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Objekt: Zeitschrift für Ethnologie der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde und der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte, 116.1991

Buchbesprechungen 
277 
Hauser-Schäublin, Brigitta (Hg.): Ethnologische Frauenforschung: Ansätze, Methoden, 
Resultate. 331 S. Berlin: Dietrich Reimer Verlag 1991. 
Dieser Sammelband will einen Überblick über die deutschsprachige ethnologische Frauen 
forschung geben, die im Vergleich mit der Situation in den anglophonen Ländern noch in den 
Kinderschuhen steckt. Ziel des Buches ist es, einen Einblick in die verschiedenen Forschungs 
richtungen zu vermitteln, theoretische Ansätze vorzustellen oder wieder ins Gedächtnis zu 
rufen. Der Band gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil besteht aus 6 Beiträgen, die zwischen 
1893 und 1956 geschrieben wurden, während im zweiten Teil (5 Beiträge) neuere Forschungsan 
sätze und -ergebnisse zur Diskussion gestellt werden. Die Beiträge behandeln unterschiedliche 
Regionen und sind interdisziplinär angelegt, da auch Ethnopsychoanalytikerinnen und eine 
Soziologin vertreten sind. Das Spektrum deutscher Autorinnen wird durch zwei Amerikanerin 
nen ergänzt, deren Auswahl mir in einer Einführung über deutsche feministische Ethnologin- 
nen allerdings wenig plausibel erscheint. Vervollständigt wird der Band durch eine informative 
Einführung in die Entwicklung der ethnologischen Frauenforschung sowie durch eine etwas 
ausführlichere Bibliographie, die wegen ihrer Unvollständigkeit jedoch eher unbefriedigend 
bleibt. Arbeiten namhafter Ethnologinnen (u. a. Grohs 1980, Behrend 1985) über afrikanische 
Frauen finden darin ebenso wenig Berücksichtigung wie die zahlreichen Beiträge zur entwick 
lungspolitischen Diskussion, an der sich ebenfalls Ethnologinnen beteiligt haben. 
Die Beiträge im ersten Teil bestehen vornehmlich aus Studien, die vor dem 2. Weltkrieg 
geschrieben wurden. Zwei der in diesen Band aufgenommenen Pionierinnen -Hilde Thurnwald 
und Caecilie Seler-Sachs, hatten kein Hochschulstudium absolviert, konnten sich aber an der 
Seite ihrer Ehemänner im Verlauf längerer Feldforschungen ethnologisch qualifizieren und mit 
eigenen Publikationen an die Öffentlichkeit treten. Interessant ist dabei vor allem, daß sie - 
obwohl den theoretischen Ansätzen ihrer Ehemänner verhaftet-eine eigene Perspektive entwik- 
kelten und die Situation der von ihnen untersuchten Frauen einfühlsam beschrieben. Persönlich 
engagiert ist auch der Literaturbericht über afrikanische Kindererziehung von Anneliese Eilers, 
die 1927 als vermutlich erste Frau in Ethnologie promovierte. Trotz einer sehr heterogenen Quel 
lenlage bemühte sie sich um eine kulturimmanente Interpretation, da sie, wenn immer möglich, 
afrikanische Sprichworte und Märchen zur Illustration sozialer und emotionaler Vorstellungen 
heranzog, die die Erziehung beeinflußten. Darüberhinaus legte sie großes Gewicht auf eine diffe 
renzierte Darstellung zwischen vaterrechtlichen und mutterrechtlichen Familien- und Sippen 
verbänden. Bei allen diesen Autorinnen fällt auf, daß sie in viel größerem Maß als etwa in den 
1950er und 1960er Jahren ethno-soziologische Fragestellungen und Probleme behandelten. 
Der erste Teil wird durch zwei „ausländische“ Beiträge vervollständigt. Im ersten, dem von 
Truman Michelson 1925 herausgegebenen Lebensbericht einer Fox-Indianerin, die anonym 
bleibt, werden in eindringlichen Bildern die wichtigsten Stationen eines Frauenlebens geschil 
dert: Kindheit/Pubertät, Heirat und Eheprobleme, Geburt der Kinder, Scheidung und spätere 
Witwenschaft. In dem anderen Beitrag schildert Margaret Mead das Leben von Phebe Clotilda 
Coe Parkinson, die als Tochter einer samoanischen Adligen und eines amerikanischen Seefah 
rers mit dem deutschen Ethnologen und Sammler Richard Parkinson verheiratet war. Faszinie 
rend an diesem Lebensbericht ist zum einen die Selbstverständlichkeit, mit der Phebe Clotilda 
Coe Parkinson zwischen den Kulturen lebte, ohne sich einer ganz zugehörig zu fühlen; zum 
anderen ermöglicht er einen authentischen Blick auf jene frühe, koloniale Welt, in der sich ein 
Lebensstil herausbildete, der sowohl durch kulturelle Entfremdung, rassische Hierarchien und 
bewußte Selbstbehauptung geprägt war. Abgeschlossen wird der erste Teil durch einen Aufsatz 
von Sigrid Westphal-Hellbusch, die am Beispiel irakischer Transvestiten schon sehr früh auf die
	        
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