Volltext: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, 22.1912

Protokolle . 
335 
einem früheren Vortrage desselben Redners ( s . oben 21 , 316—317 ) ausführlicher gesprochen worden . Übrigens findet sich schon bei Homer die Sitte erwähnt , , den Toten mit den Füssen zuerst aus dem Hause zu tragen . Auch in der deutschen Y Olksüberlieferung finden sich noch Spuren alten Seelenglaubens und Totenkultes vor , die einmal im Zusammenhange behandelt werden sollten . In der schliessenden Besprechung des Vortrages wies der Vorsitzende auf die jüngst erschienene Arbeit von Wolf von Unwerth , Untersuchungen über Totenkult und Odinnverehrung bei Nordgermanen und Lappen ( vgl . oben S . 213 ) , hin und bemerkte , dass die in griechischen Gräbern gefundenen Miniaturpferde auch als Besitzsymbole gelten könnten , nicht nur als Reittiere der Seelen , damit sie schneller an ihren stimmungsort gelangten . Hr . Geh . Rat Fri e del erinnerte daran , dass A . Kuhn bereits die norddeutschen Totenbräuche zusammengestellt habe und dass der Totenpfennig durch Gräberfunde auch für Deutschland belegt sei ; seine Deutung sei eine doppelte , Reisegeld oder sinnbildlicher Abkauf des Besitzes , doch sei die letzte vorzuziehen . Hr . Prof . Dr . Bolte bemerkte , dass Feilberg die griechischen Anthesterien mit einer nordischen Totenfeier verglichen habe . Schliesslich wurden die Volksanschauungen über die Überfahrt der Totenseelen erörtert . Hierzu wurden von mehreren Seiten Beispiele für das hohe Alter und die weite breitung dieses Volksglaubens beigebracht , so u . a . von Prof . Dr . Gr essmann für Palästina und von Frau C . Sei er für Mexiko . — Frau Direktor Sei er besprach dann unter Vorlegung zahlreicher Photographien ihre z . Zt . aus 48 Stücken bestehende Sammlung von europäischen Rückentragkörben , hier Kiepen genannt . Diese Körbe sind teils von runder , teils von viereckiger Form . Zwischenstufen gibt es in Krossen - Schwiebus . Die viereckige Form deutet nach Frau Seiers Meinung auf slawischen Untergrund in der Bevölkerung hin . In Weinbau den Gegenden finden sich Körbe mit langem Rückenstück . Der Stoff ist schieden , ebenso die Befestigungsart . Sehr fein geflochtene Körbe gebraucht man in Thüringen und Franken . Im Gebirge sind solche Körbe sehr gebräuchlich , dagegen nicht an der Wasserkante . In Rheinland - Westfalen sind sie bekannt und in Münster durch das sog . Kiepenkerl - Monument künstlerisch verewigt . Wichtig sind die verschiedenartigen Benennungen dieser Körbe : Kiepe bei uns , Hotte im Elsass und Württemberg , Kirm an der Donau , Kitze in Thüringen , Ketze ( Kötze ) in Heilbronn , Lische in Pommern , ferner Reff , Krette und Zainkorb . Hr . Geh . Rat Priedel wies auf die entsprechende 'Kraxe' der Gebirgsbewohner hin und klärte den modernen Rucksack für einen umgewandelten Rückentragekorb . Hr . Rektor Monk e machte auf eine havelländische Sage aufmerksam , in der ein steinernes Kreuz mit einem abgebrochenen Arm als versteinerte Semmelfrau mit . einer Kiepe auf dem Rücken erklärt wird . Hr . Oberlehrer Dr . Ebermann wies auf den bei Wuttke [ § 586 ] erwähnten Volksaberglauben im Erzgebirge , Vogtland und in Thüringen hin : Kommt eine Frau mit einem Tragkorbe in die Stube , in welcher ein Kind unter sechs Wochen liegt , so muss man einen Span vom Korbe schneiden und in die Wiege legen , sonst trägt sie des Kindes Ruhe mit fort Frau Prof . Di eh le gab dann noch eine Anzahl auf die Kiepe bezüglicher tümlicher Redewendungen und Sprichwörter zum besten . 
Freitag , den 17 . Mai 1912 . Vorsitz Geh . Rat Roediger . Hr . Prof . Dr . Bolte legte fünf Schafknöchel aus der Gegend von Wien vor , die zum Kinderspiel nutzt worden , sind und verweist zum Vergleich auf die oben 16 , 46 und 17 , 85 von . El . Lemke und ihm gesammelten Nachrichten über das von alters beliebte Fang - steinchenspiel der Kinder , genannt Fassein , Wispeln , Grappschen usw . Dann hielt Hr . Edgar Waiden einen mit Lichtbildern erläuterten Vortrag : Ethnographische Studien im Bismarck - Archipel und heimische volkskundliche Analogien . Zur Ein -
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.