Brix Förster : Gibbons’ Forschungen in Britisch - Ostafrika .
239
wildromantisches Gepräge . Bald ging’s in lustigem Ritt durch schattige Pinienwäldchen , bald in langsamem Vorwärtskriechen durch dorniges Gestrüpp und holperige Geröllflächen , bald knapp am Ufer des mit Akazien gesäumten Baches , bald durch tiefen Sand dahin . Viele weiße Maabids , in dunkles Grün gebettet , hoben sich hübsch von ihrer Umgebung ab , während große Schaf - und Ziegenherden sowie den Maulwurfshügeln an Gestalt ähnliche Araberzelte die dichtere Bevölkerung des relativ fruchtbaren Landstriches erkennen ließen . Für ein ständiges Konzert sorgten großflügelige Mannazikaden , die in unermüdlichem Eifer vom Dickicht niedriger holderstauden aus ihr glockenreines Geschrei weithin erschallen ließen . Öfters unternahm ich zu zwecken kleine Abstecher ins Gebirge oder an den Fluß . Letzterer , zur Zeit meines Dortseins etwas wasserarm , bildete ein Eldorado für mächtige Wasserfrösche und Riesenkröten ; auch eine kleine Karpfenart bemerkte ich in seinen Altwassern . Da sein Gefälle sehr mäßig und seine Tiefe sehr gering war , konnte ich ihn an vielen Stellen durchreiten . Das Gebirge lieferte mir ebenfalls eine reiche Beute , namentlich an Insekten und Eidechsen .
Hierauf passierte ich noch mehrere kleine niederlassungen sowie die Oasen El - Macta und Tadjerouna , wo ich mich immer wieder ohne Mühe mit Proviant und Wasser versehen konnte . Öfter denn einmal im Tage war ich hier Gast in den primitiven Zelten nomadisierender Hirten , wenn ich auch den häufig an mich ergangenen
Einladungen nicht immer ohne Mißtrauen Folge leistete . Dazu veranlaßten mich sowohl die dunkeln , verwegen blitzenden Augen dieser Nomaden als auch ihre meidliche Pistole . Wie sich aber zeigte , waren nur ihre schäferhundähnlichen , großen und unglaublich bissigen Köter , die in Rotten bis zu 10 Stück die Zelte bewachten , gefährlich .
Endlich , nachdem die hohen Berge des großen gebirges längst hinter mir lagen und das Gelände wieder mehr den Charakter einer Wüstensteppe angenommen hatte , erreichte ich die Oase El - Mai'a , die am nördlichen Rande der Sahara gelegen ist . Die Vegetation stand hier hinter der der Gebirgsoasen selbstverständlich weit zurück ; die wichtigsten Bäume waren nur mehr Palmen , Tamarisken , Mimosen und Feigen , während Gemüse , wenigstens zur Zeit meiner Anwesenheit , überhaupt nicht zu erhalten war . Zwar an einem , vom 1940 m hohen DjebelTouila kommenden Flusse bzw . Flußbette gelegen , ist diese Oase keineswegs immer mit dem nötigen Naß versehen und hat bei der 7 bis 8 Monate anhaltenden Trockenheit sehr viel unter Wassermangel zu leiden . Wichtig ist sie als Station der großen , in die südliche Sahara ziehenden Karawanen . Weniger Esel und Pferde als vielmehr Kamele , die unentbehrlichen Begleiter des Wüstenreisenden , vertreten hier die Haustiere ; Hühner finden nur noch knapp die zu ihrem Gedeihen nötigen Lebensbedingungen und bestehen gleich ihren Besitzern nur noch aus Haut und Knochen . ( Schluß folgt . )
Gibbons’ Forschungen in Britisch - Ostafrika .
Das Guas Ngischu - Plateau , zwischen dem Berg Elgon und der Elgejogehirgskette in Britisch - Ostafrika gelegen , wurde zuerst 1883 von Thomson , dann 1890 von Lugard und später von MacDonald u . a . wiederholt durchzogen , doch nur in seinem südlichsten Teile , der in das Gebirgsland der Nandi übergeht . Eine wirkliche Erforschung des nördlichen und größeren schnittes unternahm von Januar bis März des Jahres 1905 der durch seine Beisen im Barotsereiche und im Kongo - Sambesiquellgebiet bekannte Major A . St . Hill Gibbons in Gemeinschaft mit dem deutschen Geologen Alfred Kaiser . Die Veranlassung hierzu hot der Auftrag des komitees , irgend eine Gegend in Britisch - Ostafrika ausfindig zu machen , die . sich zur Gründung einer Zionistenkolonie eignen würde . Über die geographischen und wirtschaftlichen Ergebnisse seiner Entdeckungsreise hielt Gibbons am 15 . nuar 1906 einen Vortrag in der Geographischen Gesellschaft in London , der im Märzhefte des Geographical Journal ( 1906 ) unter Beifügung einer Spezialkarte ( im Maßstahe von 1 : 750000 ) veröffentlicht worden ist .
