Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Notizen . 
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halten . Zwar gibt die Vorrede mit Recht an , es seien Parallelen und Hypothesen geblieben ( z . B . die Anmerkungen S . 103 und S . 105 der ersten Auflage ) , aber andere sind geblieben ( wie S . 115 , die über slawischen Einfluss ) . Zum Merseburger Zauberspruch , der mit einem fortlaufenden Eddabericht neu als Textprobe beigegeben ist , wird über die wichtigen durch Eduard Schroeder erregten Zweifel ( die ich nicht für berechtigt halte ) nichts erwähnt . Eine Einwirkung meines Buches verrät sich vielleicht in dem neuen Ausdruck 'Merkmale der Gottheiten' ( S . 23f . ) . Aber eigentliche Veränderungen zeigen sich höchstens in anderweitiger Abgrenzung von Kapiteln . Ist dies Stilleben der germanischen Mythologie , wenn auch ganz gewiss ein Horchen auf jede neue Methode oder Mode nicht gut täte , nicht doch zu idyllisch ? [ R . M . Meyer . ] 
T . Norlind , Svenska allmogens Iii i folksed , folktro och folkdiktning , 1 . —10 . Heft . Stockholm , Bohlin & co . ( 1912 ) . 240 S . mit vielen Illustrationen . 3 Kr . — Der auch in Deutschland wohlbekannte Vf . , Dozent an der Universität Lund und Leiter einer hochschule in Tomelilla , entwirft in diesem treülich ausgestatteten , auf 25 Lieferungen berechneten Werke ein Bild des schwedischen Bauernlebens , das zunächst für das Landvolk selber bestimmt ist , aber auch in anderen Kreisen Interesse für die liche Forschung wecken soll . Von den beiden Hauptteilen , Materielle und Geistige Kultur , liegt der erste in den bisher erschienenen Lieferungen fast vollständig vor ; er behandelt Waldwirtschaft , Jagd , Fischfang , Viehzucht , Ackerbau , Dorfanlage , häuser , Gerät , Bauernkunst , Weben und Nähen . Die Darstellung sucht das allgemein Anziehende aus den früheren Einzelarbeiten zusammenzufassen , lenkt auch den Blick in frühere Jahrhunderte zurück und verschmäht statistische Übersichten nicht , verzichtet aber auf Literaturangaben , die in einem besonderen Werke folgen sollen . Ausserordentlich lehrreich sind die zahlreichen , sorgfältig ausgewählten und gut ausgeführten Abbildungen , die uns z . B . mit schwedischen Fischereigeräten , Pferdegeschirr , Dorfkarten , Haustypen , zierlichen Holzschnitzereien und naiven Bauernmalereien biblischen und weltlichen Inhalts ( S . 215 die Altweibermühle ) auf die bequemste Art bekannt machen . [ J . B . ] 
K . Reuschel , Lutherspuren in der neueren Volksüberlieterung ( sächsische Zs . für Geschichte und Kunst 2 , 45—71 . Halle 1912 ) . — Wie sich Luther und sein Werk in Sprache , Sitte und Volksdichtung widerspiegeln , erweist hübsch dieser aul der Posener Philologenversammlung gehaltene und jetzt mit reichen Belegen vermehrte Vortrag . Die Sprichwörter , Kinderreime , Martinslieder und namentlich die deutschen Sagen zeigen deutlich die tiefgreifende Bedeutung des Reformators . [ J . B . ] 
Ludwig Riess , Die Weinsberger Weibertreue als wahre Begebenheit erwiesen ( Preussische Jahrbücher , Junihef't 1912 , S . 463—475 ) . — Der Verfasser versucht , entgegen neueren Behauptungen , doch im Einvernehmen mit Schefl'er - Boichorst , die Geschichte von der Weinsberger Weibertreue als geschichtliche Tatsache zu erweisen . Durch sinnreiche und genaue Erklärung der einzigen Quellenstelle , die in Betracht kommt , gelingt es ihm , glaubhaft zu machen , dass die Frauen von Weinsberg auf die bekannte Art die Besatzung der nordwestlich von der Stadt gelegenen Burg retteten . Wahrscheinlich ist es auch , dass der Kaiser Konrad , der in solchen Fällen gern Milde walten liess , vorher von der List in Kenntnis gesetzt war und seinen härteren Bruder Friedrich zur Nachgiebigkeit veranlassen wollte . [ H . Michel . ] 
A . Schlosser , Die Sage vom Galgenmännlein im Volksglauben und in der Literatur . Münster i . W . , Theissing 1912 . 139 S . 1 , 50 Mk . — Der Vf . behandelt zuerst den Alraun im Volksglauben , in der Kunst und Literatur und versucht dann Wesen und Grundlage des Alraunglaubens aufzuhellen . Von Anfang an vermisst man jeden Versuch einer scheidung zwischen dem aus einer Pflanzenwurzel hergestellten , leblosen Talisman und dem belebten , koboldartigen Wesen , das im Volksglauben ebenfalls den Namen Alraun trägt . Vielmehr trägt der Vf . kritiklos und fast immer aus Quellen zweiten und dritten Grades schöpfend allerlei Nachrichten über die Zauberwurzel und den damit verbundenen Aberglauben zusammen . Volkstümliche und aus der gelehrt - magischen Literatur flossene Angaben werden ohne weiteres miteinander verbunden , obwohl schon Wuttke ( Volksabergl . § 131 ) darauf hinweist , dass gerade hier die Unterscheidung sehr nötig sei . Die Art , wie der Vf . zitiert , mutet in ihrer Ungenauigkeit geradezu mittelalterlich an ; so
	        
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