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Volltext: Globus, 89.1906

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Kleine Nachrichten . 
tierentwickelung hat er die Hinterhände , den Schwanz , das Spitzohr , einige Mahlzähne , einen Teil des Blinddarmes , die Vielbrüstigkeit u . a . eingebüßt , dabei aber durch seine wiegende Gehirnbildung immer eine herrschende Stellung in der Säugetierwelt eingenommen . Aus dem Gesagten ziehe ich den Schluß , daß der Mensch weder vom Affen noch von einem anderen Tier , sondern nur von seinen eigenen Urahnen abstammt . Der Mensch ist die älteste und in mancher Beziehung primitivste , zugleich aber höchststehende Form tierischer Entwickelung . “ Daß die Schrift ohne starke Kritik und ohne Widerspruch bleiben werde , ist kaum anzunehmen . 
Oscar Terry Crosby , Tibet and Turkestan . A Journey through Old Lands and a Study on New Conditions . XYI und 331 S . Mit Abb . und 1 Karte . New York und London , G . P . Putnam’s Sons , 1905 . 10 s . 6 d . 
Der Amerikaner Crosby , bekannt durch einen Zug durch die Gebirge am oberen Blauen Nil , hat in der zweiten Hälfte des Jahres 1903 gemeinsam mit dem französischen Kapitän Anginieur eine Reise durch Zentralasien ausgeführt . Sie ging über Osch nach Kaschgar , Jarkand und Khotan nach Polu , von da nach Tibet hinein , dessen nordwestliche Ecke ( Aksai - Tschin ) durchzogen wurde , und schließlich über den Karakorum - und Sasarpaß nach Leh . Geographisch wichtig ist das innerhalb Tibet liegende Stück der Reise , da hier noch unbekannte Gebiete erschlossen wurden ; hierüber hat Crosby vor der Londoner geographischen Gesellschaft Bericht erstattet ( „ Geogr . Journal“ , Juni 1903 , mit Karte ; vgl . auch „ Globus“ , Bd . 86 , S . 192 ) . In der ersten Hälfte des vorliegenden Buches wird die ganze Reise dargestellt , unter mancherlei schweifungen , die sich sogar bis nach Abessinien erstrecken . Das alte , vor dem Sande der Wüste zurückgewichene gebiet Ostturkestans hat natürlich auch Crosby gefesselt und zu Beobachtungen veranlaßt ; es hat ihn zu der Aufstellung eines besonderen Kulturtypus , der „ Bewässerungs - Zivilisation“ , geführt , die den „ Schlüssel zu manchen historischen blemen von höchster Bedeutung“ enthält . Über die tungen in der Wüste Aksai - Tschin und in Tibet überhaupt hätten wir gern mehr erfahren , doch geht das Mitgeteilte über den erwähnten Vortrag nicht hinaus , der denn auch im Anhänge ( A ) nochmals wiedergegeben ist . Dagegen fehlt die Karte ( die im Buche ist nur eine politische und kehrsübersicht von Asien ) , und auch die Zahl der Abbildungen aus Tibet ist äußerst gering , während die übrigen sehr giebig Bekanntes , wie Samarkand , Kaschgar usw . , behandeln . Die zweite Hälfte des Buches füllen aus der Literatur schöpfte Kapitel über das tibetanische Volk , seine Religion , Geschichte , Beziehungen zu China , England und Rußland . Den Schluß bildet eine historische Skizze über Turkestan . Die Gedanken und Anschauungen des Verfassers weichen von den landläufigen oft ab und sind deshalb nicht ohne Interesse . Den Zug der Engländer nach Lliassa , den „ Young - husband raid“ , verurteilt er . Ans den Anhängen sind einige von dem Missionar H . Francke und anderen gesammelte Lieder aus Ladak zu nennen ; im übrigen enthalten sie stücke über den erwähnten Tibetfeldzug . Sg . 
l ) r . Jakob Schoembs , Material zur Sprache von Comalapa in Guatemala . XI und 227 S . Dortmund , Er . Wilhelm Ruhfus , 1905 . 8 M . 
Comalapa ist ein etwa 400 Einwohner — sämtlich reine Indianer — zählendes Dorf in der Nähe von Chimaltenango , und von ihnen hat der Verfasser während zweier Jahre das in diesem Werke gebotene Material gesammelt . Der Dialekt von Comalapa gehört zu den Mayasprachen und mag , wie der Verfasser mit der Stollschen „ Ethnographischen Karte von Guatemala“ zugibt , ein Cakchikeldialekt sein . Eine 
Grammatik der Comalapasprache beabsichtigt der Verfasser später herauszugeben , hier veröffentlicht er eine nach lichen Gesichtspunkten gegliederte Sammlung von Sätzen , ein Wörterbuch und mehrere zusammenhängende Stücke , alles mit Übersetzung . Von den letzteren sind einige für den Ethnologen von Interesse . Im übrigen muß die öffentlichung angesichts des noch wenig reichlichen Materials an mittelamerikanischen Indianersprachen als verdienstlich bezeichnet werden ; ihr Erscheinen ermöglichten die Preußische Akademie der Wissenschaften und der Herzog von Loubat . 
