werft in Windhoek seine Leute zur
Loyalität gegenüber der Regierung und zur Neutralität in ‚Streitigkeiten
anderer Stämme mit der Administration. Auch vor der Folge des Alkoholis-
mus — Degeneration — warnte er (Report für 1924).
Friedrich trat in Mahalapye die Nachfolge seines Vaters an und hatte
innerhalb des Stammessystems der Ngwato den Status eines ,ward-head".
Friedrich hatte 1896, im Alter von etwa 22 Jahren, anláDlich der Deutschen
Kolonialausstellung in Berlin-Treptow Deutschland besucht, dabei auch das
Missionshaus in Barmen. 1901 soll er einen Transport von Hereroarbeitern
nach Johannesburg begleitet haben (Vedder 1923, S. 119).
Nach Volhard (S. 1227) wurde Friedrich bei einem Besuch in Südwest 1926
,als einziger lebender Mukuru" aufgefordert, das Heilige Feuer wieder zu
entzünden, lehnte aber als glàubiger Christ ab.
In den Jahren um 1947/49 zog Michael Scott durch mehrfache Besuche bei
Friedrich in Serowe diesen in seine Bemühungen hinein, den vólligen An-
schluB des Mandatsgebietes Südwestafrika an die Südafrikanische Union zu
verhindern (Scott, S. 12f.).
Friedrich starb am 11. September 1952 (laut Kirchenbüchern in Oka-
handja). Vorher war er von Mahalapye nach Okahandja verzogen, nach
Vedder mit der ausgesprochenen Absicht, in der alten Heimat zu sterben und
neben seinen Vorfahren beerdigt zu werden.
Sein Nachfolger in Mahalapye ist Friedrichs einziger Sohn Rudolf Kaija-
tura (Rudolf — Taufname; Kaijatura — Rufname der Familie, ,das ist nicht
seine Bleibe“; Übs. durch Frau Kuhlmann).
Rudolfs einzige Schwester ist Michal (ausgesprochen ,Mikara" — Ved-
der). Sie ist verheiratet mit einem Kandirikirira im Betschuanaland (Vedder).
Über das Schicksal von Friedrich Samuels jüngeren Geschwistern schreibt
mir Vedder: Die beiden Brüder Alfred und Johannes waren vorübergehend
zu Besuch der Verwandtschaft in Südwest. Nach lángerem Aufenthalt kehrten
Sie zu ihren Familien ins Protektorat zurück. Alfred besaB zur Bezahlung der
Rückreise zunáchst nicht genügend Geld und erarbeitete es sich bei dem
Bankhaus Olthaver & List in Windhoek. Sowohl Alfred als auch Johannes
Starben in Mahalapye.
In Mahalapye leben heute nach Leshona etwa 250 Herero, von denen
mindestens 200 Christen sind. Sie leben als geschlossene Gruppe in der
Tswanastadt Mahalapye, ohne sich mit den Tswana zu mischen.
Einige Herero blieben im Gebiet der Südafrikanischen Union zurück, zu-
meist im Nylstroom -Distrikt.
Bei diesen Herero handelt es sich besonders um Leute des Omaruru-
Háuptlings Michael, die bisher mit Samuels Leuten zusammengelebt hatten.
Mutjinde, selbst einer von diesen, sagt, sie seien nicht mit Samuel nach Ma-
halapye gezogen, "because we are not his people".