Gibbons gelangte Anfang Januar auf der Ugandabahn nach der Station Nakuro und stieg von hier zwischen dem Elerohiberge und dem Kamasiagebirgsrücken hinauf zu dem Guas Ngischu - Plateau . Er verfolgte den Ostrand desselben längs des Abhanges des Elgejogebirges , wandte sich nach Nordwesten in die Ausläufer des Tschiptschangwane ( in das Quellgebiet des Nsoiafiusses ) , durchquerte nach Süden die Ebene östlich vom Berge Elgon bis zum Berge Kekupe und kehrte von hier in östlicher und dann südlicher Sichtung nach dem Ausgangspunkte seiner Boute zurück . Die von ihm entworfene Karte belehrt uns zum ersten Male über die breitmassige Gestaltung des Tschiptschangwane - Gebirgsstockes , dessen nach Süden vorgeschobene höchste Erhebung , der Tschiptscharagnani ( 3050 m ) , nicht wie bisher isoliert erscheint , sondern durch einen Bücken mit dem Elgejomassiv verbunden ist , wodurch die Hochfläche in ihrer Ausdehnung nach Norden eine merkliche Beschränkung erfährt . Außerdem wird durch Gibbons’ Mappierung in das Hügelgewirr zwischen dem Berge Kekupe und der Station Mumia auf den früheren Karten eine mehr der Wirklichkeit entsprechende orographische nung gebracht .
Das Guas Ngischu - Plateau hat einen Umfang von etwa 15 500 qkm und vom Elgejokamm ( 2440 m ) bis zum Puße des Elgon ( 1770 m ) eine Breite von nahezu 90 km ; es neigt sich nach einem ziemlich starken Abfall von der Kammhöhe in sanften Schwingungen von Ost nach West . Die liche Seehöhe beträgt 1830 m . Die meist leicht gewellte , im
Drittel hügelige Bodenfläche besteht aus rotem Laterit , doch streckenweise auch aus porösen Lavaschichten ; sie wird strömt von den schon im Quellgebiete reichlichen , frischen Gewässern des Nsoia und dessen mächtigem Zufluß Kubkong . Über 1000 qkm sind bedeckt mit ungemein dichten Urwäldern , bestehend aus Podocarpus und Zedern von 30 m Höhe ; längs des Elgejoabhanges ziehen sie sich in einer Breite von 12 bis 14 km hin . Das offene , freie Terrain ist Akaziensavanne und gutes Weideland ; nur in den niedrigsten Gründen und an wenigen Stellen trifft man auf fruchtbare Ackerkrume . Das Klima ist für europäische Ansiedelungen das günstigste und gesündeste in Ostafrika . In den wäi - msten Monaten steigt am Tage das Thermometer nicht über 24° C , und in der Nacht tritt eine Abkühlung bis auf 8° C , ja manchmal sogar bis auf 3° C ein . Infolge der Höhenlage und der heit tropisch - üppiger Blätterpflanzen existiert keine Plage von Moskitos und anderen dem Vieh verderblichen Insekten . Der Wildreichtum ist außerordentlich : SUauße , Antilopen , Zebras , Giraffen , Bhinozeros in der freien Ebene , Elefanten und Büffel in den Wäldern , Löwen sogar in dem Vorgebirge des Tschiptschangwane . Gegenwärtig ist Guas Ngischu vollkommen unbewohnt . Früher muß wohl ein unbekannter Negerstamm hier gehaust haben ; denn man findet noch vereinzelte , fallene , aus Steinen errichtete Wohnstätten . Nach lierbaren Überlieferungen brachen später einmal Masai vom Norden ein ; diese aber wurden etwa vor 30 bis 40 Jahren von den benachbarten Nandi vertrieben , die sich nach kurzer Zeit wieder in ihre Heimatberge zurückzogen .
Was nun die wirtschaftliche Bedeutung dieser an schaftlichen Schönheiten reichen , wundervoll abgeschlossen legenen und gänzlich unberührten Gegenden betrifft , so kann natürlich von keiner in den ersten Jahren , ja vielleicht zehnten lohnenden Erfolg versprechenden Besiedelung die Bede sein . Ackerbau in größerem Umfange und Kultur exportfähiger tropischer Produkte sind unmöglich ; es bleiben nur Viehzucht und Holzgewinnung ; beides kann ohne Zweifel in testem Maße betrieben werden . Aber zu beiden bedarf man , um lukrativen Absatz zu erlangen , geeigneter Verkehrsmittel und Verkehrswege . Letztere fehlen zurzeit gänzlich . Es müßten daher vor allem Straßen gebaut werden , und zwar entweder den Nsoiafluß entlang nach der Station Mumia und nach Port Elorence am Victoria Njansa oder — was sehr viel mehr Schwierigkeiten verursachen würde — über das Elgejogebirge nach Nakuro zur Ugandabahn . Das erheischt viel Zeit und noch viel mehr Geld ; das setzt bei den siedlern weitsichtigen Unternehmungsgeist , geduldiges , zähes Ausharren trotz jahrelanger Mißerfolge und eine nie müdende Kapitalkraft voraus , wenn nicht die englische