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Bücher schau .
Bücherscliau .
Justus Perthes’ Alldeutscher Atlas . Bearbeitet von Paul Langhans . Mit Begleitworten : Statistik der schen und der Beichsbewohner . Unter Förderung des Alldeutschen Yerbandes .
Seit Jahren hat in ebenso mühevoller als sachkundiger Weise Paul Langhans in Gotha , der Verfasser des Deutschen Kolonialatlas , alles kartographisch zusammengestellt , was sich auf die Verbreitung und kulturelle Bedeutung des deutschen Volkstums bezieht . Eine stattliche Reihe schöner Karten ist von ihm erschienen , welche die Verbreitung der Deutschen über die Erde , die Ausdehnung unseres Handels und unserer Schiffahrt , namentlich auch unsere Grenzbeziehungen zu deren Völkerstämmen ( Dänen , Magyaren , Slaven ) in klarer Weise zur Anschauung bringen und die meistens von stischen Nachweisen begleitet sind . Sie alle sind berechnet , zur Hebung unseres Nationalbewufstseins beizutragen , das immer noch der Anregung bedarf , da der alte Erbfehler der Deutschen , Anpassung an das Fremde , trotz des Aufschwunges unseres Volkstumes in den letzten Jahrzehnten , noch wegs ganz geschwunden ist . Solcher Belebung des Volks - bewufstseins dient auch ausgesprochen diese neue Arbeit , die zum Teil auf den früheren Arbeiten des Verfassers beruht . Mit zahlreichen Nebenkärtchen versehen , bringt sie auf fünf grofsen Blättern zur Anschauung : Die Verbreitung des tums auf der Erde , das Deutschtum in Europa und im Morgenlande , Deutsche und Undeutsche im Deutschen Reiche , die Deutschen im Osten ( unter Magyaren u . s . w . ) , die Hauptsitze der deutschen Übersee . Die Ausführung der Karten ist , auch abgesehen von dem Inhalte , technisch eine ganz liche und in der Raumausnutzung leerer Stellen erweist Langhans sich als Meister ; überall bringt er kleine reiche Kärtchen und Diagramme an , welche das Hauptbild unterstützen und erläutern . Mit Vorliebe wendet Langhans dabei solche deutsche Ortsnamen im fremdsprachlichen biete an , die früher wohl gang und gäbe , heute aber weise im Gebrauche erloschen sind . Verstehen wir wohl auch noch nach dem alten Handwerksburschenliede „ Von Nanzig ( Nancy ) bis Danzig“ , so wird man doch kaum noch Arch für Arco und Reif für Riva deuten können . In Klammer , als geschichtlich von Belang , aber das Absterben deutschen Einflusses daselbst bezeichnend , mögen sie noch Geltung finden , so gut wie Bern ( Verona ) an der Etsch u . a . Da scheint uns des Guten zu viel gethan .
Ganz besonders will ich auf die beigegebene Statistik der Deutschen , eine sehr mühevolle Arbeit , hinweisen . Beläge sind für die Zahlen nicht mitgeteilt , aber einzelne prüfungen ergaben die Gewissenhaftigkeit des Verfassers , der in zweifelhaften Fällen wohl zu gunsten der Deutschen dies Wagschale sinken läfst . Nach seinen Aufstellungen leben jetzt auf der Erde 84 793 000 Deutsche ( die Niederdeutschen eingerechnet ) , davon 73 Mill . in Europa , fast 11 Mill . in Amerika . Richard Andree .
Dr . Dronke : Die Eifel . Aus den nachgelassenen Papieren des Verfassers herausgegeben von Dr . K . Cüppers . Mit dem Bilde des Verfassers . Köln , Paul Neubner ( o . J . ) .
