- 24. Kapitel. =— Untypische Köpfe.
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Hans Meyer.für dieses Buch hergestellt werden konnte. Das Stück ist sehr dünn, kaum mehr als ı mm
stark gegossen und hat schöne dunkelgrüne Patina. Sonst vermag ich nichts darüber zu sagen, was nicht
ohnehın aus der. Abbildung zu ersehen wäre. Die an eine moderne »Bartbinde« erinnernde Behandlung
der Umgebung des Mundes ist schwer zu verstehen; daß sie etwas an eine ähnliche Bildung bei dem
Fig. 535 abgebildeten Kopfe gemahnt, macht sie nicht verständlicher.
H. Anhangsweise sind hier noch einige kleine Tonköpfe zu erwähnen, von denen der weitaus
schönste, P. R..366, nach Rushmore gelangt und hier Fig. 538 abgebildet ist. In
Form und Stil schließt er sich an die im Kap. 23 behandelten Köpfe an, doch
lassen die weichen Züge an die Möglichkeit denken, daß er einem jungen Mädchen,
vielleicht auch einem Kinde zuzuschreiben ist; die Augensterne und die Tätowie:
rungen über der Nasenwurzel sind wie bei den Bronzeköpfen durch Eiseneinlagen
besonders hervorgehoben. Die Ohren sind nach der Abbildung P. R. 365° genau
so gebildet wie bei den schönen Mädchenköpfen Taf. 51 und 52 was die Vermutung
nahelegt, daß der Tonkopf demselben Künstler seine Entstehung verdankt wie diese,
jedenfalls muß er künstlerisch sehr hoch eingeschätzt werden und gehört .zu der
Glanzstücken der Sammlung in Rushmore; ob er als fertiges Kunstwerk zu betrachter
ist, oder nur als Hilfsmodell für den Künstler, ist wohl unmöglich, zu entscheiden;
ganz ablehnen möchte ich nur die Vorstellung, daß er als Tonkern für ein Wachs-
modell aufzufassen sei; dazu ist er viel zu sorgfältig durchgeführt. Zwei andere
Köpfe aus Ton besitzt Hamburg, C. 2901 und C, 2390, sie sind ebenso klein wie der
in Rushmore, etwa 16 cm Koch, und haben auch ein großes, rundes Loch am Scheitel,
wie dieser und wie die Bronzeköpfe. Bei einem von ihnen ragt links ein kleines
Stück Eisen heraus, andere solche scheinen weggebrochen; es lag nahe, deshalb
anzunehmen, daß der Kopf als Kern eines Wachsmodelles gedacht war; die Eisenstücke wären dann nur
für die feste Verbindung zwischen Kern und Mantel bestimmt gewesen; ein Hamburger Bronzeguß-
Techniker hat aber einen solchen Zusammenhang mit Entschiedenheit abgelehnt.
I. Gleichfalls nur nebenher
sind hier zwei sehr eigenartige
Köpfe anzuführen, die vielleicht
ebensogut erst später, unter den
Gefäßen, hätten beschrieben
werden können; zum mindesten
ist eines dieser Stücke ausge:
sprochen flaschenförmig: Berlin,
III. C. 8060, Taf. 107 A, und in
reiner Seitenansicht hier Abb.
539; 33 cm hoch, aus Messing
gegossen, hat dieser Kopf statt
des üblichen runden Loches am
Scheitel einen etwa handhohen
röhrenartigen Aufsatz von deı
Form eines: abgestumpften Ke:
gels; nach unten zu erweitert
sich der Kopf, statt in der Hals-
gegend eingezogen zu sein, noch
in‘ sehr unförmlicher und un-
schöner Art, so daß er in Kinn-
höhe wie ein großer, runder Flaschenboden abschließt. Längs des unteren Randes deuten zahlreiche
Löcher darauf hin, daß da ursprünglich ein Boden. aus Holz mit Nägeln befestigt war; so hätte
der Kopf vielleicht als Pulverflasche, vielleicht auch als Rassel dienen können. Stilistisch weicht er von
den bisher beschriebenen durchaus ab; vor allem sind die Lippen ganz unnatürlich weit zurückgezogen
und lassen zwei mächtige Zahnreihen vortreten, die wie ein viel zu groß geratenes künstliches Gebiß wirken;
aus jedem Mundwinkel ragt in hohem Relief an die untere Backengegend angelehnt ein Elefantenrüssel
Abb. 539. Flaschenförmiger Kopf, Abb. 540. Lebensgroßer Kopf, Messing, Augen-
Messing, Berlin, III. C. 8060, etwa !/4 sterne aus Eisen eingelegt; R. D. X, 3. Etwa
d. w. Gr. Vgl. auch Taf. 107 A 4 d. w. Gr.