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Volltext: Globus, 65.1894

Brix Förster: Die Grenzverhältnisse in Sierra Leone nnd die Sofas. 
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Sehr entwickelt ist das Stilgefühl der Bataks, und ihre 
Ornamente und Schmucksachen oder Kleiderstoffe 
zeigen schöne Muster. Das Weih, welches die Stoffe 
webt, färbt sie auch und das einfache Kleid (Hapit) 
ist blau, schwarz und rot in geschmackvollem Ornament. 
Schmuck aus Gold und Silber, mit den einfachsten Werk 
zeugen hergestellt, erregt die Bewunderung aller Europäer, 
die Malerei und Schnitzerei an den Häusern zeigt eine 
überraschende Fülle von Ornamenten meist mit geome 
trischen und pflanzlichen Motiven; Figuren werden 
stilisiert. Wirkungsvoll kommen Schnitzereien an 
den Hauspfosten und Giebeln zur Verwendung, und seihst 
ornamentierte Steinsäulen hat Herr v. Brenner auf der 
Toha-Insel gefunden. Ganz untergeordnet ist dagegen 
auffallenderweise die Töpferei, die ohne Drehscheibe 
aus freier Hand geübt wird. 
Der Batak ist Ackerbauer und der Reis, daneben 
der Mais, ist seine Hauptfrucht. Arbeiter sind die 
Frauen, welche den Feldbau mit guten Geräten vorzüg 
lich betreiben. Dafs der Pflug nach Kamen und Sache 
indischen Ursprungs ist, wurde schon erwähnt; vortreff 
lich gedeiht die Pferdezucht. Jagd und Fischfang spielen 
eine untergeordnete Rolle. Der Wachtelfang wird mit 
Hunden betrieben, welche die Vögel aufjagen, die der | 
Jäger in einer Art Netz an langer Stange dann einfängt. 
Für Affen hat man eigene Fallen und die selbstthätigen 
Fischangeln der Bataks beruhen genau auf dem Principe, 
wie es Ehrenreich bei brasilianischen Indianern fand. 
Die höchste Stufe aber haben die Bataks in ihrer 
Schrift erklommen, welche Gemeingut der ganzen Be 
völkerung ist. Wohl haben sie, die unverbesserlichen 
Anthropophagen, dieselbe von den Hindus überkommen, 
aber sie haben sie ihren Bedürfnissen entsprechend um 
gestaltet und ihr ein charakteristisches Gepräge gegeben. 
Sie besteht aus Lautzeichen, die, wenn mit schwarzer 
Farbe gesclmeben, von links nach rechts gesetzt werden; 
ritzt man sie mit dem Messer in Bambus, so stehen sie 
von oben nach unten. Es fehlt nicht an Gedichten, deren 
der Verf. einige mitteilt; sie sind teils erotischen, teils 
trivialen Inhaltes, wie folgende Proben zeigen mögen: 
Pflanze Blumen an, 
Zum Acker führt der steile Weg; 
Lafs uns kosen, 
So lange du noch ledig bist. 
Ich singe von der Kalkdose, 
Sie trägt das Bild des Kammes. 
Ich singe von der Hand, 
Die Hand verlor im Spiele. 
Die Grrenzverliältnisse in Sierra Leone und die Sofas. 
Von Brix Förster. 
Bei den Kämpfen der Europäer mit afrikanischen 
Stämmen wird, wie überall, an der völkerrechtlichen 
Regel festgehalten, selbst bei Verfolgung eines gemein 
samen Feindes die Grenze des benachbarten Kolonial 
gebietes nicht zu überschreiten. Das ist eine leichte 
Sache, wenn die Grenzen natürliche sind, wie Gewässer 
oder Gebirgszüge. Allein in Afrika hat die europäische 
Diplomatie es verstanden, oft Grenzlinien zu ziehen, 
welche nicht mit dem Blicke direkt zu erkennen, sondern 
nur mit Hilfe des Theodolit oder Kompasses ausfindig 
zu machen sind. So folgt die Grenze der englischen 
Kolonie Gambia, eingekeilt in den südlichen Teil von 
Senegambien, auf 10 km Entfernung beiden Ufern des 
Gambiaflusses entlang; trotzdem waren die Franzosen 
höchst ungehalten, als vor einigen Jahren die Engländer 
in dem Streifzuge gegen den Häuptling Fodey Cabbah 
unbewufst ein paar Stunden in das Nachbargebiet hin 
einmarschierten. Bei Regulierung der Grenzen zwischen 
Sierra Le.one und den französischen Gebieten in Rivières 
du Sud (jetzt Guinée française), Futa Djallon und 
Samorys Reich ging man rationeller zu Werke x ). 
