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Objekt: Jahrbuch für Volkskunde und Kulturgeschichte, 8=23.1980

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Volksdichtung in Geschichte und Gegenwart 
die traditionelle Vokal- und Instrumentalmusik seit dem 19. Jahrhundert in zunehmen 
dem Maße zunächst schriftlich, in unserem Jahrhundert auch akustisch aufgezeichnet. 
Die schriftlichen und akustischen Fixierungen der Volksmusik, die millionenfach erfolg 
ten, fanden Aufnahme in Archiven. Ein nicht unbeträchtlicher Teil wurde inzwischen 
auch publiziert. Diese handschriftlichen, gedruckten und akustischen Aufzeichnungen 
bildeten die Grundlage für neue Aufführungen der Volksmusik in den verschiedensten 
Formen - quasi originalgetreu, bearbeitet, stilisiert, weiterentwickelt etc. Als Folge der 
Schriftlichkeit ist heute die Volksmusik nahezu aller Völker für jedermann an jedem 
beliebigen Ort der Welt zumindest potentiell zugänglich und verfügbar. Damit wurden 
die sozialen, ethnischen, regionalen und funktionalen Bindungen und Begrenzungen, die 
für das erste Dasein der Volksmusik charakteristisch waren, aufgehoben. Neue Formen 
der Aufführung und Vermittlung entstanden und wurden genutzt, Funktionen und 
Rezeptionsmöglichkeiten veränderten sich und näherten sich derjenigen von Literatur 
und komponierter Musik an. Hier einige Stichworte zu den Problemen. 
Singen und Spielen von Volksmusik ist heute nicht mehr eine Angelegenheit von 
vielen, sondern nur von wenigen Menschen einer sozial-ethnischen Gemeinschaft, die 
dies z. T. auch nur professionell tun. Die Hörer andererseits verfügen in der Regel nicht 
mehr über ein aktives Wissen von der Volksmusik auf Grund von lebendiger Anschau 
ung und eigener Praxis, so daß sie diese nur mehr oder minder passiv rezipieren können. 
Eine intakte Kommunikationsgemeinschaft und Perzeptionsgrundlage besteht für sie 
nicht mehr. Zwischen Produzenten und Konsumenten der Volksmusik ist eine Trennung 
entstanden, wie sie für die Aufführung und Perzeption der sogenannten Kunstmusik seit 
langem charakteristisch ist. 
An die Stelle des Musizierens für sich bzw. seine eigene sozial-ethnische Gemeinschaft 
trat mehr und mehr die Aufführung, genauer die Darbietung der Volksmusik für ein 
gleichsam anonymes Publikum, das sogar zu anderen Ethnien oder Nationen gehören 
kann. Die Form der Darbietung - in der Regel auf großen Bühnen - führte dazu, daß 
man umfangreiche Ensembles bildete, einige Typen von Volksmusikinstrumenten fami 
lienmäßig ausbaute, viele kurze Formen der Musik additiv zu zeitlich ausgedehnten 
Suitenfolgen zusammenfügte etc., d. h. die Aufführungspraxis der Volksmusik voll 
ständig veränderte. 
Wichtig scheint ferner, daß man sich häufig nicht auf die Ausführung der Musik des 
eigenen Volkes beschränkt, sondern sich auch mit der Musik anderer Völker beschäftigt. 
Sowohl professionelle Interpreten als auch Amateure verfügen heute nicht selten über 
ein internationales Repertoire. So gehört es auch zu den Selbstverständlichkeiten, die 
uns nicht mehr erstaunen machen, daß wir beispielsweise Volksmusik Lateinamerikas 
oder Asiens fast täglich hören oder durch Auftritte von Ensembles aus Ländern dieser 
Teile der Welt auch sehen können. 
Auf äußerst vielfältige Weise erfolgt heute insgesamt die Vermittlung der Volksmusik, 
unsere Konfrontation mit ihr. Und entsprechend unterschiedlich sind auch die Möglich 
keiten und Bedingungen für ihre Rezeption. Folgende Vermittlungs- bzw. Rezeptions 
formen lassen sich unterscheiden: 1. Eigenes Musizieren, basierend auf Lernen durch 
Selbststudium, in Singegruppen, in der Schule etc.; 2. Rezeption durch Hören und Sehen 
von Aufführungen in Jugendklubs und Theatern, bei Festivals oder auch im Fernsehen; 
3. Rezeption nur durch Hören von Wiedergaben im Radio und auf Schallplatten; 
4. Rezeption durch Lesen.
	        
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