Besprechungen
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Der anschließende Abschnitt sucht dem zuvor aufgeführten Bestand Ergebnisse abzuge-
Winnen. Gestützt auf die Forschungen Hoferers zeigt Götzger unter den Themen: Die
rage der Typengliederung — die Hofform — Grundriß und Gefüge des Hauses — Das ober-
Sc hwäbische Haus nach Hoferer — Wandlungen bis zur Gegenwart eine Reihe interessanter
Feststellungen auf, unter denen insbesondere der Hinweis auf die Nicht-Existenz des „Typus“
hervorsticht, der damit unserer wiederholt geäußerten Anschauung, nach der im „Typus“
ein e tradierte Bauvorstellung, eine Leitform mit bestimmtem Raum- und Konstruktions
charakter verstanden werden sollte, entspricht.
Nimmt man letztlich die recht ansprechende Ausstattung der Publikation mit 79 Seiten
Phototafeln hinzu, so ergibt sich das Bild eines Werkes, das mit Erwartung den kommenden
Bänden entgegensehen läßt.
Karl BAUMGARTEN-Rostock
Peter Schmittgen : Das Winkelhaus in der Nord-West-Eifel, ein Beitrag zur Hausforschung
im Rahmen der Volkskunde. Siegburg, Verlag F. Schmitt, i960. 56 S., 38 Abb., 10 Kar
ten, 8 °.
Zu den hauskundlich wenig bearbeiteten Gebieten Deutschlands zählt auch die Haus
formenlandschaft der Eifel. So ist es erfreulich, daß der Verf. den bereits vorliegenden
Arbeiten Otto Klemms, Justinus Bendermachers und Gerhard Eitzens mit seiner Publi
kation eine weitere hinzufügt.
Sein Interesse gilt im besonderen dem Winkelhaus. Der Verf. versteht darunter „ein
Bauernhaus, bei dem die Funktionselemente einer Bauernwirtschaft — Wohnhaus, Stall
ünd Scheune (Tenne) — unter einem Dach mit gleicher First- und Traufenhöhe in der Form
e ines rechten Winkels angeordnet sind, wobei sich grundsätzlich im abgewinkelten Teil die
Scheune (Tenne) befindet“ (S. 16). Als grundlegend für die Sonderentwicklung zum Winkel
haus werden dabei die natürlichen und geschichtlichen Verhältnisse der Eifel angesehen. So
finden zunächst Lage, landschaftliche Großgliederung, Klima und Vegetation vornehmlich
her Nordwesteifel Berücksichtigung, wobei für die späteren Schlußfolgerungen des Verfs
insbesondere den Angaben zu den Wind- und Niederschlagsverhältnissen Gewicht zuge-
fnessen wird. Angeschlossen werden Ausführungen zur geschichtlichen Entwicklung des
Fifelgebiets von der vorrömischen Zeit bis zur Gegenwart. Sie erscheinen uns einerseits
Zu weitgreifend, andererseits vermissen wir darin einen für das besondere Anliegen der Haus
forschung immer nutzbringenden kurzen Exkurs zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte dieses
Gebiets. Umfang der Betriebsgröße und Notwendigkeit des Wetterschutzes werden sodann
v bm Verf. als unmittelbare Faktoren der Winkelhausbildung herausgestellt. Auf Grund
statistischer Erhebungen aus den Jahren 1949 —1955, die ohne weiteres auch als für die vor
hergehenden Jahrhunderte gültig zurückprojiziert werden, wird das Winkelhaus als Hof-
a nlage des kleinen und mittleren Bauernbetriebes ausgewiesen. Daneben sieht der Verf. in
her Abwinkelung der Gebäudeanlage eine bewußte Anpassung an die vorherrschenden
Windverhältnisse, da der Winkel „der Hauptwindrichtung (meistens von Westen) in der
Begel abgekehrt ist, so daß sich das Hofleben im geschützten Winkel abspielt (S. 27).
Fs erscheint uns notwendig, darauf zu verweisen, daß sich eine derartig günstige Lage wohl
tüimer nur für die Gehöfte einer Dorfstraßenseite ergeben haben dürfte. Weiterhin wird
die Winkelhauslandschaft unterteilt in die Bereiche des Winkelhauses als Ansatz, des Winkel-
h-auses mit gleichschenkeligem Dach sowie des Winkelhauses mit ungleichschenkeligem Dach.
Fie in solchen Bildungen zur Auswirkung gelangenden besonderen klimatischen Faktoren
Werden aufgezeigt.
Diesem grundlegenden Teil wird ein spezieller angefügt. In ihm werden aus der Winkel
hausunterlandschaft I (Winkelhaus als Ansatz) ein 1885 erbautes Gebäude, aus der Unter
landschaft II (Winkelhaus mit gleichschenkeligem Dach) vier (am Ende des 17. Jhs, in der
hlitte des 18. Jhs, 1904—1905, sowie 1930) errichtete Häuser und schließlich aus der Unter-
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