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R . Parkinson : S ] t . Mattjhias und die Inseln Kerne und Tench .
apparat verloren . Dieser enthält die Hauptbestandteile des mikronesischen Webestuhls , wenn auch in sehr roher und ursprünglicher Form . Daß wir hier einen Stamm vor uns hatten , der schon lange völlig von äußerem Einfluß isoliert gewesen , war mir sofort klar . Alles , was ich zu Gesicht bekam , war im höchsten Grade primitiv . Die Waffen bestanden ausschließlich aus etwa 4 bis 5 m langen Lanzen aus Kokosholz . Sie waren schwer und ungeschlacht , ohne alle Sorgfalt gearbeitet und roh gespitzt . Einige trugen am oberen Ende ein Stück Bambusrohr , worin der eigentliche Speer hineingeschoben war , was an die St . Matthiasspeere erinnerte . Irgend ein aufgelesener Knüttel und , wie bereits früher bemerkt , Korallensteine schienen daneben die einzigen Waffen zu sein .
Nach einem kurzen Gang erreichten wir das Dorf , gefolgt von der ganzen Bevölkerung . Es liegt dicht am Strande , durch einen schmalen Gestrüpp - und Baumrand gegen den Seewind geschützt . Es bildet eine lange Straße ; zu beiden Seiten von ihr liegen die höchst tiven Hütten der Eingeborenen , die , wie sich bei näherer Besichtigung herausstellte , nichts Wesentliches enthielten . Sie hatten im Inneren niedrige Schlafpritschen und Hängeborde zum Aufbewahren von Gegenständen . teristisch waren abgesondert stehende kleinere Hütten zum Aufbewahren der Speisen . Diese Hütten waren auf vier etwa mannshohen Pandanuspfählen errichtet , und das gebogene Dach war mit Pandanusmatten bedeckt . Um die dort auf bewahrten Speisevorräte gegen die reichen Ratten zu schützen , hatte man die Pfeiler mit breiten , glatten Pandanusblättern umwickelt . Diese Hütten erinnern an ähnliche Konstruktionen auf Matty und Durour , sowie auf den Palau - Inseln . Das einzige Gerät , das ich zu beobachten Gelegenheit hatte , war eine Tri - dacna - Axt , die ich gegen ein Messer eintauschte . Der Tausch schien dem Eigentümer nach kurzer Zeit jedoch leid zu tun , denn er versuchte wiederholt , in den Besitz seiner Axt zu kommen . Die Klinge war sehr roh , die Schneide rund und ohne alle Schärfe ; sie war mittels eines geflochtenen Bastringes mit dem knieförmigen Stiel bunden .
Zahlreiches Fischgerät in Gestalt von allerhand Netzen und Plamen lag in den Hütten herum , und auch Angelruten fanden Verwendung . Eigentümlich ist ein Angelgerät aus zwei elliptisch gebogenen Gerten , etwa so , daß der größte Durchmesser 50 cm , der kurze 25 cm beträgt . Dies Gerüst ist mit trockenen Blättern benäht und dient als Floß . Wenn nicht in Gebrauch , wird die Angelschnur der Länge nach über und um das Gerüst gewickelt , und den ganzen Apparat knotet sich der Fischer in seine Lockenperrücke , so daß er ihm über den Rücken herabhängt . Angelhaken schienen die Leute nicht zu haben ; an deren Stelle trugen die Angelschnüre am Ende zwei kleine , kreuzweise , scharf zugespitzte Holzsplitter , mit einem leichten Senker aus Korallenstein . Von Kanus waren auf der Insel etwa ein Dutzend vorhanden . Die meisten von ihnen waren kleine Fahrzeuge , für zwei bis drei Insassen berechnet ; nur ein größeres Boot war handen , in dem etwa zehn Personen Platz finden konnten , und dies war am Vorder - und Hintersteven durch einen vorspringenden Knauf verziert , der etwa die Gestalt eines Fischkopfes mit weit aufgerissenem Maule hatte . Alle Fahrzeuge waren einfache Einbäume , vorn und hinten zugespitzt , mit zwei Auslegern und einem an ihnen festigten Schwimmer .
