Digitalisate

Hier finden Sie digitalisierte Ausgaben ethnologischer Zeitschriften und Monografien. Informationen zum Digitalisierungsprojekt finden Sie [hier].

Suchen in

Bibliographische Daten: Deutsches Jahrbuch für Volkskunde, 13.1967

Nachbarschaftshilfe beim ländlichen Hausbau in Mecklenburg 
Von Karl Baumgarten 
Das ältere Bauernhaus Mecklenburgs ist, soweit bis heute bekannt, ausschließ 
lich in Fachwerk errichtet. 1 Blockbauten sind hier durch Ausgrabungen bislang 
lediglich für die slawische Zeit belegt. 1 2 Damit war das Haus des mecklenburgischen 
Bauern bis ins 19. Jahrhundert weitgehend Werk des Zimmermanns. Doch wurden 
stets eine Reihe Arbeiten beim Errichten der Gebäude auch vom Bauern selbst 
ausgeführt. Hierbei fand er weitgehend Hilfe durch die übrigen Bewohner des 
Dorfes. Belege für solche Nachbarschaftshilfe finden sich unter den von Richard 
Wossidlo zusammengetragenen Aufzeichnungen zum mecklenburgischen Volks 
kulturgut 3 wie in den Antworten zur Frage 192 c des Atlas der deutschen Volkskunde. 
Ergänzungen konnten in jüngster Zeit durch Befragungen älterer Gewährsleute 
sowie aus Angaben in heimatkundlicher Literatur und in Archivalien hinzuge 
wonnen werden. Insgesamt ermöglicht das vorhegende Material gewisse Aussagen 
zu den Erscheinungsformen nachbarlicher Hilfe im mecklenburgischen Dorf, zur 
mecklenburgischen Besonderheit solcher genossenschaftlicher Leistungen sowie zur 
Deutung der offenbar für Mecklenburg bezeichnenden Variante. 
Noch im vorigen Jahrhundert war der mecklenburgische Bauer bei vielen zur 
Errichtung seines Hauses oder seiner Wirtschaftsgebäude erforderlichen Arbeiten 
der tatkräftigen Hilfe durch seine Nachbarn sicher. Diese Unterstützung reichte 
von den Vorbereitungen zum Bau bis zur Vollendung des Hauses. Sie mußte 
allerdings von den Nachbarn jeweils erbeten werden. 3 * Ob das in bestimmter tradi 
tioneller Form geschah, ist nicht überliefert. Während z. B. von Fehmarn mitgeteilt 
wird: „De Bur hett gistern Ehrndag [Vormittag] all de Plogdriewer in Dörp rund 
hatt bi sin Nahwerslü: Ick schull gröten von uns Herr, wat se Morgn nich ’n Mann 
mit ton Lehm schicken kunn“, 4 heißt es dazu in Mecklenburg meist nur: „Nahwer- 
schaft würd anseggt.“ Dabei dürfte im allgemeinen die Hilfe auch tatsächlich von 
1 Schon das 19 3 9 in Ramm bei Lübtheen ausgegrabene Haus 2 — ein Hallenhaus des frühen 
14. Jhs — wird als Fachwerkbau rekonstruiert werden müssen. Vgl. Fr. Engel, Die Urformen 
des Niedersachsenhauses in Mecklenburg. Mecklenburgische Jahrbücher 104 (1940) 115 — 119. 
2 Dazu zählen vor allem die Häuser I und II auf der Burgwallinsel Vipperow in der 
Müritz. Vgl. A. Hollnagel — U. Schoknecht, Die Burgwallinsel bei Vipperow Kr. Röbel. 
Jb. f. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg 1954 (1956) 124—126. 
3 Sie wurden von Richard Wossidlo durchweg mit der Kennzeichnung ch (= Cultur- 
historisches): Dorf und Hausformen abgelegt. 
3a In den Antworten zur ADV-Frage heißt es hierzu: „Die Nachbarn helfen auf Bit 
ten“ oder „Es hilft, wer dazu gebeten wird“ o. ä. 
4 P. Wiepert, Lehmeibeer un Richelbeer. Die Heimat 34 (1924) 143.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.