Der vor zwei Jahren verstorbene Trierer direktor Dr . Adolf Dronke hat durch Jahrzehnte hindurch mit grofser Liebe die Geographie und Geschichte seiner rheinischen Heimat gepflegt und zahlreiche kleinere Schriften und Aufsätze über sie veröffentlicht . Wiewohl er ein gröfseres Werk über Eifel und Mosel beinahe vollendet hatte , war es ihm doch nicht vergönnt , dasselbe noch gedruckt zu sehen . Es ist nun in pietätvoller Weise von Dr . Cüppers gegeben worden . Zwischen populärer und wissenschaftlicher Darstellung die Mitte haltend , giebt es uns ein vortreff liches Gesamtbild der Eifellandschaften in geographischer und schichtlicher Beziehung , woran sich die wirtschaftlichen und , weniger umfangreich als die übrigen Hauptabschnitte , die ethnographischen Verhältnisse anschliefsen . Das Gebiet um - fafst im Osten den Rhein , im Süden die Mosel , im Westen ungefähr die Reichsgrenze , im Norden die niederrheinische Tiefebene . Der Name Eifel tritt zum erstenmale , lange nachdem schon helles geschichtliches Licht über dem Lande lag , 762 auf ; Dronke stellt ihn zum keltischen ap , Wasser , und deutet die Eifel als quellenreiches Land , was sie mit ihren zahlreichen Bächen und kleinen Strömen ja in der That ist . Mit der Schilderung der Gewässer beginnt auch die Darstellung , die nach Art eines Reiseführers die Flüsse verfolgt und die sie begrenzenden Landschaften und an ihnen liegenden Ortschaften schildert . Ausführlich sind die
so hoch interessanten geologischen Verhältnisse , die erloschenen Vulkane , Mineralquellen , die kleinen Kraterseen ( Maare ) und das Klima beschrieben , woran sich ein Überblick der welt schliefst . Befriedigend wie dieser geographische abschnitt ist auch der folgende geschichtliche , der mit den Spuren des paläolithischen Menschen beginnt und uns dann das Eifelland zur Kelten - und Römerzeit zeigt . Sehr gut ist die Darstellung , wie hier die Sprachen sich ablösen — noch im 4 . Jahrhundert findet der heilige Hieronymus keltische Sprache an der Mosel lebendig ; ausführlich wird erörtert , was in kultureller Beziehung das linksrheinische Land jenen beiden Völkern schuldet , wie es schon weit vorgeschritten war , als im 5 . Jahrhundert die Germanen einrückten . Dieser Abschnitt ist einer der vortrefflichsten des Buches und wir bedauern nur , dafs hier — wie überhaupt — nirgends nachweise gegeben werden . Man sieht es freilich dem Werke an , dafs es überall aus dem Vollen schöpft — aber für prüfung und Weiterförderung hätten die Quellen , unbeschadet des populären Charakters , angeführt werden müsset ! . Auch ein Register vermissen wir . Es folgen geschichtliche darstellungen , in welchen namentlich die Rolle , welche die Klöster spielen und die Eifeldynasten hervortreten . Wie bunt erscheint die historische Karte dort im Mittelalter ! Uns war neu das Cröver Reich , ein winziger Staat zwischen kastel und Trarbach an der Mosel , der erst als Condominium der Daun , der Herren von Pfalz - Zweibrücken und Baden , 1776 sein Ende nahm . Die Beschäftigung der Bewohner macht den Schlufs . Dafs dem seit der Römerzeit erblühten bau ein breiter Raum zugebilligt ist , kann nur gelobt werden . Die Eifel hat lange schwer gelitten und war arm ; unter preufsischer Herrschaft , namentlich seit sie mehr Eisenbahnen erhielt , beginnt sie sich zu heben . Dafs sie landschaftlich hohe Reize gewährt und mehr das Ziel der Reisenden und Sommerfrischler wird , ist ihr zu gönnen .
Heinrich Seniler : Die tropische Agrikultur . 2 . Aufl .
Unter Mitwirkung von O . War hur g und M . mann bearbeitet und herausgegeben von Rieh . Hindorf .
Bd . II . Wismar , Hinstorffsche Hofbuchhandlung , 1900 .
Busemann hat in dem vorliegenden Bande die schnitte über Erzeugung , Handel und Verbrauch fast gänzlich umgearbeitet , sie erweitert und vermehrt , während die von Warburg vorgenommene Ergänzung und Berichtigung der botanischen Bemerkungen bei einer Anzahl von Kapiteln einer Neubearbeitung fast gleichkommt . Genannt seien vor allem die Abschnitte über Orangen und Citronen , die über Feigen , Bananen , Cinchonen , Gerberakazien , Vanille wie Indigo . Muskatnufs , Ätherische Öle , Kautschuk und Guttapercha wie Wurzelfrüchte sind von demselben Verfasser neu arbeitet . Man kenn sagen , dafs in den Kapiteln : Fette Öle und ätherische Öle , nunmehr fast sämtliche für den Welthandel augenblicklich in Betracht kommenden Fette und ölliefernden Pflanzen der wärmeren Zone zusammengestellt sind . Dasselbe gilt von den Kautschuk - und Guttaperchapflanzungen , welche bei dem jährlich wachsenden Bedarf allgemeines Interesse beanspi'uchen .
Es wäre so mancher Bibliothek recht dienlich , wenn der „ Semler“ in ihr eine Stätte fände und fleifsig benutzt würde . Die Anschauungen über die hier besprochenen Südfrüchte , Handelsrinden , Gewürze , Öle , Färb - und Gerbstoffe etc . sind meist recht seltsam und gering ; auch der geographische Unterricht in den höheren Klassen würde an Lebendigkeit gewinnen , wenn der Lehrer den „ Semler“ öfter zu Rate zöge . Dafs das Werk für Pflanzer , Kaufleute und politiker eine wahre Fundgrube ist , dürfte den beteiligten Kreisen längst bekannt sein .
Halle . Dr . E . Roth .
S . Patkanow : Die Irtysch - Ostjaken und ihre poesie . Bd . I . Ethnographisch - statistische Übersicht .
Herausgegeben von der Kaiserl . Akademie der schaften . gr . 8° . 167 S . St . Petersburg 1897 .
Patkanow , der in Dienstangelegenheiten zwei Jahre im westlichen Sibirien verbrachte , hat seine freie Zeit licher Erforschung der Lebensweise und der Überlieferungen des ostjakisclien Stammes gewidmet und bietet mit seinem Werke eine wertvolle Bereicherung der Litteratur über die Ethnographie desselben . Es vermindert die Bedeutung der Arbeit nicht , dafs der Verfasser nur den Teil der Ostjaken kennen gelernt hat , der durch Jahrhunderte langes wohnen mit Tataren und Russen vieles Ursprüngliche im