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Volltext: Globus, 87.1905

H . Seidel : Togo im Jahre 1904 . 
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wir zu retten , mußten vielmehr zu den großen Opfern des Samoavertrages noch ein weiteres hinzufügen , ohne daß uns dafür das so di'ingend notwendige Voltadreieck mit der Ivetalagune zugestanden wäre . Ich habe schon im vorigen Bericht auf die Mißstände verwiesen , die unserem Handel aus diesem unglücklichen Grenzverlauf erwachsen . Leider hat sich das Übel bisher keineswegs behoben ; ja die Klagen darüber dürften in Zukunft nur noch lauter erschallen , da unsere Regierung zum 30 . April vorigen Jahres das so lange gültige Zollabkommen mit England gekündigt hat . Auf Grund einer Stipulation vom 24 . Februar 1904 war nämlich das englische Voltadreieck mit Togo zu einem einheitlichen Zollgebiet verbunden worden . Den Nutzen davon hatten aber , wie selbst die letzte „ Denkschrift über die Entwickelung der deutschen Schutzgebiete“ offen zugibt , lediglich die britischen Plätze Denu und Keta , die bei ihrer günstigen Lage einen heblichen Teil der Exportgüter Togos zollfrei an sich zogen . 
Mittlerweile war nun das Projekt der Eisenbahn von Lome nach Palime spruchreif geworden , und man mußte daran denken , die Mittel zur Verzinsung und tisation des Baukapitals bereit zu stellen . Nach Äußerung der „ Denkschrift“ haben deshalb die in Togo ansässigen Firmen selber eine Erhöhung der Zollsätze vorgeschlagen , die fortan das Doppelte oder 10 Proz . ad valorem tragen sollen . Um diesen Plan durchzuführen , mußte natürlich das erwähnte Zollabkommen fallen . Das dingt zunächst gewisse Nachteile für England ; trotzdem hat sich letzteres zu einer „ Erneuerung der Zollunion auf einer den Bedürfnissen Togos in finanzieller und wirtschaftlicher Beziehung besser entsprechenden Basis“ noch nicht bereit finden lassen . Es kennt unsere ferse zu genau und weiß , daß uns aus der Bewachung der „ sehr komplizierten Grenze“ gar vielerlei nehmlichkeiten und Kosten erwachsen werden . Das zeigt sich bereits im „ Etat“ für 1905 , der bei den „ Ausgaben“ unter Titel 5b für „ Zollaufseher und Grenzwächter“ ein Plus von 32 000 M . vorsieht . Dafür sollen nach den „ Erläuterungen“ ein farbiger Zollassistent , zwei fai’bige Zollaufseher und 45 farbige Grenzwächter angestellt werden . Da die letzteren außerdem zu bekleiden und auszurüsten sind , und da ferner „ durch das unbedingt erforderliche häufige Patrouillieren“ des farbigen sonals „ noch besondere Unkosten durch Gewährung von Zuschüssen und Tagegeldern erwachsen werden , so scheint die Mehrforderung knapp ausreichend“ . 
Die vorstehenden Sätze dürften den „ Wert“ der schen Nachbarschaft wieder einmal in richtiger tung zeigen . Es ist darum sehr zu billigen , daß unsere Regierung die Zollunion nur dann aufleben lassen will , wenn sich für uns gleichzeitig eine Vereinbarung „ über die Freiheit des Verkehrs auf dem Voltaflusse , sowie von dem einen nach dem anderen Voltaufer erzielen läßt“ . Auch hierin waren uns bisher die Hände gebunden ; denn die Grenze , so weit sie wirklich dem Volta entlang läuft , folgt nicht etwa dem mittleren Stromstrich , sondern fällt mit der deutschen Uferseite zusammen und sperrt uns damit vom Wasser völlig ab . Die englischen Händler und Schmuggler haben aus dieser Sachlage allerlei Nutzen zu ziehen gewußt , ohne daß unsere Stationen in Kete - Kratschi und Kpando den Übergriffen ernstlich zu steuern vermochten , selbst wenn die Leiter gelegentlich eine recht deutliche Sprache redeten . Ich kenne z . B . einen Anschlag , der geraume Zeit auf einer Station zu lesen war , und der über die Absichten des damaligen Befehlshabers jeden Zweifel ausschloß . 
