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Volltext: Globus, 89.1906

Kleine Nachrichten , 
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denken haben und etwa an seinen Leibarzt de Vega . Es müßte in diesem Falle von Spanien aus direkt Rinde nach Belgien gelangt sein , was an und für sich ja möglich ist . Freilich wäre die Zeit dazu recht knapp bemessen gewesen , und es erneut sich die Frage , ob die alte Angabe noch zu Recht besteht , daß die erste Chinarinde bereits bald nach 1630 nach Europa eingeführt wurde . 
— Die Bevölkerungsdichte von Böhmen bespricht W . Spachovsky im Programm von Kremsier , 1905 . weg ist die dichte Bevölkerung an den Bergbau und die durch bedingten Industrien gebunden . Die Zahlen bezeichnen im einzelnen den gewaltigen Umschwung , welchen dieses Landes wirtschaftliche Züge in den letzten 150 Jahren fahren haben . Es ist ein fortlaufendes Abnehmen der völkerung im mittleren und südlichen Böhmen , ein stetiges Zuströmen derselben zu den Industrie - wie Bergbauzentren des Nordens . Im Jahre 1890 ergab die Volkszählung für Böhmen eine mittlere Bevölkerungsdichte von 113 Seelen , eine Zahl , deren Höhe lediglich auf den industriellen und Bergbau treibenden Norden zurückzuführen ist . Aber die hier das erste Tausend so manchmal erreichenden und auch überschreitenden Dichtezahlen stehen einer gewaltigen Fläche gegenüber , auf welcher Gemeinden mit 16 oder auch nur 10 Einwohnern auf den Quadratkilometer anzutreffen sind , rend 50 bis 70 Seelen die Regel bilden . In der den Bevölkerung des Südens , der Abnahme des Ackerbaues und der Zunahme der Industrie und der durch die moderne Industrie und den modernen Bergbau bedingten Konzentration der Bevölkerung spiegelt sich recht deutlich der Gegensatz zwischen einst und jetzt . 
— Ganz Transbaikalien ist nach Paul Kremarik ( beben des Baikalgebietes , Programm von Nikolsburg , 1905 ) in eine Reihe von parallelen , in baikalischer Richtung streichenden Horsten und Gräben gegliedert , die durch nung oder Zerrung entstanden sind . Diese nähern sich gegen Süd westen immer mehr und gerade dort , wo sie sich am meisten nähern , tritt in der Tektonik auch schon vereinzelt die sajanische Richtung auf . Hier , wo die beiden Leitlinien des Baues der ganzen Region , die baikalische und sajanische , anfein anderstoßen , entstehen auch kleine , nord—südlich hende Querbrüche ; da ist auch ein Gebiet großer häufigkeit . Es scheint , daß hier die Bildung von Brüchen und Senkungen noch immer erfolgt und auch weiterhin folgen wird ; daß das Sinken von so großen Schollen der rinde , wenn auch quantitativ noch so gering , nicht ohne schütterungen erfolgen kann , läßt sich bald begreifen . Wenn daher Eduard Suess aus dem Vorhandensein von jungen Laven , Schlackenkegeln und Kratern schließt , daß in dieser Gegend der Vorgang der Disjunktion und die Periode der basischen Eruptionen noch nicht abgeschlossen ist , so werden seine Worte durch die noch andauernden Erdbeben Trans - baikaliens glänzend gerechtfertigt . 
— Von hoher Bedeutung sind die vorgeschichtlichen Ausgrabungen am Karlstein bei Reichenhall in Bayern , die in den Jahren 1901 bis 1905 vom dortigen seumskustos Maurer gemacht und jetzt ( Altbayerische natsschrift 1905 , Heft 6 ) von dem um Bayerns Urgeschichte vielfach verdienten Herrn E . Weber beschrieben wurden . Es handelt sich um Wohnstätten aus verschiedenen Perioden mit reichem Nachlasse . Die ältesten Ansiedelungen dort hören der Bronzezeit an ; die an die natürliche Felswand gelehnten Hütten mit festgestampftem Lehmboden waren Blockbauten von 10 bis 14 m Länge . Die Funde in ihnen erstrecken sich vom Ende der jüngeren Steinzeit bis ans Ende der Bronzezeit , also weit über ein Jahrtausend . Mit der Salzgewinnung hatten diese frühesten Ansiedler der Gegend , die auf dem Berge fern von Salzquellen wohnten , nichts zu tun . Anderer Art sind die am Haider - Burgstein entdeckten Ansiedelungen . Hier fand man 15 Flachgräber mit Leichenbrand , reihenweise angeordnet , mit ärmlichen gaben aus Bronze , die der Hallstatt zeit angehören . tiger aber als diese beiden prähistorischen Stätten ist die Entdeckung von Wohnstätten der La Tenezeit , die uns in eine ganz andere Kulturwelt als die beiden vorigen einführt ; es handelt sich hier um die ersten entdeckten Wohnstätten dieser Periode in Bayern . Man fand die Reste der auf freiem Boden stehenden rechtwinkeligen Hütten , die eine Area von 300 bis 500 qm deckten . Auf gemauertem Unterbau erhob sich das Blockhaus , der Boden war festgestampfter Lehm ; Eisenklammern und Eisennägel , Eisenbleche mit löchern und Eisengerät der mannigfachsten Art wurden 
