Altertümliche afrikanische Geräte und Prähistorie.
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körnige Schlagfläche zeigen muss, nenne ich den Protolithen, und ich
finde ihn in der gesamten Prähistorie vom Chelléen bis zum Neolithikum,
wo er als Klopf hammer dient, ja in gewissen Formen bis zur Gegenwart
im Gebrauch zähe beibehalten."
Es ist bedauerlich, dass es nicht möglich war, etwas zu erfahren über
den heutigen Gebrauch der Steinkeulen. Dass es seltene Stücke sind,
erscheint sicher, wenigstens finden sie sich im grossen Reservoir für
afrikanische Ergologie, im Berliner Museum für Völkerkunde nicht vor,
wie ich der freundlichen Mitteilung der Frau Professor Futterer entnehme,
die auf mein Ansuchen die Güte hatte, sich in den dortigen Beständen
nach solchen Keulen umzusehen.
Ich kann also nicht sagen, ob die Keulen als Kriegswaffen oder Wurf¬
waffen bei der Jagd gebraucht wurden. Vielleicht dienten sie bei ihrer
Schwere auch, wie dies Merker für die heutigen Keulen der Masai aus¬
führt, zum Zerschlagen von Knochen, wobei sie ja ihrer uralten Aufgabe
als Klopfhämmer wieder gerecht würden. Sehr wohl möglich wäre auch,
dass sie, wie wir dies bei prähistorischen Relikten öfters sehen, ich er¬
innere nur an die in Westafrika und dem Sudan zu Fetischzwecken
vielfach verwendeten prähistorischen Steinbeile, zu gewissen kultischen
oder Zeremoniengebräuchen dienen, vielleicht auch nur als Auszeichnung,
etwa wie die bekannten Keulen aus Rhinozeroshorn, die der Sprecher der
Krieger im Masai Kraal1) bei seinen gestenreichen Reden gebraucht, um
seinen einzelnen Worten Nachdruck zu geben. Jedenfalls wäre es von
Interesse, näheres über ihren heutigen Gebrauch zu erfahren.
Bei diesen Steinkeulen befand sich auch eine Holzkeule der Ja-Luo
von ähnlicher Form. Das aus einem Stück harten braunen Holzes ge¬
schnitzte Objekt ist 58 cm lang und hat vorn einen 9 cm langen zitronen-
förmigen, mit seichten Längsrillen versehenen Knauf. Das Stück gleicht
sehr dem Kirri der Ovambos.
Wie schon erwähnt, sind meines Wissens solche Steinkeulen als
echte prähistorische Relikte aus Afrika nicht bekannt. Sie sind natürlich
nicht zu verwechseln mit jenen wohlbekannten Grabstöcken der Busch¬
männer2) und der Gallaländer, wo ein Stein in Form eines Keulenknaufes
mit zentraler Durchlochung dem Stock als Beschwerung aufgesetzt wird.
Auch diese Steine sind wohl meist von prähistorischer Provenienz, sie
können aber schon, wenigstens zum Teil, wegen ihrer Grösse, Form und
Schwere (faust- bis doppeltfaustgross und durchlocht), keine ursprünglichen
Klopfhämmer oder Protolithen sein. Es würde sich jedenfalls empfehlen,
dieselben einer genauen prähistorischen Analyse zu unterziehen. Gehören
sie der afrikanischen Steinzeit an, so waren es wohl meist auch ungefüge
Keulensteine, ähnlich manchen analogen ozeanischen.3)
1) Merker, 1. c. p. 85.
2) Vgl. British Museum, handbook to the Ethnographical Collections, London
1910, p. 212, fig. 18G.
3) Vgl. auch S tau dinger, Prähist. afrikan. Funde, diese Zeitschrift 1911,
p. 144.