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Besprechungen
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Hausbau erkennen lassen, erweist sich das hohe Mittelalter, wie schon früher vermutet wurde,
immer mehr als eine der entscheidenden Phasen in der Entwicklung des Bauens im mitteleuropäischen
teter Hausforschung sind daher beide Bände unentbehrliches Hilfsmittel. Das gilt sowohl in metho-
bald weitere Bände mit Forschungsergebnissen zum mittelalterlichen, aber auch, wie Konrad Bedal im
Vorwort zum 1. Band fordert, zum rezenten Hausbau des 19. und 20. Jh. folgen.
KARL BAUMGARTEN, Das deutsche Bauernhaus. Eine Einführung in seine Geschichte vom 9.
bis zum 19. fahrhundert. Berlin, Akademie-Verlag, 2. bearbeitete und erweiterte Aufl. 1985. 156 S.,
131 Abb., darunter 16 Farbfotos und 32 Schwarz-Weiß-Fotos auf Tafeln (= Akademie der
Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Geschichte, Veröffentlichungen zur Volkskunde und
Kulturgeschichte, Bd. 63).
Bereits wenige Jahre nach Erscheinen der gegenwärtig einzigen Darstellung der Geschichte des
deutschen Bauernhauses (1980; rez. JbfVkKg 26, 1983, S. 229 ff.) hat der Verlag eine zweite
Auflage herausbringen können, was sicher den Wünschen eines breiten Interessentenkreises ent
spricht. Zu befürchten ist aber, daß bereits jetzt auch diese kaum noch verfügbar ist. So sei ein
leitend der Wunsch ausgesprochen, das Buch auch künftig vorrätig zu halten, da es in seiner jetzigen
Fassung in hervorragender Weise geeignet erscheint, seinen Lesern auf hohem wissenschaftlichem
Niveau und doch verständlich einen wichtigen Bereich unseres kulturellen Erbes nahezubringen.
Die ganzseitigen Farbtafeln und die Schwarz-Weiß-Reproduktionen, die den Blick für Schönheiten
in unseren Dörfern schärfen helfen, geben einen Überblick über typische Bauernhausformen. In Ver
bindung mit den 91 Textabbildungen bietet das Buch zugleich die Möglichkeit, historische Wurzeln
landschaftsgebundener Besonderheiten der Bauernhäuser zu erfassen, kurz gesagt, deren Geschichte
zu verstehen.
Karl Baumgarten hat sich seit nahezu einem halben Jahrhundert in Forschung und Lehre mit
der Geschichte des deutschen Bauernhauses auseinandergesetzt. Wenn er dennoch meint, mit der
vorliegenden Arbeit lediglich den Versuch einer Geschichte des deutschen Bauernhauses bieten zu
können, so entspricht das dem in allen seinen Arbeiten erkennbaren Bemühen, mit dem überlieferten
Quellengut zurückhaltend umzugehen, ihm keine Aussagen zu entnehmen, die nicht vielfältig ab
gesichert sind. Gerade das aber läßt sich bei einer räumlich wie zeitlich weitgespannten Thematik
von einem einzelnen Wissenschaftler auch angesichts so profunder Kenntnisse, wie sie Baumgarten
offenbart, nur schwer gewährleisten.
Das gilt natürlich nicht für die Kapitel 3 und 4, in denen der Autor den volkskundlichen Haus
bestand vom späten 15. Jh. bis zum ausgehenden 18. Jh. behandelt, und schon gar nicht für die
Darstellung von Hausformen des 19. Jh. Das Problem stellt sich aber in den beiden ersten Ab
schnitten, da für das 9. bis 15. Jh. Quellen zur Geschichte des bäuerlichen Hauses im wesentlichen
archäologischen Forschungen verdankt werden. Trotz aller Berührungspunkte zwischen Archäologie
und Ethnographie arbeiten beide Disziplinen nach eigenen und damit für den Wissenschaftler der
Nachbardisziplin kaum völlig zu erfassenden Methoden. Insbesondere die Archäologie ist nur wenig
hilfreich, die Beurteilung methodischer Ausgangspunkte zu erleichtern. Daß beispielsweise die Be
funde von Merdingen, einer südwestdeutschen Siedlung des 11. Jh., die Rekonstruktion von Ge
höften kaum erlauben, weil die unter ungünstigen Bedingungen durchgeführten Rettungsgrabungen
zum Verlust nahezu aller ebenerdigen Bauspuren führten, ist aus der Originalveröffentlichung und
darauf bezogenen jüngeren Arbeiten ebensowenig zu entnehmen wie die Tatsache, daß diese Siedlung
nach dem Fundmaterial zwischen dem 7. und 12. Jh. bestanden hat. Die aufgefundenen Gruben
häuser z. B. sind deshalb verschiedenen Bauhorizonten zuzurechnen und haben wohl kaum zu
mehreren auf einem Hof gestanden. Baumgarten hat Aussagen des Ausgräbers korrekt genutzt, die
Raum. In diesen Jahrhunderten bildete sich bereits weitgehend das heraus, was heute unter dem
Begriff der feudalzeitlichen Haustypen verstanden wird. Für eine Weiterführung historisch ausgerich-
discher Hinsicht als auch hinsichtlich der in ihnen enthaltenen Fakten. Es wäre zu wünschen, daß
KARL BAUMGARTEN, Rostock