Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Objekt: Zeitschrift für Ethnologie, 24.1892

(445) 
des Kiefers einen mehr gleichmässigen dicken Bogen bildet. Winkel etwas aus- 
gelegt, Distanz trotzdem klein, nur 89 mm. Aeste breit, 35 mm, unter fast rechtem 
Winkel angesetzt. Die Gelenkfortsätze sehr niedrig, 50 mm lang, die Gelenk- 
flüchen abgeplattet, rechts deutliche Abschleifung nach Arthritis deformans. 
Proc. coronoides 58 mm hoch. — 
So ist dieser Schädel beschaffen. Seit Decennien gelten die Semang-Stämme 
als Hauptrepräsentanten niederster Körperbildung. Nachdem alle anderen „niederen“ 
Rassen ihrer vermeintlichen Affenähnlichkeit entkleidet sind, hatten sich alle Hoff- 
nungen, hier wenigstens eine Art von Proanthropen zu finden, auf das Dunkel der 
Wälder von Malacca gerichtet. Das scheint nun auch vorüber zu sein. Wenigstens 
dieser erste Semang-Schädel besitzt ausser seiner Prognathie und seiner einfachen 
Unterkiefer-Bildung nichts Pithekoides. Weder Platy-, noch Katarrhinie, weder 
ein Processus frontalis squamae temporalis, noch ein Proc. lemurianus ist vor- 
handen. Mit seiner Capacität von 1370 ccm, seiner Stim von 91 mm Minimalbreite, 
seiner vortrefflich ausgebildeten Schläfengegend liesse er sich auch unter die 
Schüdel der Culturvülker einreihen. Er isi weniger pithekoid, als zahllose Schädel 
civilisirter Menschen. 
Nun ist es freilich nicht unwahrscheinlich, dass, falls Mr. Vaughan Stevens 
sein Versprechen und meine Hoffnungen erfüllen und mehr Schädel von Panggang- 
Leuten ‚schicken sollte, sich auch weniger gut ausgebildete, vielleicht viel kleinere 
finden werden. Aber an diese Art der Variation sind wir längst gewöhnt. Schon 
in meiner Erörterung über die Schädel der Negritos der Philippinen (vergl. 
F. Jagor, Reisen in den Philippinen. Berlin 1873. $8. 374, Taf. II, Fig. 4—6) 
habe ich dies zahlenmässig nachgewiesen. Die Oapacitàt von 4 speciell auf- 
geführten Negrito-Schädeln schwankte zwischen 1150 und 1310 cem, dagegen waren 
sie alle hypsibrachycephal, wie der Panggang-Schädel. 
Die Aehnliehkeit der beiden Rassen, welche so oft vermuthet worden ist, 
kann nunmehr als befestigt angesehen werden. Die wichtigste Thatsache, welche 
Hr. Vaughan Stevens in dieser Beziehung beigebracht hat, ist das Haar. Leider 
ist auch in dieser Beziehung das Glück uns nicht günstig gewesen. In der 
Schachtel, von der er spricht, sind nur ein Paar ganz kleine Reste von einzelnen 
Haaren übrig geblieben. Aber sie sind schwarz, fein und spiralig. Jeder 
Zweifel muss jedoch schwinden, wenn man das Haarbüschel, Bag-ee genannt, be- 
trachtet, das er vom Haupte eines Mannes entnommen und hierher geschickt hat. 
Es zeigt dieselbe Neigung zur Bildung von Spiralröllchen und zur Verwickelung, 
das uns von dem Negrito-Haar bekannt ist, und es unterscheidet sich diametral 
von dem Haar der Blandass, das ich von Hrn. Vaughan Stevens erhalten und 
in einer früheren Sitzung (Verh. 1891, S. 844) ausführlich besprochen habe. 
Das Büschel besteht aus einer höchst zierlichen Zusammenfügung einer 
grösseren Anzahl schwarzer Spiralrollen, welche, etwas gelockert und gegen das 
Licht gehalten, einen losen Filz von schraubenförmig gedrehten und in ihrer 
ganzen Länge isolirten Haaren bilden. Die lichte Weite der einzelnen Rollen be- 
trägt bis zu 2 mm. Unter dem Mikroskop erscheinen die einzelnen Haare dünn 
und von schwarzbrauner Farbe; das Pigment liegt jedoch so dicht, dass man von 
aussen nicht deutlich das Innere Zu erkennen vermag. Auf Querschnitten ersieht 
man, dass das Pigment hauptsächlich in den äusseren Schichten des Haarschaftes 
angehäuft ist; der innere Theil, zuweilen beinahe die Hälfte des Querschnittes ein- 
nehmend, ist fast ganz pigmentlos. Cuticula sehr zart und blass. Ein Mark- 
streifen fehlt fast überall; wo er vorkommt, ist er discontinuirlich, schwach und 
EL
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.