Schmucksachen irgend welcher Art beobachtete ich nicht ; die von meinen Leuten ausgeteilten Trochusarm - ringe aus Neu - Mecklenburg schienen großen Beifall zu finden .
Ziernarben und Tätowierung waren anscheinend nicht vorhanden .
Die Aufstellung meines photographischen Apparates erregte erst einige Besorgnis , und es mußten abermals Perlen verteilt werden , um das sinkende Vertrauen neu zu befestigen . Dann gelang es mir nach einigen suchen , einige brauchbare Bilder herzustellen . Die auf den Inseln des Archipels so häufig vorkommende krankheit beobachtete ich in keinem einzigen Falle . Zwei ältere Männer waren an den unteren Extremitäten mit Elephantiasis behaftet , und einzelne Eingeborene hatten große , offene Beinwunden .
Mein Besuch hatte etwa zwei Stunden in Anspruch genommen , und da die kleine Insel nichts weiter von Interesse bot , hielt ich es für geraten , mich an Bord zu begeben . In guter Ordnung und ohne belästigt zu werden , gelangten wir an unsere Boote ; es war mir jedoch gefallen , daß die langen Lanzen sich bedenklich vermehrt hatten und daß man sich mit Knütteln bewaffnet hatte . Wir hatten uns bereits teilweise eingeschifft , und der mann verteilte am Strande noch an den uns folgenden Haufen aus einem Korbe alleidei Glasperlen , als man ihm plötzlich , als er sich über den auf dem Boden stehenden Korb bückte , einen schweren Knüttelschlag über die Schulter versetzte . Ein unweit davon stehender junge konnte glücklicherweise einen Schreckschuß abgeben , der sofort die ganze Gesellschaft in die Flucht trieb . Ich gab nun Befehl , schleunigst aufzubrechen , mußte jedoch noch einen gezwungenen Aufenthalt nehmen , da einer der mich begleitenden St . Matthias - Eingeborenen einen Speer ergriffen hatte und mit lautem Kampfgeschrei die flüchtende Bevölkerung verfolgte . Alles Zurückrufen war vergebens , und ich mußte daher den Bootsmann und zwei meiner Leute hinterherschicken , um den mutigen St . Matthias - Jüngling aus etwaigen Gefahren zu erretten . Als der fliehende Haufe sich versichert hatte , daß die Verfolgung nicht von meiner ganzen deckung ausgeführt wurde , machte er Halt , und ein Hagel von Steingeschossen flog den Verfolgern entgegen . Der tapfere St . Matthias - Junge wurde dadurch in seinem Eifer etwas abgekühlt , und alle zogen sich schleunigst nach den Booten zurück , nun aber energisch von den Insulanern verfolgt . Ich mußte dann noch schließlich eine Anzahl Schreckschüsse abgeben , um die Angreifer in sicherer Entfernung zu halten , bis wir uns alle eingeschifft hatten . Kaum waren wir über die Brandung hinaus , so sammelte sich auch der ganze Haufe am Strande , schickte uns einen harmlosen Regen von Steinen nach und setzte sich dann mit der größten Seelenruhe im Sande nieder , um unsere weitere Einschiffung an Bord des Schoners zu beobachten .
Der Verkehr dieser Eingeborenen mit Weißen , d . h . mit vorbeipassierenden Schiffen , muß sehr beschränkt sein . Das einzige Eisen , das mir zu Gesicht kam , war ein schon stark abgeschliffener dicker Schiffsnagel , den man geschärft hatte und als Axt verwendete . Ich darf mit ziemlicher Sicherheit annehmen , daß vor uns kein Weißer die kleine Insel betreten hat . Da die Inseln iiichts bieten , wodurch der Tauschhandel angebahnt werden könnte , so wird so leicht wohl kein Weißer sich hier jemals niederlassen , um so weniger , als die kleine Insel kaum groß genug erscheint , um die darauf wohnende rung zu unterhalten .
Bei der gänzlichen Unkenntnis der Sprache war es mir nicht möglich , den Namen der Insel zu erfahren . Der auf den Karten verzeichnete Name „ Squally“ ( mische Insel ) ist jedoch nachweisbar falsch , da Dampier diese Insel nicht gesichtet haben kann . Es wäre daher richtiger , wenn man bis auf weiteres den Namen Tench -