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Bibliographische Daten: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 14.1968

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Ulrich Bentzien 
Fragt man innerhalb der oben zusammengestellten Gruppen nach den absolut 
häufigsten Namen, so stellen sich Bleß (usw.) mit 43 und Brun (usw.) mit 39 Be 
legen an die Spitze. Einfach zu folgern, daß eben die entsprechende Beschaffenheit 
der Tiere ausschlaggebend hierfür gewesen sei, käme indessen einem Trivialschluß 
gleich. 34 Jedes Tier mit hellem Stirnfleck und jedes braune Tier besitzt in seiner 
Erscheinung theoretisch genügend andere Reizpunkte, die für den Namengeber 
relevant werden können, ja, beide Erscheinungen — der Stirnfleck und die braune 
Körperfarbe — sind noch nicht einmal alternativ. Andererseits wird niemand be 
streiten wollen, daß ein Bleß oder Bleßke genanntes Tier nicht tatsächlich jenen hellen 
Stirnfleck besessen hat. Wo also liegen die Gründe für die so oder so realisierte 
Namenfixierung ? 
Wir gewinnen einen Ansatzpunkt für die Antwort, wenn wir den Fakt der Namen 
gebung begrifflich differenzieren. Die Erörterung über die Nichtidentität von Etymo 
logie und aktuellem Benennungsmotiv hat gezeigt, daß es zwischen der Namen 
schöpfung und der Namenwahl zu unterscheiden gilt. Die ursprünglichen 
Benennungsmotive, die einst zur Namenschöpfung führten, sind im traditionellen 
Namenschatz, aus dem nunmehr ausgewählt werden kann, objektiviert. Dies gilt 
auch für die Fälle mit noch verständlicher Etymologie. Das heißt: Das Tier wird 
nicht deshalb Brüning genannt, weil es braun ist, sondern weil es für diesen aktuellen 
Reizpunkt der äußeren Erscheinung den vorgeprägten und als passend empfundenen 
Namen Brüning gibt. Umgekehrt führt der Reizpunkt ,schwarze Farbe' ja keines 
wegs zu einem zu erwartenden Namen Swarting; diesen gibt es nicht: Das schwarze 
Tier trägt den tradierten Namen Bapke oder Ussel usw. 
Für die Namenwahl stand und steht dem Bauern der tradierte Namenschatz zur 
Verfügung. Aus ihm kann er die Wahl treffen. Wie sie ausfällt, wird zu keiner Zeit 
allein der persönliche Geschmack entschieden haben. Vergegenwärtigen wir uns 
die Situation: Das zu benennende Tier (wir unterstellen hier einmal einen „Vorgang“ 
der Namengebung, der dem Bauern im allgemeinen gar nicht so bewußt wird) ist 
zierlich, braun mit schwarzer Mähne, besitzt einen hellen Stirnfleck, frißt stark, 
stammt von einem Pferdehändler namens Klöckner usw. Es könnte demnach 
Kleinick, Brun, Brüneke, Bleßke, Nehrke, Klöckner usw. genannt werden. Nun ist 
aber dieses Tier, legt man den Großviehbestand einer vollbäuerlichen Stelle des 
18. Jahrhunderts zugrunde, das achte Pferd oder der vierte Ochse oder die dritte 
Kuh: 14 Namen sind also schon vergeben und damit „besetzt“. Jedes Doppel 
vorkommen wird man tunlichst vermeiden (besonders innerhalb der Gattungen 
34 Natürlich ist der rationale Zusammenhang etwa zwischen der dominanten Farbe und 
dem dominanten Namen nicht strikt in Abrede zu stellen, und umgekehrt geschlossen fällt 
dabei sogar für die Geschichte der Haustierzucht einiges ab. Das heißt: Brüning, Gälick 
usw. als Rindernamen beweisen, daß im 17. und 18. Jahrhundert in Mecklenburg das rote 
und rotbunte Rindvieh massenweise vorhanden, wenn nicht gar vorherrschend war, — er 
staunlich angesichts der Tatsache, daß bei uns heute (wie schon im 19. Jahrhundert) fast 
ausschließlich das schwarzweiße Niederungsvieh vorkommt. Diese Erkenntnis ist nicht 
sensationell; Landwirtschaftshistoriker rechneten damit seit langem (Friedrich Mager, 
Geschichte des Bauerntums und der Bodenkultur im Lande Mecklenburg. Berlin 1955, 285), 
aber immerhin haben wir einen Baustein für den Beweis gewonnen.
	        
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