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Volltext: Globus, 65.1894

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Joachim von Brenners Eeise durch die Batakländer. 
aber auch abweichende Erscheinungen her: dunklere Leute 
im Norden der Toba-Insel, welche erzählten, sie stammten 
von Ostindien. Hier scheint dravidische Beimischung 
stattgefunden zu haben und Herr v. Brenner weist auch 
auf Hindus hin. Sicher ist, dafs die Kultur der Bataks 
viel Indisches aufweist: da ist der Pflug, dessen Name 
dem Sanskritischen entspricht; aufserdem eine Reihe be 
deutsamer Kulturpflanzen, der Name des Pferdes ist 
liindostanisch, der Schmied ist 
„der Kundige“ (batak perpan- 
den, sanskrit panda, das Wissen) 
und so fort. 
Was noch den Körper der 
Bataks anbetrifft, so erwähnt 
der Yerf. ausführlich die Ver 
unstaltungen derselben; am 
auffallendsten werden die Zähne 
mifshandelt, welche zerstückelt 
und gefärbt werden. Es kommt 
vor Abtragen der oberen 
Schneidezähne bis zur halben 
Länge und im Unterkiefer bis 
aufs Zahnfleisch, was mit Hilfe 
von Hammer und Meifsel ge 
schieht. Dann wird der natür 
lichen konvexen Oberfläche der 
Schneidezahnreste eine koncave 
Form gegeben, und schliefslich 
schwärzt man die Stummel mit 
schwarzem Firnis. Vornehme 
Bataks vergolden auch die Zahn 
reste. Von den übrigen Körper 
verstümmelungen heben wir die 
Beschneidung der 9 bis 11 jäh 
rigen Knaben hervor. Es ist eine incisio des Präputiums, 
die der betreffende selbst mit Bambusmessern ausführt. 
In geistiger Beziehung stellt Herr v. Brenner 
die Bataks ziemlich hoch. Die Männer sind intelligent, 
aber faul, spielsüchtig, starrköpfig, mifs- 
trauisch, grausam, doch mit einer Zuthat 
von Gutmütigkeit und ritterlichem Sinne. 
Ausgezeichnet ist die Liebe zur Familie 
und Heimat. Krüppel sind selten, Kröpfe 
häufig, Syphilis ist neuerdings einge 
schleppt, doch haben die Bataks aus 
dem heimischen Arzneischatze ein Mittel 
dagegen gefunden. Auch kennen sie, 
wie viele malayo-polynesische Völker, die 
Massage. 
Die Bataks zerfallen in fünf Haupt- 
und zahlreicheUnterstämme. Die ersten 
sind die Karo, Toba, Timor, Raja und Pak- 
Pak, und von diesen sind die vier letzteren 
unzweifelhaft arge Menschenfresser. 
Wenn auch der Verf. nicht so fürchter 
liche Scenen zu schildern vermag, wie 
sie Junghuhn erzählt, so ist doch noch 
schlimm genug, was er mitteilt. Bei den 
Pak-Pak wird der Körper, nachdem der 
Kopf abgeschlagen ist, regelrecht zerlegt. 
Der Schädel dient als Trophäe und das 
ganze ist ein Akt der Rache oder auch ein Justizakt, da 
das Auffressen des Verbrechers als Strafe dient. 
Auf einer verhältnismäfsig kurzen Reise in die 
religiösen Vorstellungen eines fremden Volkes 
einzudringen, ist eine schwierige, wenn nicht unmögliche 
Sache. Daher ist der betreffende Abschnitt im vor 
liegenden Werke auch kurz. „Von einer Religion im 
engeren Sinne kann bei den Bataks nicht die Rede sein, 
Hapit von der Tobäinsel. 
Geschnitzte Säulenverzierung 
von Nepori. 
auch kennen sie weder Tempel noch Gottesdienst und 
daher auch eigentlich keine Priester.“ Das höchste 
Wesen, Debata, wird mit einem Sanskritwort bezeichnet. 
Aus dem Gebiete des Animismus und Aberglaubens teilt 
He'rr v. Brenner viele belangreiche Züge mit. Ausführ 
lich werden Krankheit und Tod besprochen, wobei nach 
Art der meisten Naturvölker die Zauberer, Guru oder 
Datu, ihr Wesen treiben. Die Bestattung findet 
unter vielen Bräuchen auf ver 
schiedene Art statt. Der Leich 
nam wird in einem geschnitzten 
Baumsarge (oft in Bootform) 
beigesetzt und erhält Grabbei 
gaben, unter denen eine Toten- 
münze die auffallendste ist. Je 
nach dem Reichtume des Toten 
wird ihm ein Gold- oder Kupfer 
stück in den Mund gelegt, 
„damit er nicht wiederkehre 
und die Hinterbliebenen be 
lästige.“ Gesonderte Begräbnis 
plätze giebt es nicht. Vor der 
Beisetzung wird der Sarg noch 
mals geöffnet und der Tote an 
geredet: „Siehe jetzt die Sonne 
noch einmal an, dann sei stille 
und verlange nicht mehr nach 
uns.“ Aufser dem Begräbnisse 
findet (namentlich bei den Karo) 
Leichenverbrennung statt und 
in Pernambejn hängt man die 
Leichen in Matten an Ge- 
stellen auf. Die Häuptlinge 
werden meistens in solide ge 
bauten T otenhäuschen (Griting) beigesetzt, welche 
getreue Kopien der Wohnhäuser sind. Was die Seele 
betrifft, so begnügen sich die Bataks nicht mit einer, 
sondern nennen deren sieben ihr eigen, von denen eine 
im Körper wohnt, während sechs aufser- 
halb umherschweifen. 
Ausführlich sind die Nachrichten über 
das Familienleben mitgeteilt. Nicht 
ganz ohne Neigung werden die Ehen 
geschlossen, aber die Frau wird gekauft; 
Polygamie ist statthaft. Der Mann ist 
unumschränkter Herrscher und die Frau 
Sklavin. Exogamie ist Regel und Blut 
verwandtschaft selbst in entfernten Gra 
den bildet ein Ehehindernis. Aus dem 
reichen Abschnitte über Sitten und Ge 
bräuche wollen wir zunächst auf die 
Titulaturen hinweisen, in denen wir 
Europäer gegen die Bataks entschieden 
zurück sind. Verschieden sind die An 
sprachen für ältere und jüngere Freunde, 
für ältere und jüngere Frauen, der 
Männer untereinander und der Frauen 
untereinander, je nach dem Verwandt-, 
schaftsgrade. Das Verzeichnis dieser Titu 
laturen umfafst bei Brenner anderthalb 
Seiten. 
Auf die Jungfrauenschaft wird kein Wert gelegt, wie 
bei vielen Völkern. Keuschheit der Frau tritt erst in 
der Ehe ein, wenn sie Besitz eines Einzelnen ist. Der 
Kufs ist unbekannt, der Selbstmord kommt, namentlich 
bei Frauen, vor und gilt nicht als Schande, sondern als 
durch einen bösen Geist verursacht. Das Schamgefühl 
ist eigenartig entwickelt : die Frau zeigt das Bein nicht, 
wohl aber trägt sie den Oberkörper entblöfst.
	        
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