Im Jahre 1882 bestimmte man den grofsen Scarcies- 
flufs als Scheidelinie. Als die Machtsphäre beider Staaten 
weiter nach dem Inneren vorrückte, trennte man land 
schaftsweise; im Vertrage von 1889 erklärte man Benna, 
Tamisso und Hubu für französisch; Tambakka, Talla und 
Sulima (oder Sulumania) für englisch. Da aber Hubu 
zu weit nach Südwesten, anderseits Sulima zu weit nach 
Nordosten reicht, sah man sich doch wieder genötigt, 
die natürlichen Grenzen durch eine ideale Grenzmarke 
abzuschliefsen, und man bezeichnete den vom 10° nördl. 
Br. mit dem 10° 40' westl. L. Gr. gebildeten Winkel 
als Sclilufsabgrenzung. Bei dem Mangel von Karten in 
gröfserem Mafsstabe und bei der noch bestehenden Un- 1 
1 ) Zur Orientierung über die betreffenden Örtlichkeiten 
und die Terraingestaltuug dient am besten Hassensteins 
Karte in Peterm. Mitteil. 1880, Tafel 12; in Perthes Afrika 
karte, Blatt 4 (1892) sind die neuesten Grenzen genau ein 
gezeichnet. 
genauigkeit astronomischer Ortsbestimmungen konnte es 
nicht fehlen, dafs gelegentlich kriegerischer Unter 
nehmungen Irrtümer begangen und die Grenzen ver 
letzt wurden. So besetzten im Februar 1893 die Fran 
zosen Erimankano (westlich von Falaba), weil es zu der 
ihnen gehörigen Landschaft Hubu zu rechnen sei; die 
Engländer protestierten dagegen, weil es westlich des 
10° 40' westl. L. Gr. läge. 
Nach der Vertreibung des Almamy Samory (oder 
Samadu) vom oberen Niger (Djoliba) durch die Fran 
zosen (1891/92) stellte sich die Notwendigkeit einer 
Grenzregulierung auch im Osten heraus. Das Resultat 
war der englisch-französische Vertrag vom 26. Juni 1892 
(vergl. Bulletin du Comité de l’Afrique Française 1892, 
Nr. 7). Man ging von dem oben erwähnten Schnitt 
punkte des 10° nördl. Br. mit 10° 40' westl. L. Gr. aus 
und vereinigte sich dahin, dafs dieser Meridian bis nach 
Liberia die Grenzlinie bilden sollte. Das war eine glück 
liche Wahl; denn nahezu genau mit ihm verläuft der 
Kamm der Wasserscheide des Djoliba von Norden nach 
Süden. Überdies wurde ausdrücklich in dem Überein 
kommen betont, dafs „die Gestaltung des Terrains und 
Lokalverhältnisse in Rechnung gezogen werden müfsten, 
und deshalb ein Abbiegen nach West oder Ost von der 
idealen Linie gestattet sein sollte“. 
Die Grenzregulierungskommission hatte, soviel mir be 
kannt, die schwierige Arbeit noch nicht vollendet , als 
der französische Leutnant Maritz Ende Dezember 1893 
mit einer Truppenabteilung in Tembi Cundu (zwischen 
Nelia bei den Nigerquellen und dem Berge Daro) er 
schien. Dafs er sich hier noch auf französischem Terri 
torium befand, ist klar ; aber ebenso unumstöfslich ge 
wiss mufste er sein, dafs er mit jedem Schritte weiter 
nach Westen Gefahr lief, in die englische Interessen 
sphäre zu geraten ; als er es that und am 23. Dezember 
1893 das Lager der vermeintlichen Sofas (in Wirklich 
keit das des englischen Kapitäns Lendy) bei Warina 
überfiel, bestimmte ihn, wie jetzt zweifellos feststeht, 
nur die Absicht, in Kooperation mit den Engländern
	        
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