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Volltext: Zeitschrift für Volkskunde, 86.1990

Buchbesprechungen 
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Heimatort entfernt verbringen mußten, meist primitiv untergebracht in tristen Schlafhäu 
sern. Darüber hinaus verweist er in übertragener Bedeutung auch auf die wechselvolle poli 
tische Zugehörigkeit der Saarregion zu Preußen, Bayern, Frankreich, Deutschem Reich und 
letztlich zur Bundesrepublik Deutschland. Demgegenüber aber bezeichnet es Harig als eine 
der beiden Voraussetzungen zur spezifisch „saarländischen Freude“, daß der Saarländer 
„immer zu Hause, und zwar bei sich selbst“ sei 2 . Indes läßt sich Harigs andere Behauptung, 
der Saarländer nähme „es mit der Arbeit nicht so ganz genau“ 3 , zumindest mit der in einem 
der Artikel erwähnten „Waldschicht“ belegen, die Ende des 19. Jahrhunderts manche Arbei 
terbauern auf ihrem täglichen Weg zur Fabrik bei gutem Wetter zuweilen gerne einlegten (S. 62). 
Im Gegensatz zu Harigs, freilich ironischer, globaler Nationalcharakteristik lag den 29 
Autoren (der Verfasser des Vorworts, Oskar Lafontaine, nicht mitgezählt) primär daran , die 
Geschichte der Region von ihrer Angliederung an Preußen und an Bayern nach dem 2. Pari 
ser Frieden von 1815 bis zum Anschluß an die Bundesrepublik 1955 musivisch in möglichst 
vielen politischen, wirtschaftlichen, sozialen, konfessionellen, alltags- und arbeiterkulturel 
len, industriearchitektonischen und städtebaulichen, ökologischen, nationalen und nationa 
listischen, antisemitischen, kunst- und literaturhistorischen Aspekten anschaulich werden 
zu lassen. Die zahlreichen, sorgfältig gewählten Abbildungen, einige Male auch exkursartig 
thematisch zu Bildserien zusammengefaßt, unterstützen dieses Anliegen wirkungsvoll. Die 
Textfülle ist übersichtlich in vier chronologisch angeordnete Hauptteile gegliedert: „,Eine 
preußische Industriekolonie mit kaplanokratischer Opposition“. Die Zeit der Hohenzollern 
1815—1918“; „,Wir halten die Saar!“. Französische Besetzung und Völkerbundsregierung 
1918—1935“; „,Deutsch ist die Saar, wär’ sie nur wieder, was sie war!“. Die Zeit des Natio 
nalsozialismus 1935—1945“; „,Wir wollten uns selbst regieren“. Militärregierung und auto 
nomer Saarstaat 1945—1955“. Jedem dieser Abschnitte ist eine Chronologie der wichtigsten 
Geschichtsdaten vorangestellt. Durch offenbar strenge redaktionelle Anweisungen an die 
Autoren, sich äußerster Knappheit zu befleißigen und sich strikt an das jeweilige Thema zu 
halten, sowie durch „manchen redaktionellen Eingriff“ (S. 13) in die abgelieferten Manu 
skripte gelang es dem Herausgeberteam, die heterogene Stil-, Methoden- und Qualitätsmi 
schung und die thematischen Überschneidungen einer buchbinderhaften Aufsatzsamm 
lung zu vermeiden und ein homogenes Lesewerk zu schaffen, das mit allen Facetten in sei 
nen „historischen Miniaturen, exemplarischen Fallstudien, Quer- und Längsschnitten“ 
(S. 13) schließlich doch einen saarländischen Nationalcharakter spiegelt, ein Lesewerk, „das 
einen Beitrag leisten kann zur Konstitution einer saarländischen Identität jenseits einer folk- 
loristischen Verkürzung“ (S. 13). So nähern sich die Herausgeber in ihrer Zusammenfassung 
(„Die saarländische Sphinx. Lesarten einer Regionalgeschichte“) auch Ludwig Harigs Be 
hauptung, der Saarländer sei „immer zu Hause“, indem sie die Heimat des Saarländers als 
durch alle politischen Macht Wechsel hindurch bewahrte Utopie des Zuhauseseins zeigen, in 
der er seine Identität gegen die äußeren Veränderungen behauptet, „mit sich selbst in Har 
monie“ zu leben vermag (S. 272). 
Befolgt der Leser die Gebrauchsanweisung am Ende der Einleitung, so wird sich ihm zu 
letzt auch Harigs „saarländische Freude“ erschließen: „Zurückgelehnt nun, eine Flasche 
Wein geöffnet und das Buch aufgeblättert: Die Entdeckungsreise ins Saarrevier kann begin 
nen“ (S. 13). 
Nürnberg Wolfgang Oppelt 
2 Wie Anm. 1, S. 49. 
3 Ebd. S. 44 und öfter.
	        
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