Kinderspiele der Gunantuna auf New Britain
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die Türe, und wenn kein tabaran ringsum zu sehen ist, stürzen alle aus dem
Hause, um zu sehen, ob die Toten ihre Geschenke angenommen haben, und
sie freuen sich und springen.
5. Fangspiele
Wo viele Kinder Zusammentreffen, sind Fangspiele immer beliebt. Als
Vorbild gilt die Eule, die nach Mäusen jagt. Ein Kind hockt auf den Boden,
die andern decken es g?nz mit Blättern zu, stellen sich rings herum und fragen :
Kur kur, una tangi dave, kurkur, una tangi dave? „Eule, wie rufst du“ ? —
Das Kind unter dem Blätterkleid schüttelt sich wie eine Eule mit ihrem
Federkleid. Und wiederum stellen sie ihre Frage, bis das Kind plötzlich auf
springt, die Blätter abschüttelt und die auseinanderstiebenden Spötter zu
fangen sucht.
Beliebt ist heute bei Knaben und Mädchen, besonders in den Schulen,
das Jägerspiel. Die Kinder verteilen sich in zwei Gruppen, deren Lager
einander gegenüber liegen. Ein Kind geht zum feindlichen Lager, fordert einen
Gegner mit Handschlag heraus und läuft. Der Gegner läuft ihm nach, und
wenn er es fängt, stellt er es bei seinem Lager auf. Die Freunde des Gefangenen
suchen ihn zu befreien. Die Partei, die die meisten Gefangenen eingebracht
hat, trägt den Sieg davon.
6. Ein Scherzspiel
Es ist ein stiller, ruhiger Nachmittag. Plötzlich ertönt in die Stille das
Weinen eines verlassenen, aus dem Schlaf erwachten Säuglings. Das ist pein
lich. Ein Bub sitzt abseits im Schatten und beschäftigt sich allein mit seinem
Spielzeug. Er hat keine Lust, sich mit dem Schreihals abzugeben. Um das
Geschrei des Kindes zu übertönen, singt er laut in die Gegend hinaus : a bul
i tangi! — nana akave? — akana ra urur i tatak a tabu! uitititi! „Das Kind
weint. Wo ist seine Mutter ? — Sie ist abseits gegangen und sammelt Tabu
schälchen ! hihihi !“ — Jetzt wird aber auch die schlafende Mutter wach,
denn Gelächter und Zurufe antworten bald von allen Seiten 10 .
7. Darstellende Spiele
Ein paar Kinder stehen oder sitzen beisammen, sie haben nichts zur
Hand, um damit zu spielen, aber auch die Hände allein genügen :
a) Brotfruchtpflücken. Ein Kind stimmt an: konokono kapiaka und
hält sein Fäustchen mit dem Zeigehnger in die Höhe ; ein anderes umfaßt
diesen Finger und hält seinerseits den Zeigefinger in die Höhe usw. Während
so die Finger übereinanderklettern, singen die Kinder : konokono kapiaka To
Kaleku „Wir pflücken die Brotfrüchte des To Kaleku.“ Von Zeit zu Zeit läßt
ein Kind seine Hand fallen, dann sagen alle : tikai i bura „Da fällt eine.“
10 „Tabuschälchen sammeln“ ist ein Euphemismus für „Notdurft verrichten“. Das
geschieht immer sehr verstohlen, und wer dabei überrascht wird, ist sehr beschämt.