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Albert Drexel,
tischen Zusammengehörigkeit beider Sprachen aus finden durften, zeitigt für
die linguistische und ethnologische Forschung Lösungen und zeigt Wege von
noch unabsehbarer Ferne und noch unberechenbarer Wichtigkeit.
Zum Verständnis unserer Erörterungen bemerken wir, daß wir die Ver
wandtschaft vom Sumerischen aus entdeckt, dagegen vom Bornu aus verfolgt
haben; da wir durch beinahe zehn Jahre die grammatischen Elemente der
Sudannegersprachen zugleich neben und im laufenden Zusammenhang mit
den Bantustudien nach ihrer geschichtlichen und vergleichenden Verwertungs
möglichkeit untersucht haben, war für uns die Frage brennend, inwieweit sich
sprachliche Erscheinungen (Elemente) der bezeichneten afrikanischen Idiome
und Typen aus sumerischem Sprachgut ableiten bzw. in ihm sich erklären,
eventuell bis auf das sprachpsychologische Radikale verfolgen ließen. Das
konnten wir tun, nachdem mehrere charakteristische, ja markante Parallelen
zwischen Bornu und Sumer unbestreitlich erkannt waren; das Drängende und
Einschneidende des sumerischen Doppelproblems von Sprache und Volk mußte
uns naturgemäß ein nimmerruhender Antrieb auf dem einmal betretenen Weg sein.
Die Methode, die wir in der Durchführung des Themas eingehalten haben,
wird sich selber zu rechtfertigen haben, und glauben wir diesbezüglich die
Überzeugung hegen zu dürfen, daß wir allen wissenschaftlich berechtigten An
forderungen ungefähr nachgekommen sind. Übrigens haben wir fortwährend
die zweifache Rücksicht für die extensive und intensive Behandlung des Stoffes
vor Augen gehabt: daß diese Arbeit eine Einführung in unser „Handbuch der
sumerischen Sprache“ werden soll, und daß aus diesem umfassenden und
systematischen Werk hinwiederum einzelne Partien von „Bornu und Sumer“
ihre letzte Solidität des Zusammenhanges und der Durchsichtigkeit empfangen
würden.
Ein Punkt verdient indessen den besonderen Hinweis: Wir sind in
unseren sudanischen Forschungen auf einen ausgedehnten deutlichen Sprach-
typ gestoßen. Es wäre nun verlockend gewesen, diese verwandten großen Sprach-
komplexe in einer eigenen Abhandlung nach ihrem gemeinsamen Gesamt
charakter vorzuzeichnen; so nämlich hätten wir ein ausgiebigeres Material für die
Erweisung der sumerischen Abkömmlinge in Afrika, also für die Aufdeckung
der engeren morphologischen bzw. genealogischen Zusammenhänge des Sumer
idioms, ergattert. Vornehmlich zwei Gründe haben uns jedoch davon Abstand
nehmen lassen: die Kraft des Beweises aus einem einzigen Idiom erhöht sich
schon darum wesentlich, weil wir es so mit einem indiskutablen Terminus zu
tun haben und uns keineswegs etwa das Bedenken in den Weg gelegt werden
kann, daß wir unseren Nachweis von am Ende doch nur teilweise zusammen
gehörigen Sprachen hergeholt hätten; dann hatten wir zweitens uns durch
aus von der Ansicht bestimmen lassen, daß eine Klärung des sumerischen
Problems ungleich wichtiger sei als sogar systematische Anfänge innerhalb der
großen und vielversprechenden afrikanischen Sprachenfrage. Das sumerische
Problem schien uns mit einem Wort lebenswichtiger; und so war es für uns
zugkräftiger.