Volltext: Globus, 72.1897

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Aus allen Erdteilen. 
wir uns dagegen mit dem Verf. einverstanden erklären, wo 
er sich auf naturwissenschaftliches Gebiet begiebt. So ist es 
ein Irrtum, wenn Verf. von den Weddas sagt: „ihre Schädel 
formation soll der des menschenähnlichen Affen näher 
stehen, als der des Menschen“; so etwas hat wohl noch 
kein Sachverständiger behauptet. Auch der Ansicht des 
Verf., die den Weddas eine reiche -Beimischung arischen 
Blutes zuerkennen möchte, wird der naturwissenschaftliche 
Fachmann nicht leicht zustimmen: Verf. legt hier wohl der 
Tradition eine gröfsere Bedeutung bei, als ihr zukommt. 
Solche Einwendungen gegen Einzelheiten beeinträchtigen 
aber nicht den Wert der Geigerschen Tagebuchblätter, der 
wesentlich auf geschichtlich - archäologischem Gebiete liegt : 
Das Bach wird allen Denen, die die Buinenstätten Ceylons 
besuchen wollen, ein willkommener Führer sein. 
Leipzig. Emil Schmidt. 
Aus allen Erdteilen. 
Abdruck nur mit Quellenangabe gestattet. 
— Das wissenschaftliche Material der Expe 
dition Bottego. Der Negus Negest Menelik macht seiner 
Mitgliedschaft der italienischen geographischen Gesellschaft, 
auf die er nicht wenig stolz ist, alle Ehre und dabei zeigt 
er, däfs er trotz der weiten Entfernungen und schlechten 
Verbindungen Herr in seinem Lande ist. Er hat das ganze 
wissenschaftliche Material der Expedition Bottego aus dem 
Lande der Wallega nach Adis Abeba bringen lassen und für 
dessen sichere Aufbewahrung Sorge getragen. Noch vor 
kurzem hiefs es, der neue Resident an Meneliks Hofe, 
Artilleriehauptmann Cicco di Cola, welcher am 27. Oktober 
von Neapel abgegangen ist, werde dies Material, sowie das 
von den Überlebenden der Expedition, den Leutnants Vanu- 
telli und Citerni, in Adis Abeba zurückgelassene, übernehmen 
und nach Italien schaffen lassen. Danach liefs sich be 
rechnen, dafs die wertvollen Aufzeichnungen und Samm 
lungen allenfalls Ende März 1898 dort eintreffen könnten. 
Nun ist der Berater und Minister Meneliks, der auch in 
diesem Blatte öfters genannte Ingenieur Alfred Ilg, dem 
Auftrag Cicco di Colas zuvorgekommen, indem er das ganze 
Material, sorgsam verpackt, nach Aden sandte. Am 17. No 
vember d. J. ist es von dort auf dem Dampfer „Rubattino“ 
nach Italien abgegangen und ist Ende November in Neapel 
angelangt. In einem Briefe Ilgs an den Leutnant Vanutelli 
drückt ersterer die Hoffnung aus, dafs nichts verloren ge 
gangen sei, da Menelik gleich nach dem Bekanntwerden von 
dem Schicksal Bottegos in dieser Hinsicht den Wallega die 
strengsten Befehle gegeben habe. Diese schienen befolgt zu 
sein, denn die meisten Ballen seien völlig intakt, so auch 
die astronomischen Aufzeichnungen Vanutellis, die topo 
graphischen Aufnahmen Citernis, die Tagebücher und son 
stigen kartographischen Arbeiten und die ethnographischen 
Sammlungen. Verloren gegangen dürften nur ein Teil der 
mineralogischen Sammlungen und die Tagebücher Sacchis 
von seiner Trennung von der Expedition an bis zu seinem 
Ende am Margheritasee sein. 
Einen Teil der Sammlungen und Berichte hatte Bottego 
bekanntlich schon von Sancurar am Dau aus heim gesandt. 
Mit der Ordnung dieses Materials sind die Leutnants Vanu 
telli und Citerni, welche seitens ihrer Vorgesetzten Behörden, 
des Flotten - und Kriegsministers, bis zur gänzlichen Auf 
arbeitung der wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition 
zur Verfügung der geographischen Gesellschaft gestellt sind, 
seit ihrer Rückkehr beschäftigt. Da nun dank Ilgs Ver 
mittelung das Hauptmaterial weit früher eintrifft, als man 
erwartet hatte, so steht die Herausgabe des bezüglichen 
Reisewerkes trotz seines Umfanges und trotz der Beigabe 
zahlreicher Abbildungen, Skizzen und Karten bereits in 
einigen Monaten bevor. Es wird hochinteressante Auf 
schlüsse über die erforschten Gegenden bringen. 
— In einem Aufsatz, welcher in der Marine - Rundschau 
1897, S. 991, über „Wind und Seegang in der Helgo 
länder Bucht während der Zeit vom 20. bis 22. Sep 
tember 1897“ veröffentlicht ist, weist Dr. E. Herrmann auf 
eigentümliche Verhältnisse hin, welche in der Helgoländer 
Bucht und also auch in ähnlich gelegenen Meeresteilen den 
Gezeitenstrom, im speciellen Falle den Ebbestrom, beein 
flussen. Am Morgen des 22 . September war nämlich der 
Ebbestrom vor der Elbmündung in ungewöhnlicher Weise 
verstärkt. Einerseits hatte während der ganzen vorangehenden 
Flut in der südöstlichen Nordsee ein stürmischer Westnord 
west geweht und das Wasser vor und in der Elbe aufgestaut; 
kurz vor Hochwasser hatte der Wind nachgelassen, wodurch 
ein schnelleres Rückströmen des Wassers ermöglicht wurde. 
