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Objekt: Der Mensch

Kritik der synergastischen Theorie. 423 
niedriger oder zurückgebliebener Kultur. .. . Von ihren elemen- 
taren, praktischen Vorstufen an als Sing- und Sprachlehre bis zu 
ihrer höchsten Erhebung in der Darlegung der in ihrem Vorwurf 
zur Geltung kommenden Systematik hat phonetische Wissenschaft 
in ihren beiden Zweigen dieselbe Aufgabe.c 
Borinski wendet sich dann der Sprachphonetik zu und sucht 
deren Grundelement, den artikulierten Laut, genauer zu be- 
stimmen. : 
»Der Laut ist nicht etwa ein bloß physiologisch ‘bedingtes 
Geräusch. Er ist kein tierischer und. von Haus kein pathologischer 
Schrei. Der Vorrang des artikulierten Lautes, den er mit dem 
Tone teilt, ist der, daß er für sich, bei allem Schwanken und 
Übergehen der Betonung in der Auffassung der sich durch diese 
Artikulation verständigenden Individuen, eine feste Stufe einnimmt, 
bezw. mehrere solcher Stufen verbindet.« 
Einen unbestimmten Vokal, wie ihn z. B. Lepsius suchte, 
gibt es nicht. Allerdings ist die Qualität der Stimmbewegung 
kontinuierlich, d. h. stetig übergehend und somit unbestimmt. 
»Dies aber ist Artikulation, daß zwecks einer Bezeichnung Dis- 
kretion in diese Kontinuität hineingebracht und demgemäß 
wahrgenommen und aufgefaßt wird.« Wie aber ist diese Dis- 
kretion bewerkstelligt worden? Drei Richtungen sind in der 
Beantwortung dieser Frage zu unterscheiden: die grammatische, 
welche die Laute nimmt, wie sie traditionell überkommen sind, 
die physiologische untersucht die Stellungen des Sprachapparates 
bei der Hervorbringung eines Lautes, die physikalische unter- 
sucht die Schwingungen, welche den Ton erzeugen. Nicht die 
Klangfarbe, auch nicht die Höhe oder Tiefe allein, sondern »erst 
die in der Schallwelle mitschwingenden Teilwellen, deren je nach 
der Natur des Schalles verschiedene vorherrschen, und die in 
unserer Auffassung unter einer einheitlichen Resultänte subsumiert 
werden (Ohmsches Gesetz): erst sie vermitteln der qualitativen 
Unterscheidung das auch in der Welt des Gehörs so merkwürdig 
spezifische Charakteristikum«. 
Sodann geht Borinski zu den Verhältnissen des Laut wandels 
über, bei welchem er dem Accente die entscheidendste Rolle 
zuschreibt. »Denn der Accent, als eigentliches Lebensprinzip der 
Sprache, ist ganz folgerichtig zugleich ihr destruktives wie ihr
	        
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