gewiesen ; selbst eisenvergitterte Fenster scheinen vorhanden gewesen zu sein . Das aufgefundene Haus - und gerät , der Schmuck und die Zieraten zeigen eine schon geschrittene Lebensweise in der fernen Alpengegend . Die Zeitbestimmung dieser unzweifelhaften La Tene - Niederlassung wird aber durch die Auffindung von 63 Münzen ermöglicht , darunter eine ägyptische ( wahrscheinlich von Ptolemäus Euergetes III . , 247 bis 222 ) , während die übrigen keltische Silbermünzen sind , die bis in den Beginn der römischen Kaiserzeit reichen . Die Blüte dieser Niederlassung wird von E . Weber in die beiden letzten Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung gesetzt ; sie ist in vieler Beziehung konform der bekannten keltischen Niederlassung auf dem Hradischtje bei Stradonitz in Böhmen . Die nahen Beziehungen der böhmischen Bojer und der Noriker , in deren Bereich die jetzt entdeckte Niederlassung bei Reichenhall lag , sind bekannt . Wir können in der Karlsteiner Niederlassung ein Bindeglied zwischen der oberitalischen und böhmischen Kultur sehen , eine neue stätigung für deren einstige Ausdehnung . Ob die ten stein - und bronzezeitlichen Wohnstätten , die der La Tene - Periode vorangingen , auch von keltischen Bewohnern rühren oder von anderen früheren Völkerschaften , bleibt jedoch eine offene Frage . An der Hand der Funde sehen wir aber auch hier wieder , daß die Bevölkerung der lichen Gebiete nicht aus den rohen Barbaren bestand , als welche nach den dürftigen Nachrichten aus dem klassischen Altertum sie die älteren Geschichtschreiber und Philologen uns darstellten . 
— Daß die Typographie auf den Samoainseln gute schritte gemacht bat , beweist uns ein fast meterlanges und ya m breites mit lateinischen Lettern gedrucktes Blatt , welches den Titel führt : Die Malaio - Polynesische 
wanderung im Stillen Ozean . Stammbaum der malaio - polynesischen Völkerfamilie . Verfasser ist der den Lesern des Globus wohlbekannte Herr W . von Bülow auf Sawaii , welcher hier nach eigenen Forschungen und den besten Quellen ( Percy Smith , Krämer , Tregear , Kern ) in form in übersichtlicher Weise alles zusammenstellt , was sich über die Wanderung und Urheimat der Polynesier im allgemeinen und die Stammbäume der einzelnen Inselgruppen sagen läßt . Wenn dabei ( nach Percy Smith ) bis auf das fünfte Jahrhundert vor Christus für Rarotonga zurückgegangen wird , so wird man sich dabei gelinder Zweifel nicht erwehren können , sofern es sich nicht um Sage , sondern um liche Wahrheit handelt ; das nützliche und an Daten reiche Blatt ist bei E . Liibke in Apia gedruckt und kostet 1 Mark . 
— In einem Aufsatz : „ Ist Mittelasien wirklich in Austrocknung begriffen ? “ in den Mitt . der Kaiserl . Russ . Geogr . Gesellschaft 1905 polemisiert der bekannte russische Seenforscher L . Berg gegen den Artikel von Krapotkin : „ The dessication of Eur - Asia“ , Geogr . Journ . , Bd . 23 , 1904 , der den Satz aufstellte : „ Wir leben in einer geologischen Epoche , für - 
weiche die Austrocknung ebenso charakteristisch ist , wie für die Eiszeit die Ansammlung von Eis war . “ Berg ist der sicht , daß der Prozeß einer „ geologischen“ Austrocknung in Mittelasien schon lange vor dem Beginn der historischen Zeiten endigte und daß wir gegenwärtig kurzzeitige Ablösungen von mehr oder Aveniger feuchten Perioden erleben , welche in der geologischen Geschichte dieser Gegend keine merklichen Spuren zurücklassen . Er stützt diese Anschauung auf folgende Tatsache : Die jetzige Zunahme der Seen im mittleren 
Asien erstreckt sich auf ein sehr bedeutendes Gebiet und stellt zugleich eine sehr wichtige klimatische Erscheinung dar . Die dieser Epoche vorhergehende Austrocknung kann unmöglich mit der Austrocknung der Gegend nach dem rücktreten der Eisdecke in Verbindung gebracht werden . Es ist unmöglich , die in der Postpliocänzeit stattgehabte dehnung der Seen als Beweis für die jetzige Austrocknung der Seen zu benutzen , ebensowenig wie jemand aus den Spuren der pliocänen Ausdehnung des Meeres schließen wird , daß eine Gegend , wo dasselbe einst vorhanden war , jetzt trocknet . Hinsichtlich der von Krapotkin behaupteten post - pliocänen Ausdehnung des aralokaspischen Meeres bemerkt Berg , daß er im Norden des Aralsees aralokaspische rungen kaum in der Nähe der jetzigen Küste des Sees an - getroifen habe . Nach den Untersuchungen von Rowanowsky ist eine ehemalige größere Ausdehnung des Aralsees nach Osten hin nicht anzunehmen und keineswegs an eine frühere Vereinigung mit dem Balchaschsee zu denken . Halbfaß . 
— Die Hügelgräber im Fürstentum Birkenfeld beschreibt Baldes im Programm von Birkenfeld , 1905 . Nach
	        
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