Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Die Halligwohnstätte . 
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zahlreicheren Funde solcher Wasserwohnungen zeigen deren beinahe allgemeine Verbreitung in Europa , von Skandinavien bis nach Italien und von der Stein - bis zur Eisenzeit ( ganz abgesehen von aussereuropäischen Bauten ) . Die Werften oder Wurten unserer Festlandsmarschen und Halligen wie die holländischen Terpen oder Wierden scheinen ein bleibsel dieser Siedelungsart . Munro , der der beste Kenner der Lake - Dwellings sein dürfte , rechnet sie unter diese Gruppe . Die äusserst fältige Untersuchung von Dr . Hartmann a . a . 0 . über die Fahrstätter Wurt scheint darzutun , dass diese im zweiten nachchristl . Jahrhundert angelegt und später immer mehr erhöht wurde . Ihr Körper wie der aller suchten Dithmarscher Wurten zeigt offenbaren Packwerkbau mit einer merkwürdigen Schicht von Kuhmist . Nur die neueren Aussendeichwurten bestehen gleichmässig aus Klei . Yan Bemmelen1 ) fand für die holländischen Wierden Ähnliches , unter anderem auch die Lagen Rindermist . Petreus ( a . a . 0 . ) erwähnt für Nordstrand , dass die Häuser auf Werfen = grosse Haufen Erde gebaut seien ; Saxo Grammaticus ( Hist . Dan . 1 . 14 ) erzählt 1 185 von Nordfriesland , dass die Häuser auf einem Haufen Erde errichtet würden . Die Beschreibung des Plinius ( n . h . 16 , 3 ) zeigt uns , dass schon zum Beginne unserer Zeitrechnung auf den kahlen , vonEbbe und Flut beherrschten Landstrichen an der Ems - Wesermündung eine Fischerbevölkerung' auf Werften lebte , die mit den heutigen Halli° - werften eine auffallende 
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Ähnlichkeit haben8 ) . Unsere Halligwerften , deren Inneres von Zeit zu Zeit durch die Gewalt der Wogen blossgelegt wird , zeigen , wie bei der Holzarmut des Landes anzunehmen war , nichts von Holzunterbau ( Abb . 2 ; die Pfähle im Vordergrund sind Notschutzbauten ) . Ubereinstimmend konnte ich von allen gefragten Eingeborenen erfahren : das Hauptmaterial des 3—5 m hohen Werfthügels ist Klei . Dieser wird dem Boden der Hallig aus der nächsten Umgebung der Anlage entnommen , so dass fast bei allen diesen Hügeln das nächstumliegende Land etwas vertieft liegt . Einige Male wurde oben auf dem Klei eine Lage von Scherben ( u . a . scherben ) , Steinen und Asche beobachtet . Als äussere Bedeckung dient Humus , darüber werden sorgfältig Grassoden gelegt . Eine vor 20 Jahren neugebaute Werft wurde aus Klei mit dicken Lagen Tang dazwischen hergestellt . Lorenz Lorenzen a . a . 0 . berichtet 1749 , dass eine Werft nicht wie die anderen von Erde aufgeführt sei , sondern von Tang , „ welcher gedörrt und mit Sand vermengt , den Stoff zu einem dauerhaften Warf gibt , welcher von der Flut nicht so leicht abgespült wird , als ein von blosser Erde angelegter Warf . " Die Angabe von Johannsen3 ) , dass der Werfthügel aus Grassoden sorgfältig aufgebaut werde , indem diese wie 
1 ) Mitteil . d . niederl . Mus . d . Altert . Leyden 1908 und 'Die Dithmarscher Wurten' . 
2 ) Heyne , Deutsche Hausaltertümer , Leipzig 1899 , findet in ndd . Wörde , Wurd ein altes Wort für Hofstatt ; Cadovius , Mem . ling . fris . ( 1691 ) : Warf= Hofraum . 
3 ) Halligenbuch , Schleswig 1889 . 
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