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Fünftes Buch.
erhöhte Bedeutung verlieh, war dies, daß sie von der
Tochter eines berühmten Mannes an die eines andern
geschrieben waren. Die Schreiberin war Wilhelmine, die
Tochter des großen Göttinger Gelehrten Christian Gott—
lieb Heyne, und die Empfängerin Marianne Friederike
Bürger, die Tochter des Dichters der Lenore. Sie
hatten in Göttingen, wo der Dichter seine letzten
kraurigen Jahre verlebte, innige Freundschaft ge—
schlossen. Nach des Dichters Tode wurden dessen
Kinder zu Verwandten gegeben, und so entspann sich
denn vom Jahre 1794 an zwischen Wilhelmine und
Marianne der freundschaftliche Briefwechsel, dessen
Reste uns hier vorliegen und der uns einen Einblick
gibt in das Geistesleben wie in die gesellschaftlichen
Verhältnisse Göttingens, in das Familienleben und
die Herzensgeschichte einer jungen Frau am Ausgange
des 18. Jahrhunderts.
„Wir haben schon zwei Picknicken gehabt“, so
schreibt Wilhelmine als ganz junges Backfischchen;
„ich bin auf beiden gewesen. Auf dem ersten habe
ich mich schrecklich ennuyiert, aus verschiedenen Ursachen.
Es war nämlich von Herrn Doktor Hartmann, um
den neu angekommenen Füchsen zu Damen zu ver—
helfen, die weise Einrichtung gemacht, daß die Damen
verlost werden sollten. Es mußte jede Dame und
jeder Herr Nummern ziehen; und wenn nun eine
Dame und ein Herr gleiche Nummern hatten, so tanzten
sie zusammen. Du kannst Dir vorstellen, liebes Kind,
was dies für eine Verwirrung war, denn jeder Herr
mußte bei allen Damen herumlaufen uud fragen, ob
sie seine Nummer hätte, bis er endlich das Gegenstück
zu seiner fand. Es währte allemal über eine halbe
Stunde, bis auf diese Art die Chapeaus ihre Damen
gefunden hatten.“