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Volltext: Anthropos, 26.1931

Die zweite Schlacht von Mag Tured und die keltische Götterlehre. 435 
Die zweite Schlacht von Mag Tured und die 
keltische Götterlehre. 
Von Gustav Lehmacher, S. J., Bonn. 
Wer in irischen Quellen keltische Götterlehre sucht, muß von Vertrauens 
seligkeit und Zweifelsucht gleich fernbleiben. Im Wörterverzeichnis des 
Cormmacc aus dem 9. Jahrhundert sind Göttergeschichten und Göttervorstel 
lungen gut erhalten; allerdings wird auch die christliche Auffassung, daß 
es sich um bloße Menschen handelt, zum Ausdruck gebracht. (Vgl. Sanas 
Cormaic aus dem Buch von Lecan, herausgegeben von Kuno Meyer, Halle 
lO^i^Einen Teil ihrer Ursprünglichkeit nahm der Göttersage ihr Einbau 
in die im 10. Jahrhundert einsetzende, umfassende Geschichtsklitterei, die 
bleibende Gestalt gewann im Lebor Gabäla, dem „Buch der Besitznahmen“ 
Irlands durch die Stämme der Vorzeit bis herab zu den Gälen. Hier sind die 
Götter unter dem Namen Tuatha De Danann die vorletzten menschlichen 
Besiedler Irlands, besiegen die Fir Bolgg und werden ihrerseits von den 
Gälen besiegt (wie man sich erzählt, ins Innere der Berge und Hügel — 
Grabhügel, Elfenhügel — getrieben). Wie viel oder wenig eine Vermensch 
lichung dieser Art das alte Bild verändern kann oder muß, kann man sich 
vielleicht durch Vergleich mit der germanischen Sage klarmachen. Der näm 
liche Snorri läßt die Äsen in der jüngeren Edda als Götter, in der Ynglinga 
Saga als Menschen auftreten. Vermenschlichte Götter begegnen uns ferner bei 
Saxo Gramaticus. Gleichwohl ist das ursprüngliche Bild nicht so verwischt, 
daß wir in dem zauberkundigen König Odin der Ynglinga Saga mit seinen 
gezähmten Raben die Gestalt des Götterherrn der Edda nicht deutlich durch 
schimmern sehen. Ähnliches gilt in weitem Ausmaß von der irischen Götter 
sage. Unverhohlen heidnische Sagen und Lieder, die sich mit den Edden ver 
gleichen ließen, finden sich zwar bei den Iren nicht, aber wir besitzen doch 
Quellen, die, wenn auch von Afterwissenschaft und christlicher Ängstlichkeit 
nicht unberührt, im wesentlichen das heidnische Gepräge sich erhielten. 
Mancherlei bietet uns Krause: Die Kelten 2 , im religionsgeschichtlichen Lese 
buch von Bertholet, Mohr, Tübingen 1929. Leider findet sich dort nicht 
die Geschichte von der Götterschlacht von Mag Tured (bis auf § 33, 123, 
162) nach Thurneysen, dem heute noch mit unverminderter Kraft fort 
arbeitenden Altmeister der Keltenforschung, dem ich an dieser Stelle für seine 
wertvollen Ratschläge danke, „der wichtigste Text des mythologischen Sagen 
kreises“ (Zeitschrift für keltische Philologie, XII, 401). Ich glaube, wer die 
Erzählung mit einem durch die Lehren Siecke’s, Ehrenreich’s, P. Schmidt’s 
geschärften Auge durchmustert, wird diesem Urteil ohne weiteres zustimmen. 
1 Die älteren Lesarten von Land 610 und Hy Maine kommen hier nicht in Betracht.
	        
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