An der Westgrenze , nördlich vom Schnittpunkt des Lakä - Daka mit dem neunten Parallel , sollen jetzt 
mählich die Grenzpfeiler gesetzt werden , sofern nicht eine natürliche Scheide vorhanden ist . Auch der südliche Teil der Westgrenze von der Küste bis zur Mündung des Dayi in den Volta wird Zeichen erhalten . Für die kleine Strecke , die hier noch streitig ist , beabsichtigen die seitigen Regierungen eine genaue Vermessung nehmen . Togo ist dann ein allseitig fest umrandetes Gebiet , das nicht nur bis Misahöh oder Atakpame , dern bis weit in den Sudan hinaufreicht , wo deutsche Stationen mit Offizieren , Assistenten und Soldatentrupps für Ruhe und Ordnung , Forschungsarbeiten , aufnahmen und kulturelle Werke zu sorgen haben . Über das alles wird leider seit Jahren weder in den „ schriften“ , noch im „ Kolonialblatt“ kaum eine Zeile sagt . Kein Abgeordneter vermag sich zu informieren , wie es da oben zugeht , was man dort leistet , und was die Stationem im einzelnen kosten . Nur der „ Etat“ gibt uns etliche Winke , die man sich allerdings aus den schiedensten „ Positionen“ heraussuchen muß . Etwas findet man sogar noch immer in der „ Denkschrift über die Verwendung des Afrikafonds“ , wo für die „ Forschungsstationen“ Sansanne - Mangu und Sokode statt der in meinem vorigen Berichte erwähnten 76000 Mark nunmehr 88540 M . als „ Restausgaben“ gestellt sind . Für 1904 ist zwar ein solcher Posten nicht mehr vorgesehen ; der Anschlag ist indes nur ein provisorischer , soweit sich die Kosten bis jetzt übersehen lassen . Es kann also geschehen , daß in der nächsten „ Denkschrift“ die „ Forschungsstationen“ mals auftauchen . Das wäre indes ungemein lich , weil der neue „ Etat“ den Titel „ Stationen“ bereits in einen anderen umgewandelt hat , nämlich in „ bezirke“ , und erklärend hinzufügt , daß dies der wickelung der Verhältnisse besser entspreche , zumal die Verwaltung mehrerer Stationen gegenwärtig beinahe ebensoweit ausgestaltet sei wie diejenige der bezirke . Unter solchen Umständen ist die keit der amtlichen Organe doppelt zu beklagen ; denn sie beraubt nicht nur den Kolonialfreund , sondern auch den maßgebenden Reichsboten , der das Geld bewilligen soll , des Genusses , die angedeuteten Fortschritte entsprechend zu verfolgen und sein Urteil danach zu bilden . 
Die Produktion Togos hat im letzten und vorletzten Jahre ziemlich gelitten , da das Schutzgebiet durch eine erfahrungsgemäß in gewissen Intervallen wiederkehrende Trockenheit heimgesucht wurde . Am empfindlichsten machte sich dies für 1903 geltend , so daß der ansatz und damit der Ertrag der Olpalmen bedeutend hinter dem Durchschnitt zurückblieb . Erst im Oktober und November traten reichliche Niederschläge ein , denen von März 1904 ab eine ergiebige Regenzeit folgte , welche die Schäden einigermaßen ausglich . Der Regenfall an der Küste betrug für 1903 nicht mehr als 557 mm gegen 870 mm im Jahre 1901 . Ähnliche Differenzen wurden auch im Innern verspürt , z . B . in Sokode , das nur 1170 mm Regen hatte statt der 1433 und 1565 mm in den beiden Vorjahren . Dementsprechend ging natürlich der Export , besonders in den Haupterzeugnissen Palmöl und kernen , erheblich zurück , wie dies aus folgender Tabelle sichtbar wird . 
Ausfuhr 
Palmkerne 
Palmöl 
Menge 
in 
Kilogramm 
Wert 
in 
Mark 
Menge 
in 
Kilogramm 
Wert 
in 
Mark 
1901 
7 755 841 
1798370 
2997628 
1484 738 
1902 
9 443 372 
1721441 
2973231 
1031152 
1903 
4830986 
818051 
1025 340 
405145
	        
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