Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

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Naegele : 
scheint dies nicht klar voraussetzen zn lassen1 ) . Ausser den in grösserer Zahl aus anderen Landschaften , z . B . von John und Pfau2 ) , bekanntgemachten Sühneverträgen aus Sachsen und Böhmen ( s . oben S . 254f . ) sei nur noch hingewiesen auf einen Yertrag aus den Annalen des Zisterzienserklosters Altenzelle , einer Stiftung des Markgrafen Dietrich von Meissen , jetzt Kammergut des Königs von Sachsen ; er verlangt neben den gewöhnlichen Bussen , Wergeid und Seelgerät , ein 'in jar und tage zu bestellen steynen kreutze dreyer Ellen lang'3 ) . Ein rührendes Unikum , dessen Mitteilung aus dem Lauinger Archiv ich dem ehemaligen Stadtbenefiziaten Rückert verdanke , sei als letztes Beispiel angeführt . In einer Sühneurkunde vom 16 . Mai 1412 erklären Utz Luder und seine Freunde , dass sie für den Totschlag , den Ulrich Flug von Giengen an Hansen Heckel dem Metzger säligen begangen hat , 'Richtung ( = Vergleich ) und Bessrung uffgenomen haben' , die er auch schon geleistet hat , 'mit Gelt , mit Gengen , mit Wachs , mit fünfzehen Messen ze haben , mit ainem ewigen Jartag ze machen , mit ainem Stainin Crutz ze setzen vud mit allen Dingen , als in der täding bered ward' . Dafür versprechen sie ihm , die Richtung zu halten ; ferner , dass sie 'den Knaben Henslin Heckel , Hansen Heckeis säligen Sun , der noch zu sinen tagen nit komen ist , darzu weisen und halten sullen , wenn er zu sinen tagen kompt , das er auch Friuntschaft swere und die Richtung ze halten' . Wenn einer ihrer Freunde die Richtung nicht hielte , sollen die andern dem Ulrich Flug beistehen . 
Wie tief der Sühnegedanke im Volke wurzelt , beweisen die lieferungen , die sich bisweilen an ähnliche , den Steinkreuzen äusserlich verwandte Denkmäler knüpfen , z . B . an das berühmte Hochkreuz in Friesdorf bei Bonn oder Godesberg , abgebildet in Clemen ( mäler des Stadtkreises Bonn , Düsseldorf 1905 S . 272 Nr . 182 . 183 . 184 ) . In den Formen der ausgebildeten Gotik des 14 . Jahrhunderts ist es verwandt dem Xantener Hochkreuz ( Kunstdenkmäler des Kreises Mors S . 151 ) und noch mehr dem zu Regensburg am Wittelsbacher Platz und dem zu Wien am Wienerberg . Das rheinische Monument wurde 1859 völlig erneuert , da es stark verwittert war . Es ist ein fast 11 m hoher , aus Trachyt aufgerichteter Pfeiler mit Fialen an den vier Ecken , bogenblenden im Unterbau , darüber auf Spitzkonsolen die Figuren Christi , Johannes des Täufers und zweier Engel , in den Zwickeln der Giebel die Sitzbilder der vier Evangelisten und musizierende Engel . Den Abschluss bildet jetzt eine Kreuzblume statt des ursprünglichen , jetzt im . Bonner Provinzialmuseum befindlichen eisernen Kreuzes auf der Spitze des Denkmals . Was uns besonders an dem Hochkreuz interessiert , ist , dass 
1 ) Mielke u . Maass nach Deutsche Gaue 9 , 164 nehmen Spuren der Befestigung dei - Lampe an . — 2 ) Unser Egerland 4 , 49 ; 13 , 22 und oben S . 389 Anm . 2 . Ich selbst 
öffentliche demnächst in Wiirttbg . Jahrb . zwei neue Totschlagsühnen ( Ravensburg 1390 , 
Altenskig 1494 ) . — 3 ) Annales Yeterocellenses I 2 , 103 .
        

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