Anderseits hatten auch über der übrigen Nordsee bis zu den 
Shetlandsinseln in der ersten Hälfte der Nacht vom 21 . zum 
22. September die starken und stürmischen nordwestlichen 
Winde, welche seit der vorhergehenden Nacht daselbst 
wehten, noch angehalten und allgemein in der südöstlichen 
Nordsee einen höheren Wasserstand hervorgerufen. In der 
zweiten Hälfte dieser Nacht drehte aber der Wind unter 
Abnahme an Stärke über dem gröfsten Teile der Nordsee, 
mit alleiniger Ausnahme der südöstlichen Gebiete, nach Süd 
west. Das höhere Wasser der südöstlichen Nordsee konnte 
daher wieder zurücktreten, wodurch der Ebbestrom vor der 
Elbmündung sich noch weiter verstärken mufste. Herrmann 
knüpft weiter hieran die Bemerkung, dafs der gröfsere 
Bewegungsunterschied zwischen Luft und Wasser allein nicht 
genügt, um den stärkeren Seegang bei entgegengesetzter, als 
bei gleicher Wind- und Stromrichtung zu erklären. Nach 
seiner Ansicht dürfte vielmehr der Umstand dabei in Betracht 
zu ziehen sein, dafs mit jeder Strömungsänderung des 
Wassers ein entsprechendes Gefälle vex-bunden ist. Beim 
Einsetzen des Gezeiteustx-omes und während seiner Zunahme 
in der ei'sten Hälfte der Ebbe oder Flut ist also die Wasser 
fläche in der Richtung des Sti-omes geneigt. Ein entgegen 
gesetzt wehender Wind fällt daher mehr auf das Wasser 
auf, als bei anderen Wind- und Stromverhältnissen. Indem 
der Wind somit mehr in das Wasser eingreift, erzeugt er 
höhere, kürzere und auch tiefer gehende Wellen; die Bildung 
von Grundseen in der Nähe von Sänden wii’d dadurch 
begünstigt. 
— Ernest Giles, einer der bedeutendsten Australien- 
i-eisenden, ist im November dieses Jahres (1897) in Coolgardie 
in Westaustralien, erst 50 Jahre alt, gestorben. Geboren in 
Bristol in England, kam er als Kind nach Südaustralien, wo 
sich seine Familie in Melbourne niederliefs. Von Jugend auf 
hatte das Buschleben für ihn einen besonderen Reiz, und ein 
„Explorer“ zu werden, war sein sehnlichster Wunsch. Zuerst 
im Jahre 1872 reiste Giles mit Cai’michael und K. Robinson 
von einer der Stationen des 1870/72 ei’richteten Übei-lands- 
telegraphen etwa 400 km weit in den Westen Australiens 
und entdeckte das Liebiggebirge und den Amadeussee. Im 
Jahi-e 1873 ging er von der Station Peake am transaustra 
lischen Telegraphen , mit 4 Eux’opäern und 25 Pferden, aus, 
mufste aber wegen Mangel an Wasser wieder umkehi'en. 
Auf einer dritten Reise 1874/75 durchzog er eine gewaltige 
Strecke Scrubland, dann 390 km weit den schlechtesten 
Boden, wo die Pferde stai-ben und die Expedition nur durch 
die mitgenommenen Kamele gerettet wurde. Auf seiner 
vierten und bedeutendsten Reise ging er im Mai 1875 von Port- 
Augusta am Spaniergolf mit 18 Kamelen nach Westen aus. 
Er dui'chzog an 4000 km weit, immer im Süden der Route 
der Gebrüder Forrest, ganz unbekanntes Land und erreichte 
nach übermäfsigen Gefahren und Entbehrungen endlich die 
östlichsten Farmen Westaustraliens und am 18. November 
1875 die Hauptstadt Pei-th. Im folgenden Jahre kehrte er, 
in der Hoffnung, besseres Land zu finden, vom oberen Ash- 
burtonflufs immer nördlich von der Route der Brüder Forrest, 
aber südlich des Wendeki-eises, nach der Telegraphenstation 
Alice Springs und von hier nach Adelaide zurück (29. Sep 
tember 1876). Seine Reisen zeigten, dafs ganz Westaustralien 
ein wasserloses Gebiet ist. Nach längerer Pause unternahm 
er Ende 1882 seine sechste Reise, auf der er das westlich 
von der Peakestation sich ausbreitende grofse und unbekannte 
Gebiet bis zum Ferdiixandflusse (27° 45' südl. Br. und 132° 
20' östl. L. v. Gr.) erforschte. Die Kosten der meisten dieser 
Reisen trug der vor kurzem verstorbene Sir Thomas Eider. 
Von ihm selbst wurde veröffentlicht: „Diary of Exploi’ations 
in Central Australia, August to November 1872 (Adelaide 1873); 
Geographical Ti'avels in Central Australia from 1872 to 
1874 (Melbourne 1875); The Journal of Forgotten Expe 
dition (Adelaide 1880); Australia twice traversed, the Ro- 
mance of Exploration: being a Narrative compiled from 
the Journals of Five Exploi-ing Expeditions into and through 
Central South Australia and Westei’n Australia from 1872 
to 1876 (2 vols. 1889).“ Giles wurde vielfach für seine Reisen 
ausgezeichnet. . W. W. 
Verantwort!. Redakteur: Dr. R. Andree, Braunschweig, Fallei’sleberthor-Promenade 13. — Druck: Friedr. Vie weg u. Sohn, Braunschweig.
	        
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