H . Seidel : Die natürlichen Kanäle auf den Salomo - Inseln .
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König Alfoertsund ( l1 ) . Diese Durchfahrt wurde zuerst von Bougainville am 4 . Juli 1768 gesichtet . Er bemerkte nämlich westlich und nördlich von Kap l’Aver - die neues Land , vor welchem sich eine grofse Bucht , vielleicht gar eine Meeresstrafse zu öffnen schien . Eine solche ward in der That entdeckt ; ja man nahm jenseits des flachen Gestades sogar die höhere Abendküste wahr und konnte demnach über die insulare Natur des letzten Fundes nicht mehr im Zweifel sein . Nach dem Worte „ Buka“ , welches die Eingeborenen aus ihren Kanus den Fremden fortgesetzt zuriefen , ward die ganze Insel nannt2 ) . Dasfelbe Wort hat auch d’Entrecasteaux im Jahre 1792 wieder gehört ; es bedeutet aber keineswegs den einheimischen Namen der Insel , sondern ist als blofser Zuruf aufzufassen3 ) . Dann segelte im Juli 1812 der englische Kapitän Bristow am Westufer der neuen Insel entlang , und zwar so nahe , dafs er die vor dem Albertsunde liegende äufsere , durch Korallenriffe bundene Inselschnur , sowie die innere Bai nebst ihren Zugängen deutlich beobachten konnte4 ) . Viel später — zur Winterzeit 1838 — stand Durnont d’Urville vor der östlichen Zufahrt der Strafse und fand , dafs sie sehr eng und wenig praktikabel sei5 ) . Damit war unsere Kenntnis des Sundes bis zum Beginn der deutschen Kolonialära in der Südsee abgeschlossen .
Die erste Dampferfahrt im Kanäle unternahm der Stationsvorsteher R . Parkinson6 ) , und zwar von der mündung aus , die ziemlich schwer zu finden ist , weil die flache Südspitze Bukas und das niedrige Land auf gainville anscheinend ohne Öffnung ineinander verläuft . Von Parkinson rührt auch die Benennung „ König Albert - sund“ her . Die zweite Reise führte im November 1888 der stellvertretende Landeshauptmann Kraetke mit den Schiffen „ Ysabel“ und „ Samoa“ aus . Er ankerte nächst im Karolahafen7 ) ; an diesen reiht sich nach Süden eine 14 Seemeilen lange und 3 Seemeilen breite Lagune mit flufsartig stillem Wasser , die nach dem Meere hin durch dicht bevölkerte Riffinseln umrandet wird . Gegenüber von Toioch , einem Eilande aus der Kaysergruppe , liegt in 50 27' südl . Br . und 154° 34' östl . Lg . v . Gr . die westliche Öffnung und zugleich die beste Einsegelungsstelle . In landschaftlicher Hinsicht erscheint dieser Teil als ein weites , stellenweise durch hohe Inselberge überragtes Becken von einen derartigen Mannigfaltigkeit der Scenerie , dafs selbst der vielgereiste Hugo Zöller nicht ihresgleichen beobachtet zu haben glaubt .
0 Die eingeklammerten Ziffern beziehen sich auf die Nummern der Kärtchen auf den beiden Tafeln .
2 ) M . Fleurieu , Découvertes des François dans le sud - est de la Nouvelle - Guinée en 1786 et 1769 , Paris 1790 , p . 90 et 91 .
3 ) Dr . Guppy , The Solomon Islands and their Natives — ( im Verlauf der Arbeit stets als Guppy I citiert ) — , London 1887 , p . 260 .
4 ) G . Findlay , South Pacific Océan Directory , London 1884 , p . 869 .
5 ) Voyage au Pôle Sud et dans l’Océanie , Histoire , vol . V ,
p . 95 .
6 ) Vergl . seine „ Beiträge zur Kenntnis des deutschen Schutzgebietes in der Südsee“ , Mitteilungen der geogr . sellschaft zu Hamburg 1887 / 88 , Seite 237 ff . Leider fehlt in diesen wichtigen Nachrichten jede Zeitangabe !
7 ) Die Berichte über diese Fahrt ( und über die Buka - strafse ) wollen wir der Kürze halber gleich zusammen führen . 1 . Nachrichten über Kais . - Wilh . - Land etc . Bd . 5 , S . 17 und 18 , Bd . 6 , S . 49 . — 2 . Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorol . 1889 , S . 210 . — 3 . Missionar Bich in den Berichten d . rheinisch . Missionsgesellsch . 1889 , Bd . 46 , S . 160 . — 4 . Hugo Zöller , Die deutschen Salomoninseln Buka und Bougainville in Petermanns geogr . Mitteilung . 1891 , S . 8 bis 11 mit Tafel 2 , Skizze der Bukastrafse in 1 : 350 000 . — 5 . Joachim Graf Pfeil , Ein Ausflug nach den inseln , ebenda , 1891 , S . 283 bis 286 .
