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Joachim von Brenners Eeise durch die Batakländer.
aber auch abweichende Erscheinungen her: dunklere Leute
im Norden der Toba-Insel, welche erzählten, sie stammten
von Ostindien. Hier scheint dravidische Beimischung
stattgefunden zu haben und Herr v. Brenner weist auch
auf Hindus hin. Sicher ist, dafs die Kultur der Bataks
viel Indisches aufweist: da ist der Pflug, dessen Name
dem Sanskritischen entspricht; aufserdem eine Reihe be
deutsamer Kulturpflanzen, der Name des Pferdes ist
liindostanisch, der Schmied ist
„der Kundige“ (batak perpan-
den, sanskrit panda, das Wissen)
und so fort.
Was noch den Körper der
Bataks anbetrifft, so erwähnt
der Yerf. ausführlich die Ver
unstaltungen derselben; am
auffallendsten werden die Zähne
mifshandelt, welche zerstückelt
und gefärbt werden. Es kommt
vor Abtragen der oberen
Schneidezähne bis zur halben
Länge und im Unterkiefer bis
aufs Zahnfleisch, was mit Hilfe
von Hammer und Meifsel ge
schieht. Dann wird der natür
lichen konvexen Oberfläche der
Schneidezahnreste eine koncave
Form gegeben, und schliefslich
schwärzt man die Stummel mit
schwarzem Firnis. Vornehme
Bataks vergolden auch die Zahn
reste. Von den übrigen Körper
verstümmelungen heben wir die
Beschneidung der 9 bis 11 jäh
rigen Knaben hervor. Es ist eine incisio des Präputiums,
die der betreffende selbst mit Bambusmessern ausführt.
In geistiger Beziehung stellt Herr v. Brenner
die Bataks ziemlich hoch. Die Männer sind intelligent,
aber faul, spielsüchtig, starrköpfig, mifs-
trauisch, grausam, doch mit einer Zuthat
von Gutmütigkeit und ritterlichem Sinne.
Ausgezeichnet ist die Liebe zur Familie
und Heimat. Krüppel sind selten, Kröpfe
häufig, Syphilis ist neuerdings einge
schleppt, doch haben die Bataks aus
dem heimischen Arzneischatze ein Mittel
dagegen gefunden. Auch kennen sie,
wie viele malayo-polynesische Völker, die
Massage.
Die Bataks zerfallen in fünf Haupt-
und zahlreicheUnterstämme. Die ersten
sind die Karo, Toba, Timor, Raja und Pak-
Pak, und von diesen sind die vier letzteren
unzweifelhaft arge Menschenfresser.
Wenn auch der Verf. nicht so fürchter
liche Scenen zu schildern vermag, wie
sie Junghuhn erzählt, so ist doch noch
schlimm genug, was er mitteilt. Bei den
Pak-Pak wird der Körper, nachdem der
Kopf abgeschlagen ist, regelrecht zerlegt.
Der Schädel dient als Trophäe und das
ganze ist ein Akt der Rache oder auch ein Justizakt, da
das Auffressen des Verbrechers als Strafe dient.
Auf einer verhältnismäfsig kurzen Reise in die
religiösen Vorstellungen eines fremden Volkes
einzudringen, ist eine schwierige, wenn nicht unmögliche
Sache. Daher ist der betreffende Abschnitt im vor
liegenden Werke auch kurz. „Von einer Religion im
engeren Sinne kann bei den Bataks nicht die Rede sein,
Hapit von der Tobäinsel.
Geschnitzte Säulenverzierung
von Nepori.
auch kennen sie weder Tempel noch Gottesdienst und
daher auch eigentlich keine Priester.“ Das höchste
Wesen, Debata, wird mit einem Sanskritwort bezeichnet.
Aus dem Gebiete des Animismus und Aberglaubens teilt
He'rr v. Brenner viele belangreiche Züge mit. Ausführ
lich werden Krankheit und Tod besprochen, wobei nach
Art der meisten Naturvölker die Zauberer, Guru oder
Datu, ihr Wesen treiben. Die Bestattung findet
unter vielen Bräuchen auf ver
schiedene Art statt. Der Leich
nam wird in einem geschnitzten
Baumsarge (oft in Bootform)
beigesetzt und erhält Grabbei
gaben, unter denen eine Toten-
münze die auffallendste ist. Je
nach dem Reichtume des Toten
wird ihm ein Gold- oder Kupfer
stück in den Mund gelegt,
„damit er nicht wiederkehre
und die Hinterbliebenen be
lästige.“ Gesonderte Begräbnis
plätze giebt es nicht. Vor der
Beisetzung wird der Sarg noch
mals geöffnet und der Tote an
geredet: „Siehe jetzt die Sonne
noch einmal an, dann sei stille
und verlange nicht mehr nach
uns.“ Aufser dem Begräbnisse
findet (namentlich bei den Karo)
Leichenverbrennung statt und
in Pernambejn hängt man die
Leichen in Matten an Ge-
stellen auf. Die Häuptlinge
werden meistens in solide ge
bauten T otenhäuschen (Griting) beigesetzt, welche
getreue Kopien der Wohnhäuser sind. Was die Seele
betrifft, so begnügen sich die Bataks nicht mit einer,
sondern nennen deren sieben ihr eigen, von denen eine
im Körper wohnt, während sechs aufser-
halb umherschweifen.
Ausführlich sind die Nachrichten über
das Familienleben mitgeteilt. Nicht
ganz ohne Neigung werden die Ehen
geschlossen, aber die Frau wird gekauft;
Polygamie ist statthaft. Der Mann ist
unumschränkter Herrscher und die Frau
Sklavin. Exogamie ist Regel und Blut
verwandtschaft selbst in entfernten Gra
den bildet ein Ehehindernis. Aus dem
reichen Abschnitte über Sitten und Ge
bräuche wollen wir zunächst auf die
Titulaturen hinweisen, in denen wir
Europäer gegen die Bataks entschieden
zurück sind. Verschieden sind die An
sprachen für ältere und jüngere Freunde,
für ältere und jüngere Frauen, der
Männer untereinander und der Frauen
untereinander, je nach dem Verwandt-,
schaftsgrade. Das Verzeichnis dieser Titu
laturen umfafst bei Brenner anderthalb
Seiten.
Auf die Jungfrauenschaft wird kein Wert gelegt, wie
bei vielen Völkern. Keuschheit der Frau tritt erst in
der Ehe ein, wenn sie Besitz eines Einzelnen ist. Der
Kufs ist unbekannt, der Selbstmord kommt, namentlich
bei Frauen, vor und gilt nicht als Schande, sondern als
durch einen bösen Geist verursacht. Das Schamgefühl
ist eigenartig entwickelt : die Frau zeigt das Bein nicht,
wohl aber trägt sie den Oberkörper entblöfst.