S . 
Andrew Lang , The Secret of the Totem . X u . 215 S . 
London , Longmans , Green and Co . , 1905 . 10 sh . 6 d . 
Der berühmte britische Soziologe gibt hier seine Theorie des Totemismus , die nach langen Studien und mit vollster Beherrschung des schwierigen und weitschichtigen Stoffes an das Tageslicht tritt , aber doch zum großen Teil Hypothese bleibt . Eine eingehende Kritik würde einen gewaltigen fang annehmen müssen und nachträgliche Studien veranlassen , die der Berichterstatter gegenwärtig außer Lage ist anzustellen . Er begnügt sich deshalb mit einem Überblick dessen , was als Ergebnis der geistreichen Arbeit erscheint . Längs gangspunkt ist die Eifersucht , die den frühesten Menschen nach Darwins Aufstellungen schon beseelt . Wie etwa ein alter , mächtiger Hirsch lebte dieser Urmensch mit einer Schar Weiber ; die jungen Männer wurden von dem Alten „ abgeschlagen“ oder vernichtet und nur , wenn sie etwa aus einer fremden Bande sich ein Weib oder mehrere erobert hatten , durften sie sich wieder der ursprünglichen Horde schließen und mit dieser ziehen . Die so neu nen Weiber und deren Kinder wurden von den älteren , reits vorhandenen mit dem Namen derjenigen Gruppe schieden , aus der sie ursprünglich stammten . Diese Namen oder Spitznamen waren gewöhnlich Tiernamen , seltener von anderen Gegenständen entnommen , und hatten , wie dieses oft bei Namen der Fall ist , mystische Eigenschaften . Waren sie einmal zur Geltung gelangt , so trat auch zwischen denen , die sie führten , und den ursprünglich nach ihnen benannten Tieren eine mystische Verbindung ein . Daher stammen die totemistischen Riten und der totemistische Glaube , unter denen die Vermeidung des Totems eine Hauptrolle spielt , wodurch die tatsächlich schon vorhandene Exogamie eine Art von religiöser Sanktion erhielt . Da die Gewohnheit , Weiber von auswärtigen Banden zu nehmen , schon früher vorhanden war , so dauerte sie auch fort und führte zu gesetzten Fehden , bis etwa zwei mächtige Lokalgruppen der Kämpfe überdrüssig wurden und einen Bündnisvertrag und Konnubium beschlossen . So gelangten sie zur Begründung einer einzigen Lokalgruppe , innerhalb der aber zwei Phra - trien bestanden , hervorgegangen aus den beiden lichen Gruppen . Nahm man dann später noch andere Gruppen in den Stamm auf , so mußten diese sich einer der beiden primitiven Phratrien anschließen . Die Tatsache , daß die beiden Phratrien des Stammes niemals die gleichen Totem - clans in sich schließen , wird von Lang dadurch zu erklären versucht , daß die Clans später wieder nach wohlbedachter Gesetzgebung verteilt wurden , um die Ehen regulieren zu können . 
Eine Ausnahme bilden in vieler Beziehung die schen Arunta , denen ein besonderes Kapitel gewidmet ist . Einen breiten Raum nimmt auch die Frage der lichen Promiscuität ein , wobei die verschiedenen Theorien sprochen werden . Mit_ einer Kritik der Frazer sehen Theorie des Totemismus und Übersicht der amerikanischen Theorien schließt das Buch , das für die Aufklärung des fraglichen Gegenstandes gewiß viel neue Gesichtspunkte beibringt , ohne aber die Sache erschöpfen zu können . 
Kleine Nachrichten . 
Abdruck nur mit Quellenangabe gestattet . 
— Kritische Studien zur ältesten Geschichte der Chinarinde veröffentlicht Josef Rompel im Programm von Feldkirch , 1905 . Bedenkt man , daß der jährliche brauch an Chinasalzen seitens der gesamten Menschheit gegenwärtig etwa auf 260 bis 270 Tonnen angesetzt werden muß und immer steigt , und wohl kein anderes Ereignis in so hohem Grade dazu beigetragen hat , die Mängel des nismus , aber auch der Chemiatrie und Iatromechanik zu hüllen , wie die Einführung der Chinarinde , so sind diese Forschungen um so wertvoller , als wir eine gründliche schichte der Chinarinde im 17 . Jahrhundert nicht besitzen . 
Die Ausführungen des Verfassers lassen nun erkennen , daß der Prokurator in Lima , P . Bartolomé Tafur , mit der Rinde jedenfalls früher in Spanien anlangte , als Michael Beiger , der frühestens von 1640 an in Lima war , im günstigsten Falle in Brüssel ein treffen konnte . Ferner geht aus ihnen klar vor , daß die 1643 von dem Genter Arzt . H . van der Heyden veröffentlichte Empfehlung des Rindenpulvers nicht von der durch Tafur überbrachten Rinde abhängig sein kann . Die Schrift dieses Arztes setzt eine frühere Über - und Einführung der Rinde voraus . Man wird zunächst an den Vizekönig Grafen Chinchón , der 1641 mit «Rinde in Spanien eintraf , zu
	        
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