Capitän Mage's Aufenthalt beim König Ahmadu zu Segu am obern Niger .
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kräftige Nahrung genießen konnten . Abends und Morgens brachte man uns Milch ; Samba Ndiaye hatte vom Könige 5000 Kaurimnscheln erhalten , um uns dafür Hühner , Eier und Fische zu kaufen und wiederholte mehrmals , wir möchten uns ja nicht einschränken , Ahmadu habe einen großen Geld - beutet und würde es sehr übelnehmen , wenn wir uns etwas abgehen ließen . Er seinerseits schenkte uns gleichfalls einen Hammel , der eigentlich am Tabaski verzehrt werden sollte ; an jenem Festtage schlachtet jeder Familienvater , der es irgend ersHwingen kann , einen Schöps .
Als eine Art von Hanshofmeisterin besorgte die Sklavin Mairam den Dienst in der Küche und bereitete auch für meine Laptots die Speise . Die Wache von Sofas vor mei - ner Wohnung wurde von einem gewissen Karnnka Djawara befehligt ; er sorgte dafür , daß' Niemand ohne meine aus - drückliche Erlaubniß Eingang fand , und jeder Zudringliche , gleichviel welchen Ranges er auch war , bekam tüchtige
schenhiebe . So konnte ich mich endlich der Ruhe erfreuen . Am folgenden Tage zogen meine Laptots insgefammt zum Sultan , der sie nicht nur freundlich aufnahm , sondern ihnen auch einen Ochsen und 40 , 000 Kaurimuscheln schenkte . Ich erhielt gleichzeitig eine wahrhaft fürstliche Gnadenspende , nämlich einen Korb mit 500 Guru - oder Kolanüssen . Mein Führer Famhara hatte dem Sultan gesagt , daß die Weißen diese Frucht sehr gern genössen und er speculirte seinerseits auf das Geschenk , ich aber wußte den Werth desselben wohl zu würdigen und hielt Haus damit .
Am 1 . März 1864 ließ ich Ahmadu um eine Audienz bitten und er bestellte mich um 5 Uhr . Als ich eintrat , fand ich ihn von einer großen Menschenmenge umgeben , ver - langte aber , nachdem ich ihn begrüßt hatte , fofort vom schäfte zu reden . Die Mehrzahl der Anwesenden ging dann fort und nur einige wenige Beamten durften dableiben .
„ Seit dem Gefechte bei Gnemu , " fo redete ich ihn an ,
Ein Blick auf Segu von einer Dachterrasse aus .
„ ist kein Krieg mehr zwischen uns gewesen . Wir wußten aber , daß trotz des Friedens mehrere Talibes ( d . h . bewafs - nete Marabutschüler ) sich in Koniakary und Kundian auf - hielten und wir ( die Franzosen ) hätten sie dort leicht aus - suchen können . Wir thaten es nicht , weil man dem Gon - vernenr gesagt hatte , der Hadsch wolle nie wieder feindselig gegen uns austreten . Seitdem er das erfahren , war es seine Absicht , einen Bevollmächtigten an Deinen Bater zu schicken . Wir führen nur Krieg , wenn man uns beleidigt , mit fried - lichen Leuten dagegen leben wir gern in Eintracht , ^nideß der Hadsch ( Omar ) war weit entfernt und wir hörten nur selten etwas über ihn ; auch waren die Straßen unsicher und so konnten wir keinen Offizier abschicken . Nun hat man aber dem Gouverneur mitgetheilt , Du seiest König von Segu und Dein Vater gebiete über Massina uud deshalb schickt er mich , damit ich mich mit Dir verständige . Er will nur das Gute und zum Beweise dafür schickt er Dir zwei Offiziere .
Nun bin ich hier und frage Dich : Kannst Du mich zu Dei - nem Vater schicken ? Oder soll ich Dir mittheilen , was ich ihm zu sagen habe ? Und wenn ich rede , kannst Du mir eine Antwort geben ? "
Ahmadu entgegnete mit schlichten Worten auf meine Fragen , ohne sich irgendwie zn binden . - „ Seitdem die Welt steht , giebt es Krieg und hinterher wird man dann gut Freund . Schaichu ( d . h . Hadsch Omar ) arbeitet lediglich für den Ruhm GotteS . Wenn er es nur auf Macht und Reichthnm abgesehen hätte , so könnte er ausruhen uud in Frieden Alles genießen , was er erworben hat . Aber das ist nicht seine Absicht . Er will den Krieg , um das Laud ein - zurichten , und deshalb vertreibt er die Heiden und bösen Men - scheu aus demselben . Die Guten läßt er in Ruhe . Es sind schlechte und böse Menschen , welche Euch gegenüber die Ver - Hältnisse in Verwirrung gebracht haben . Nun bist Du aus Frankreich hierher zu uns gekommen und darüber sind wir