Für den Seemann dagegen bleibt nur eine schmale , von fürchterlichen Riffen umsäumte Durchfahrt übrig , wo allenthalben Korallenstöcke emporschiefsen und in dem stillen Wasser die wunderbarsten Farbenspiele hervor - rufen . Segelschiffe vermögen hier kaum zu passieren , und selbst Dampfer haben noch genug zu thun . obschon es an Tiefe — eine flache Stelle von neun Fufs nommen — nicht gerade mangelt . Der östliche kürzere Abschnitt , der etwa % Seemeilen durchschnittliche Breite hat , bietet weniger Gefahren ; er besitzt trotz des starken , von 12 zu 12 Stunden in entgegengesetzten Richtungen ziehenden Gezeitenstromes , einige gute Ankeiqolätze mit sicherem Grunde . Land und Leute an beiden Ufern zeigen einen völlig übereinstimmenden Charakter ; doch ist die östliche Mündung infolge des bogigen Verlaufes der Senke dem Äquator um drei Gradminuten näher gerückt , und ihre meridionale Lage wird auf 154° 38' Greenwicher Länge angegeben .
Die Kanäle auf Alu und Mono . Wie bereits in der Einleitung angedeutet , nehmen diese Rinnen eine Ausnahmestellung ein ; denn beide liegen nachweislich auf gehobenen Inseln und erklären sich zwanglos als die noch bestehenden Wasserarme zwischen dem lande und dem äufseren Barriereriff .
Den Kern von Alu ( 2 ) oder der grofsen Shortland - inseln macht ein alter , in Nordwest belegener kegel aus8 ) , um den sich später weiche Pteropoden - und Foraminiferensedimente niedergeschlagen haben . Auf diesen siedelten sich zu gegebener Zeit die steinbildenden Zoophyten an , um im Wirbel der Brandung ihre Bauten auszuführen . Bei der mittlerweile eintretenden Hebung stieg nicht blofs der alte Kern mit seinem jüngeren Mantel bis zur jetzigen Höhe empor , sondern auch die um den Südostrand Alus errichteten Barriereriffe hoben sich gleichzeitig aus dem Ocean empor . Das schmale Stillwasser zwischen ihnen und der eigentlichen Insel erscheint heute als der in Rede stehende Kanal , und die ihn seewärts begrenzenden Eilande Morgusaia , Poperang Onua und Orlofe , sowie das weiter nach Südost gerückte Kleinalu9 ) sind eben nichts anderes , als die höchsten Teile jenes doppelten Riffgürtels , der hier Grofsshortland umgiebt .
Zwischen Alu und den Riffinseln zieht sich nun der Sund sieben Meilen weit , schmal und flufsähnlich gewunden , hin ; nur an einzelnen Stellen verbreitert er sich seeartig , ohne jedoch gröfsere Tiefen anzunehmen , so dafs er nur für Boote schiffbar ist . An den Ufern grünen die lichen Mangrovendickichte , die im Verein mit den im Innern des Sundes augenscheinlich gedeihenden Korallen ( Guppy II , p . 121 ) das bereits seichte und sumpfgründige Wasser bald noch mehr verflachen werden .
Del * Kanal auf Mono ( 3 ) . Die gleiche Genesis wie der Alukanal hat die viel breitere und tiefere Senke , die sich südlich von der gehobenen Insel Mono oder sury und dem Stirlingeilande befindet . Mono hat , geologisch gesprochen , denselben Bau wie Grofsalu . Um den vulkanischen Kern10 ) haben sich in hoher Wölbung bis zu 350 m weiche Pteropoden - und sedimente abgelagert . Diese sind an den Aufsenseiten von einer dünnen Kruste koralliner Bildungen kleidet , die im allgemeinen nur bis 100 m
8 ) Dr . Guppy , The Solomon Islands , their Geology , general features and suitability for colonization ( In der Folge stets als Guppy II zitiert ) , London 1887 , p . 116 bis 121 , mit Figur 8 auf Tafel II .
9 ) Eine Beschreibung der drei letzteren Inseln brachten die Annalen der Hydrographie , 1887 , S . 242 .
10 ) Guppy II , p . 93 bis 106 ; eine Ansicht der Insel gab Admiral v . Schleinitz ( Gazelle - Expedition ) in den Annalen der Hydrogr . 1876 , Heft 11 , Tafel 1 .