1925) in Boston eine Sammlung japanischer Alltagskultur errichtet, für die die kleineren New
Yorker Bestände keine Rivalen waren – zumal das American Museum sich von Ostasien ge-
wissermaßen verabschiedet hatte.
Die genauen Erwerbungsumstände der in der folgenden, von Laufer eigenhändig verfaßten
Inventarliste beschriebenen Stücke erschienen zunächst unklar: Auf Grund des ausdrückli-
chen Schwerpunkts der Schiff-Expedition wäre es logisch anzunehmen, daß Laufer von
Shanghai aus einen kurzen Ausflug nach Japan unternommen hätte. Allerdings haben sich
dafür bislang keine Belege gefunden. Laufer hat sich jedoch 1898 und auf seiner Rückreise von
Sachalin 1899 kurze Zeit in Japan aufgehalten und dort auch Gegenstände erworben. Die
Durchsicht der Museumsdatenbank, in der gele gentlich auch Laufers eigene Nummern ange-
geben sind, belegt eindeutig, daß die hier behandelten Stücke bereits auf der Jesup North Paci-
fic Expedition 1898/99 gesammelt
wurden.19
Die Laufersche Sammlung hat ihren Wert, denn zum Ende des 19. Jahrhunderts wur den
solche Gegenstände nicht systematisch gesammelt – lediglich Siebold hatte dies schon wäh-
rend seines Japanaufenthaltes unternommen, aber eine breitere Öffentlichkeit nahm sie erst
durch die Ausstellungen anläßlich seines 200. Geburtstages zur Kenntnis. Laufers Liste er-
laubt einen näheren Blick auf die Sammlung, wie der Sammler sie sah und klassifizierte. Au-
ßerdem ist sie genauer als die Akzessionsliste des Museums, die augescheinlich nach Laufers
Liste von einer anderen, wohl des Japanischen nicht kundigen Person, ausgefüllt wurde. So
finden sich einige Mißverständnisse, die damit auch ihren Weg in die Objektbeschreibung auf
dem Website gefunden haben.
Die Liste bietet einen Gesamtüberblick über Laufers Japansammlung für das Museum und
liefert die japanischen Termini dazu. Dank des hervorragenden Museums-Website kann sich
der Leser gleich einen visuellen Eindruck des Objekts verschaffen.
Die Herausgeber haben Laufers Schreibungen durchweg belassen, lediglich durch Fußno-
ten und Zusätze in eckigen Klammern sind Erläuterungen, die moderne Nomen klatur und ge-
legentlich eine Berichtigung beigefügt worden. Die zugesetzten, mit 70/ beginnenden Num-
mern, sind die Akzessionsnummern des Museums. Gelegentlich ergeben sich Diskrepanzen
zu Laufers Liste, die dann durch ein Fragezeichen gekenn zeichnet sind. Nicht sämtliche Ob-
jekte der Laufer-Liste waren auf dem Website zu identifizieren.
In der hier vorgelegten Liste sind die Akz.-Nummern / Katalog-Nummern von fremder
Hand zugesetzt – allerdings nicht bei allen. Es bleibt also noch zu klären, was mit dem übrigen
Sammlungsteil geschen ist.
Die Jesup North Pacific Expedition (1898/99) war Laufers erste selbständige Unterneh-
mung nach seinem Examen. Wenn man bedenkt, daß Japan gewissermaßen ein Nebenschau-
platz dieser Forschungsreise war und daß er seine Japanischkenntnisse nur dem Unterricht bei
Rudolf Lange in Berlin verdankte, dann darf man seine Arbeit als sehr gelungen bezeichnen.
19Der Leiterin der Abteilung Ethnologie des American Museum und ihrer Assistentin Karen Olson gebührt
Dank für freundliche Information. – Einige Briefe Laufers aus Japan an seinen Mentor Franz Boas sind ab-
gedruckt in der Edition der Korrespondenz in Teil 2 der Kleineren Schriften Laufers. 270