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Joachim von Brenners Reise durch die Batakländer.
gelang, einen 13m langen Einbaum zur Fahrt über den
See zu mieten, der, mit 26 batakischen Ruderern be
mannt, die Reisenden zunächst nach der Insel brachte.
Hier herrschten die unsichersten Verhältnisse, so dafs
die Einwohner von einem Tag auf den andern ihrer
Freiheit und ihres Lebens nicht sicher waren. Krieg,
See- und Menschenraub waren an der Tagesordnung.
In Ambarita, auf der Toba-Insel, wurde das Herz der
geheimnisvollen Bataklande betreten. Der Ort, dessen
Wall mit Stein und mit dichtem Bambus umkleidet war,
Iv ar o-Batak-Männer.
zeigte die charakteristischen batakschen Giebelhäuser.
Der Empfang war ein feindlicher und Herr v. Brenner
hatte das Gefühl, sich in einer Räuberhöhle zu befinden,
in welcher er nur geduldet wurde, um ausgenutzt zu
werden. Aber es sollte noch schlimmer kommen. In
dem Orte Sontong auf der Insel ruderte sein Fahrzeug
davon, während er am Lande war und nur durch ein
Wunder entging er dem Ermorden und Auffressen. Es
ist eine lange und spannende Geschichte, die uns hier
erzählt wird; sie endigt aber damit, dafs es dem Reisenden
gelang, seine Fahrt über den See fortsetzen und am
21. April Laguboti auf holländischem Gebiete erreichen
zu können.
Diese hier kurz skizzierte Reise hat nun das vortreff
liche Material zu dem vorliegenden Werke geliefert,
dessen zusammenfassende Kapitel die Geographie und
Ethnographie der Bataklande behandeln.
Die heute noch von den Niederländern unabhängigen
Bataklande liegen zwischen 98° und 99° 35' östl. Länge
und 2° und 3° 25' nördl. Breite. Ihr Flächeninhalt läfst
sich nicht genau feststellen, dürfte aber wohl 6000 qkm
nicht viel überschreiten. Die Einwohnerzahl hat Herr
v. Brenner auf 262000 berechnet, wonach auf 1 qkm
ungefähr 42 Einwohner entfallen. Die im einzelnen
nicht genau festzustellenden Grenzen sind vielfach durch
mächtige, wilde Gebirgszüge bezeichnet, die das Land
wie eine mächtige Festungsmauer umgeben und von der
Aufsenwelt abschliefsen. Aus ihnen ragen einzelne
stolze Kuppen empor, unter welchen in der Nordkette
der Baros mit 1950 m die höchste ist. Die Pässe dieses
Gebirges sind eigentlich nur unwegsame Schluchten.
Das Land selbst bildet eine Hochebene, dessen Durch
schnittsniveau 1250m beträgt; es zeichnet sich durch
ausgesprochenen vulkanischen Charakter aus, indem
häufig Hügel und Berge vereinzelt aus der Ebene auf
wachsen und schon durch ihre Gestalt verraten, dafs sie
vrdkanischer Natur sind. Am deutlichsten spricht sich
dieses in der Karo-Ebene, nördlich vom Tobasee, aus,
wo rauchende Vulkane (Si Nabung 2417 m) sich erheben;
im Westen, nach dem Pak-Pak-Lande zu, erhebt sich
der erloschene Vulkan Longsuaten bis 2500 m, umgeben
von zahlreichen Trabanten.
In hydrographischer Beziehung läfst sich das
bataksche Hochland in drei Teile gliedern, die sich nörd
lich, östlich und westlich in Fächerform um den Tobasee
gruppieren. Das wichtigste Flufssystem, jenes des Lau
Biang oder Hundeflusses, liegt im Norden; auf 39 km
Länge durchströmt er die Karo-Ebene, um dann das
Alasgebirge zu durchbrechen und nach einem mächtigen
Sturz durch Langkat ziehend sich in die Strafse von
Eine Dusun-Batak-Frau.
Malakka zu ergiefsen. Unter den Seen nimmt der be
rühmte Tobasee die erste Stelle ein. Sein Wasserspiegel
liegt 780m über dem Meere; er zeichnet sich durch
häufigen, mit einer gewissen Regelmäfsigkeit auftretenden
Wechsel seiner Färbung aus, welche von Beleuchtung
und Bewegung der Seeoberfläche abhängig ist. Des