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Arbeitstagung zur Bergmannsvolkskunde in Dresden 1958
Siegfried Kube — Dresden
Arbeitstagung zur Bergmannsvolkskunde in Dresden
vom 2. bis 5. Oktober 1958
Am 2. und 3. Oktober 1958 fand in den Räumen der Forschungsstelle Dresden des
mstitutes für deutsche Volkskunde bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu
Berlin eine Arbeitsbesprechung über Fragen der bergmännischen Volkskunde mit Ver
tretern der ethnographischen Institute der Akademien der Wissenschaften zu Prag und Bratis-
| ay a statt. Anschließend, am 4. Oktober, führte eine Exkursion nach Freiberg und Anna-
^ e tg, und der folgende Montagvormittag vereinte die Teilnehmer nochmals zu einer
Schlußbesprechung im Dresdener Institut. Ein Großteil der auf dieser Arbeitstagung ge
haltenen Referate ist in dem vorliegenden Halbband des Jahrbuches zum Abdruck
Bekommen, worauf im Folgenden jeweils in Klammer verwiesen wird.
Wolfgang Steinitz (Berlin), der die Arbeitsbesprechung angeregt und sich in beson
derem Maße für ihr Zustandekommen eingesetzt hatte, eröffnete die Tagung und be
grüßte die Gäste. Friedrich Sieber (Dresden) umriß mit seinem Referat Die bergmännische
Lebenswelt als Forschungsgegenstand der Volkskunde den Gesamtbereich bergmännischer
Volkskunde und wies in diesem Rahmen „dem zunächst Zufälligen und Zerstreuten,
das der Thematik einer ersten Arbeitsbesprechung notwendig anhaftet“, den rechten Ort
( s - S. 237 ff.).
Helmut Wilsdorf (Freiberg) führte, vorwiegend gestützt auf die Illustrationen zu
Vgricqlas De re metallica, unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsgeräte und der Arbeits
teilungen die Bergbautechnik — insbesondere des 16. Jhs — vor (s. S. 255 ff.). Ein im An
schluß daran zur Verlesung gebrachter Diskussionsbeitrag Jan Korans (Prag), der leider
artl Erscheinen verhindert war, erläuterte die Böhmische Künste genannten Göpelwerke , die
speziell der Förderung durch tonlägige Schächte angepaßt waren. Er machte weiterhin
technische Neuerungen aufmerksam, die im Bergbau von Schemnitz (Banskä Stiav-
nic a) seit der Mitte des 18. Jhs durch J. H. Hell Gestalt bekamen; besondere Bedeutung
Begann dort die Wassersäulenmaschine. Über die frühen Organisationsformen des Kutten-
er ger Bergvolkes, die überraschende Stufung zeigen, sprach eindrucksvoll Vaclav Husa
^ ra g) (s. S. 243 ff.).
Verschiedenen Einzelformen bergmännisch getönter Volkskultur galten weitere Dar-
le gungen. VladimIr Karbusicky (Prag) umriß die Entwicklung des tschechischen und
V °Wakischen Bergmannsliedes (s. S. 361). Die Referate der slowakischen Gäste befaßten
^ lc h mit Themen zu Folklore und Arbeitsbrauchtum. Emilia Horvätovä (Bratislava)
eri kte die Aufmerksamkeit auf die in der Sagenüberlieferung zutage tretenden Vorstellungen
l° n Berggeistern. Vor allem um die Gestalt der „Runa“ entspann sich im Anschluß eine
e hhafte Diskussion. Ester Plickovä (Bratislava) stellte in den Mittelpunkt ihrer Aus
übungen über die Sitte des Klopfens den Klopfturm von Banskä Stiavnica (Schemnitz)
(s ' S. 30 ,).
Per zweite Tag begann mit einem Referat über die Bergmannstracht der Frühzeit bis zur
jVitte des 16. Jhs. Karl-Ewald Fritzsch (Dresden) wies daraufhin, daß für das sächsische
jp r gbaugebiet die Quellen erst mit dem 16. Jh. einsetzen. Die Frühstufen müssen durch
e bnde aus anderen Gebieten, insbesondere durch solche des benachbarten Böhmen,
Schlossen werden. F. setzt voraus, daß der Oberflächenbergbau der Frühzeit noch in der
^üblichen Tracht der Bauern und Handwerker vonstatten ging. Die damit gegebene
£. u gel-Kittel-Tracht behielt der Bergmann auch in der Folgezeit bei, weil sie sich für die
ln fahrt in größere Tiefen und bei der Untertagearbeit als praktisch erwies. Beim Häuer
aten zu Gugel und Kittel noch Lederhosen und eine über die Gugel gesetzte stoßdämpfende