Besprechungen
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ist (dunkel für älteste Anlagen). Auch setzen Neugründungen bis um 900 mit einem Dunkel
rosa ein und gehen zum jüngeren Hellrosa. Aber beide Rosa stehen dem Violett der ältesten
Anlagen und Flurteile optisch näher, so daß man die Karte wiederum länger studieren muß,
als dies nötig wäre, wenn man etwa in der Folge von den dunkleren Farbtönen zu den hellen
vorgegangen wäre, wobei man die zartgrünen und gelben Farben hätte an den Schluß bringen
mögen.
Karte 26 bringt in 6 Teilkartengruppen Niederländische (Flämische) Einflüsse in Sied
lungen und Flurnamen, die von M. Bathe sowohl zusammenfassend (Ia) wie auch in Spezial
karten (Wätering, Upstall, Dunk(e), Fenn) neuartig dargestellt sind.
Die Wüstungskarten aus Mitteldeutschland (im richtigen, engen alten Sinne) sind auf
Karte 27 als Beispiele für den Siedlungsverlust im späteren MA nach G.Reischei von O. August
(I—III) und von F. Koerner (IV) in bewährter Weise unter Einbeziehung der alten Heer
straßen vorgelegt.
Die Farbenskala ist bei Karte 28 der mittelalterlichen Städte (v. E. Wiemann) glücklich
angewandt, denn die Städte sind nach ihrem Alter schwarz (vor 1200), rot, violett, grün und
blau (1450 —1550) eingetragen. — Im Rahmen dieser Rezension müssen wir es uns versagen,
die Karten der Städte Magdeburg (29), Halle a. d. Saale (30), Erfurt (31), Leipzig (32),
Karl-Marx-Stadt (33), Dresden (34), anhalt. Städte (35), weitere Städte am Harz (36) sowie
in Thüringen und Sachsen (37, 38) zu betrachten, obwohl sie eine Fülle wertvollsten Stoffes
zur Darstellung gebracht haben, was auch für die Karte der mittelalterlichen Burgen (39)
von I. Hoffmann, H. Giesau und H. Wäscher gilt.
Das 2. Erläuterungsheft (z. 2. Lieferung) überschreitet den Rahmen eines solchen Heftes,
da es methodische Hinweise und wertvolle Ergänzungen zum Planmaterial bringt, auf das
hier im einzelnen nicht eingegangen werden kann.
Karte 40 bringt die Heer- und Handelsstraßen um 1500 (E. Bach) und Wege der Fuldaer
Mission im nördlichen Mitteldeutschland (W. Lüders). Man bedauert, daß das frühe Mittel-
alter nur stellenweise angedeutet, aber nicht gesondert kartiert werden konnte. Dies erklärt
sich aus der ungleichen Literatur, die im 3. Erläuterungsheft vom Herausgeber in reich
lichem Maße aufgeführt wird; hier wird auch Methodisches zu Wegekarten gesagt.
Zur Eisenhahnentwicklung und zum Verkehrsnetz liefern die Karten 41 bis 43 wichtige
Fakten, wozu K. Kahse alles Notwendige erläutert hat (Textheft). — Bodenarten und Boden
typen (44) nach Stremme bieten die Grundlage für die landwirtschaftliche Nutzung (von
H. Richter und G. Schmidt): Die Bodenbewertung (1930/36) kommt vortrefflich zum far
bigen Ausdruck (W. Stams in 45, die O. August siedlungsgeschichtlich erläutert, Text
heft S. 234), ebenso die Bodennutzung um 1935 (Karte 46) nach Angaben des Instituts
f. landw. Betriebs- und Arbeitslehre d. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; dieses
Institut kartierte auch Futterbau, Dauergrünland, Nutzviehhaltung (1935, Karte 47). —
M. Schick stellte die Verbreitung der Fagerstätten, Steine und Erden dar (48), die O. August
trefflich erläuterte. — In Wechselbeziehungen zu dieser Karte stehen die Karten 49 und 50
über das Gewerbe von 1862—82 (v. H. Zauft) und von 1933 (v. W. Schmidt); das Erläute
rungsheft bietet hierzu statistische Verbreitungskarten vom Stand 1933 und vom Stand
1956. — Auch sind für den Ethnographen und Historiker die Bevölkerungskarten von 1830
(F. Starke, W. Treutier) und von 1930 von höchstem Interesse (51, 52), dies um so mehr, als
O. August Tabellen zur Entwicklung der Gemeinden u. Großstädte sowie breite Literatur
angaben beisteuerte (Textheft). Für den Historiker ist die Kartierung des Großen Deutschen
Bauernkrieges von W. Zöllner von substantiellem wie methodischem Belang (55). Es
mußten beim Kartieren der Entwicklung der mitteldeutschen Arbeiterbewegung im 19 ./ 20 . Jh.
neue Wege beschritten werden (v. H. Wolter, 56).
Für den volkskundlich interessierten Leser mögen hier die Mundarten-Karten 53 und 34
(v. K. Bischoff) den Schluß des Referates bilden: Die Sprachformen ick/ich zeigen die Grenze
zwischen dem Niederdeutschen und dem Oberdeutschen bzw. dem West- und Ost-Mittel
deutschen an. Andere Sprachformen sind auf 5 weiteren Karten eingetragen und zeigen
sehr breite Grenzsäume zwischen dem Nieder- und Oberdeutschen bzw. Mitteldeutschen. —
In der Wortgeographie (K. Bischoff, 54) fallen z. B. die Saale und die Ohre als Grenzlinien